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Grüne Start-ups unter Druck: Warum Berlin jetzt Tempo machen muss
© Tobias Froese
Die Berliner Startup Unit, die AG Impact der IHK Berlin und das Borderstep Institut für Innovation und Nachhaltigkeit hatten am 20. Mai zur Diskussion aktueller Herausforderungen grüner Start-ups in die JUNI Startup Factories eingeladen.
Nach der Vorstellung der Ergebnisse des Green Startup Reports 2026 diskutierten Start-ups aus Berlin mit Expertinnen und Experten aus Politik, Fördereinrichtungen und Wissenschaft über aktuelle Chancen und Herausforderungen von GreenTech Start-ups und DeepTech-Gründungen.
Berlin bleibt GreenTech-Hauptstadt
Jedes fünfte grüne Start-up hat seinen Sitz in Berlin, wie der aktuelle Green Startup Report (GSR) zeigt. Damit liegt die Hauptstadt bundesweit vorn. Auch insgesamt wächst die Szene weiter. Der GSR 2026 zeigt aber eine Entwicklung, die viele aufhorchen ließ: Der Anteil neuer grüner Gründungen geht zurück.
Die Gründe dafür zogen sich durch fast alle Redebeiträge der Veranstaltung: Unsicherheit bei politischen Rahmenbedingungen, schwierige Finanzierung, hoher bürokratischer Aufwand, lange Entscheidungswege. Dazu kommt eine öffentliche Debatte, in der Klimathemen zuletzt deutlich weniger Aufmerksamkeit bekommen.
Mehrere Teilnehmende des Panels beschrieben die aktuelle Situation als widersprüchlich. Denn eigentlich wächst der Bedarf an klimafreundlichen Technologien weiter. Energieversorgung, Rohstoffabhängigkeiten und Dekarbonisierung verschwinden schließlich nicht, im Gegenteil.
GreenTech ist längst kein Nischenthema mehr
Besonders eindrücklich sind die Zahlen zum Klimaschutzpotenzial grüner Start-ups, die Borderstep-Gründer Klaus Fichter dem Publikum präsentierte. Der Green Startup Report 2026 weist nach, dass ihre Produkte und Dienstleistungen die Treibhausgasemissionen im Schnitt um rund 70 Prozent gegenüber herkömmlichen Lösungen senken.
Dabei geht es längst nicht mehr nur um Solartechnik oder Recycling. Vorgestellt wurden unter anderem Plattformen für Kreislaufwirtschaft, satellitengestützte Lösungen für nachhaltige Landwirtschaft und KI gestützte Systeme zur automatisierten CO₂ Bilanzierung.
Mehrfach fiel deshalb ein Gedanke, der über dem ganzen Nachmittag stand: GreenTech ist keine Spezialdisziplin mehr. Es geht um die industrielle Zukunft Europas.
Berlin will internationale Talente anziehen
Ein Schwerpunkt der Veranstaltung war die Frage, wie Berlin bessere Bedingungen für DeepTech- und GreenTech-Gründungen schaffen kann.
© Tobias Froese / Martin Rahmel Managing Director innovate! lab gGmbH
Martin Rahmel, selbst Seriengründer und Managing Director der innovate! lab gGmbH, stellte dafür das Innovate Lab und die Chemical Invention Factory vor. Deren Ziel ist es, internationale Forschende und Gründer nach Berlin zu holen und wissenschaftliche Ideen schneller in Unternehmen zu überführen. Besonders im Bereich Green Chemistry soll Berlin international sichtbarer werden.
Der Ansatz dahinter: Nicht nur Berliner Ideen fördern, sondern gezielt die besten Teams weltweit anziehen.
Zwischen Aufbruch und Frust
Im anschließenden Panel Talk diskutierten Vertreter aus Politik, Investment und Startup-Szene über die aktuellen Herausforderungen für grüne Gründungen. Moderiert wurde die Runde von Klaus Fichter.
© Tobias Froese / Borderstep Direktor Prof. Dr. Klaus Fichter
Auf dem Podium standen:
- Tuba Bozkurt, Mitglied des Abgeordnetenhauses von Berlin (Fraktion: BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
- Marco Hahnfeld, Mitglied des Abgeordnetenhauses von Berlin (Fraktion: CDU)
- Tamara Lüdke, Mitglied des Abgeordnetenhauses von Berlin (Fraktion: SPD)
- Katrin Robeck, Geschäftsführerin IBB Ventures
- Philipp von Bieberstein, Geschäftsführer Climatiq
- Theresa Schuhmann, Co-Founder & Operations ReCircle Impact
- Giorgi Shuradze, CEO CinSOIL
Die Diskussion war ungewöhnlich offen. Genannt wurden fehlende Flächen zum Skalieren, komplizierte Förderstrukturen, langsame öffentliche Beschaffung und ein enormer Verwaltungsaufwand. Gerade junge Unternehmen verlieren oft Zeit und Energie in Formularen, Förderanträgen und regulatorischen Fragen. Zeit, die eigentlich in Produktentwicklung und Kundengewinnung fließen müsste.
Bei aller Ernüchterung war spürbar, wie viel Energie und Überzeugung in der Szene steckt. Viele der vorgestellten Unternehmen arbeiten an Lösungen, die in den kommenden Jahren dringend gebraucht werden. Die Technologien sind da, das Wissen ebenfalls. Die Frage bleibt: Schaffen Politik, Verwaltung und Kapitalmarkt endlich die Geschwindigkeit, die diese Entwicklungen brauchen?
Autor: Tobias Froese
