Good Practice

"Sich auf eine Sache zu fokussieren, ist ein wichtiger Erfolgsfaktor"

Redaktion

 

 


Gründerinterview: Talents4Good

Talents4Good ist eine Personalvermittlung für ausgewählte Jobs und Projekte mit gesellschaftlicher Wirkung. Sie besetzt Stellen bei Arbeitgebern, die einen Job mit gesellschaftlicher Wirkung anbieten: in Social Enterprises, Stiftungen, NGOs, im CSR- und Nachhaltigkeitsbereich sowie in der Entwicklungszusammenarbeit. Ihr Ziel: Soziale Initiativen mit den bestmöglichen Talenten zu versorgen und gleichzeitig Menschen die Möglichkeit zu bieten, beruflich zu gesellschaftlichem Mehrwert beizutragen.

 

StartGreen: Liebe Carola, warum versteht ihr euch als grünes Start-up und was macht ihr eigentlich so?

Carola von Peinen: Wir sind eine Personalvermittlung, die sich auf Unternehmen spezialisiert hat, die dazu beitragen einen gesellschaftlichen Mehrwert kreieren. Dazu gehören für uns nicht nur Unternehmen aus dem Bereich Umwelt sondern auch aus dem sozialen Bereich. Da diese Unternehmen oft noch sehr klein sind, haben sie keine eigene Personalabteilung. Wir beraten sie deshalb bei ihrer Suche nach dem richtigen Personal und haben die Dienstleistungen, die man aus der klassischen Personalberatung kennt, an ihre Bedürfnisse dieser Organisationen angepasst.

 

StartGreen: Was hat euch dazu bewegt, Talents4Good zu gründen?

Carola von Peinen: Ich persönlich wollte nach knapp zehn Jahren in der klassischen Personalwirtschaft meine Fähigkeiten einer besseren Welt zur Verfügung stellen. Als ich nach einem Personaldienstleister im Bereich Nachhaltigkeit suchte, konnte ich keinen finden. So entstand bei mir die Idee, selber einen zu gründen. Meine Mitgründerin kommt aus dem Bereich der Entwicklungszusammenarbeit. Auch sie wollte sich verändern. Der Dritte in unserem Bunde ist Ashoka aus dem Bereich des Sozialunternehmertums. Was uns alle verband war die Frage:  Was brauchen denn eigentlich Organisationen, die die Welt verbessern wollen? Finanzierung ist eine Sache, aber das zweitgrößte Problem ist das richtige Personal. Und so ist dann Talents4Good entstanden.

 

Nachhhaltigkeit

StartGreen: Kannst du uns bitte mehr darüber erzählen wie Talents4Good die Gesellschaft und die Umwelt positiv beeinflusst?

Carola von Peinen: Wir sind kein Unternehmen, das einen direkten positiven Impact auf die Umwelt hat, wie sind eher eine Organisation des Ökosystems; d.h. wir unterstützen die Unternehmen, die den Umweltschutz und die Nachhaltigkeit vorantreiben wollen mit dem richtigen Personal. Wir sorgen dafür, dass sie sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren können. So eine Rekrutierung ist unglaublich zeitaufwendig und wer das so nebenbei macht, kann zum einen nicht das tun was er am besten kann und zum anderen kommt meistens auch nicht das beste Ergebnis dabei heraus.

 

Geschäftsmodell

StartGreen: Kannst du uns sagen, was genau das Alleinstellungsmerkmal von Talents4Good ist? Du hast ja gesagt, ihr seid non-profit orientiert, aber ihr müsst ja trotzdem auch Umsätze generieren. Wie genau sieht euer Geschäftsmodel aus?

Carola von Peinen: Wie du schon sagst, steht bei uns nicht die Gewinnmaximierung im Vordergrund. Wir finanzieren uns ausschließlich darüber, dass die Unternehmen uns für unsere Leistungen bezahlen. Der Unterschied zur klassischen Personalberatung liegt aber darin, dass wir unser Pricing-Modell an die Zahlungsfähigkeit unserer Kunden angepasst haben. Das heißt, wir gucken uns die Größe der Unternehmen und den Finanzierungshintergrund an und versuchen, allen ein adäquates Angebot zu machen, das wir dann auch transparent kommunizieren.

 

StartGreen: Könnte man euren Service auch als potenzieller Arbeitnehmer in Anspruch nehmen?

Carola von Peinen: Zurzeit bieten wir das noch nicht an. Ich glaube, dass unser Netzwerk nach drei Jahren noch nicht solide genug ist. Das würde nur Sinn machen, wenn wir auch tatsächlich in der Lage wären Bewerbern konkrete Jobvorschläge zu bereiten, was relativ schwierig ist, weil es letztendlich eben doch noch nicht so viele Jobs in dem Bereich gibt.

 

Finanzierung

StartGreen:  Wie habt ihr euch am Anfang finanziert?

Carola von Peinen: Am Anfang haben wir uns aus eigenen Mitteln finanziert. Im Gründungsjahr haben wir alle ehrenamtlich gearbeitet und dann haben wir zum Glück Ashoka als Mitgründer gewinnen können, die sich dann auch finanziell eingebracht haben. Insgesamt war es eine sehr kleine Finanzierungsrunde, weil wir natürlich im Dienstleistungsbereich auch keine großen Investitionen tätigen müssen, doch sind wir damit bis jetzt ganz gut durchgekommen.

 

Marktzugang

StartGreen: Wie schafft ihr eigentlich den Marktzugang, wo es doch schon so viele Personaldienstleister und so viele grüne Job-Plattformen gibt?

Carola von Peinen: Also zum einen sind wir eben ein Nischenanbieter und zum anderen ist Netzwerkarbeit in unserem Bereich sehr wichtig. Wir haben vor allem versucht, den persönlichen Kontakt zu unseren Kunden herzustellen, damit unsere Kunden merken, dass wir aus derselben Welt kommen. Unser Alleinstellungsmerkmal besteht darin, dass wir verstehen, was unsere Kunden überhaupt tun und was sie benötigen; wir haben ein Verständnis dafür, mit welchen Themen sie sich beschäftigen.

 

Empfehlung

StartGreen: Welchen Tipp möchtest du der Grünen Gründerszene mit auf den Weg geben?

Carola von Peinen: Ich möchte noch einmal unterstreichen, dass es unglaublich wichtig ist, sich Partner zu suchen, die einen inhaltlich weiterbringen. Wir zum Beispiel haben eine Person im Gründungsteam, die ein wenig die Funktion eines Beirats hat und die uns zu vielen formalen und strategischen Dingen berät, was sehr hilfreich ist.

Ein anderer wichtiger Punkt ist zudem die Fokussierung. Als Gründer sieht man überall Opportunitäten und sich da immer wieder zurückzunehmen und sich auf eine Sache zu fokussieren, ist ein ganz wichtiger Erfolgsfaktor.

Außerdem haben wir uns bei Talents4Good von Anfang an klare Regeln gesetzt, wie viel Zeit wir investieren wollen, um von Anfang an unter reellen Bedingungen zu arbeiten. Denn es bringt ja nichts, wenn man die ersten drei Jahre 24/7 arbeitet und danach den doppelten Preis nehmen muss, weil man nur noch die Hälfte arbeiten will. Es muss einen klaren Rahmen geben, wie viel jeder bereit ist zu geben und auch auf Dauer geben kann. Das ist, meiner Meinung nach, ein ganz wichtiger Punkt, damit man nicht auf halber Strecke verhungert.

 

StartGreen: Vielen Dank, Carola, für das interessante Gespräch!


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