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WeiberWirtschaft im Interview

© WeiberWirtschaft

Redaktion

 

WeiberWirtschaft: Nachhaltigkeit für Europas größtes Gründerinnenzentrum

 

Wie kam Ihnen die Idee zu Ihrem Projekt?

Die Idee zur WeiberWirtschaft basiert auf Empfehlungen aus einem Forschungsprojekt 1985 an der Freien Universität über die Situation von Gründerinnen in West-Berlin. Da die Politik keine Mittel zur Umsetzung bereitstellen wollte, bildete sich ein Selbsthilfeprojekt von Frauen für Frauen, das 1989 in der Gründung einer Genossenschaft kristallisierte. Von Beginn an wurde nicht nur die Förderung von Gründerinnen und Unternehmerinnen, sondern auch die Ökologie als Satzungszweck festgeschrieben.

Die Genossenschaft kaufte Anfang der 1990er Jahre einen Gewerbehof in Berlin-Mitte und baute ihn nach modellhaften ökologischen Kriterien zu Europas größtem Gründerinnen- und Unternehmerinnenzentrum aus. Auf über 7000 qm Fläche arbeiten heute bis zu 70 Unternehmen in Frauenhand, zur Infrastruktur zählen Kindertagesstätte, Veranstaltungsräume und Gastronomie. Die Gründerinnenzentrale bietet Orientierungsberatung und Vernetzungsangebote für Frauen auf dem Weg in die unternehmerische Selbständigkeit.

 

Wer hat Sie dabei unterstützt?

Rund 1.850 Genossenschaftsmitglieder zählt die WeiberWirtschaft eG heute, und es werden jedes Jahr mehr. Jede dieser Frauen hat mit mindestens einem Genossenschaftsanteil (und häufig darüber hinaus) mit ihrem Know-How und ihren Netzwerken zum Gelingen beigetragen. Beim Aufbau des Gründerinnenzentrums konnte die WeiberWirtschaft damit eine sehr breite Unterstützung aus Politik, Zivilgesellschaft, öffentlicher Verwaltung und Wissenschaft aktivieren.

 

Welche Geldquellen haben Sie gesucht? Wie konnten Sie Investoren überzeugen?

Zum Konzept der Genossenschaft zählte von Beginn an das Ziel der wirtschaftlichen Unabhängigkeit und damit die Unabhängigkeit von wechselnden politischen Förderzielen. Für Kauf und Sanierung in den 90er Jahren setze die Genossenschaft neben Eigenkapital Bankkredite ein und erhielt Wirtschaftsfördermittel  und kommunale Darlehen. Heute ist das Kerngeschäft die Vermietung der eigenen Gewerbe- und Veranstaltungsräume. Für zusätzliche Projekte werden Kooperationen gesucht und externe Förderanträge gestellt, das Projekt FrauenUNTERNEHMEN green economy wurde beispielsweise in Kooperation mit dem Life e. V. und mit Projektfördermitteln des Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit und des Bundesumweltamtes durchgeführt.

 

Welche Herausforderungen sehen Sie an Ihrem Beispiel für grünes Gründen in Deutschland?

Die vielen kleinen und kleinsten Gründungsunternehmen haben ein immenses Gestaltungspotenzial  hin zu nachhaltigem, sozialem und gerechtem Wirtschaften. Häufig fehlen ihnen aber Informationen darüber. Eine der großen Herausforderungen insbesondere für Gründerinnen, aber auch Gründer sind dabei die mangelnden Ressourcen. Sie haben häufig prekäre Rahmenbedingungen und brauchen Unterstützung und gute Ideen, um trotzdem langfristig planen und nachhaltig wirtschaften zu können. Frauen sind aufgrund der strukturellen Benachteiligung im Gründungskontext davon noch deutlich stärker betroffen als Männer. Die zweite große Herausforderung ist der sorgsame Umgang mit der eigenen Arbeitskraft: Work-Life-Balance, Vereinbarkeit, die Organisation der Versorgungsarbeit und Gesundheitsförderung in eigener Sache gehören ebenfalls zum Nachhaltigkeitsmanagement.

 

Was leistet Ihr Projekt für den Klimaschutz? Wie trägt es zum Wandel in der Gesellschaft bei?

Wir versuchen allen Unternehmen die möglichen Handlungsfelder aufzuzeigen, um nachhaltig zu wirtschaften. Dazu haben wir unter anderem in Kooperation mit dem Life e. V. das Projekt FrauenUNTERNEHMEN green economy durchgeführt und darin einen Film über vorbildliche Unternehmerinnen sowie eine Broschüre und Checkliste "Grün. Gerecht. Gestalten." entwickelt. Die Broschüre kommt bei vielen unserer Netzwerkpartnerinnen bundesweit zum Einsatz und ist auch online verfügbar.

Beim nachhaltigen Wirtschaften gehen wir mit unserem Gewerbehof und seiner Bewirtschaftung mit gutem Beispiel voraus.
 

Welches Geschäftsmodell steckt hinter Ihrem Vorhaben?

Wir vermieten Geschäftsräume an unsere Mitglieder.

 

4Was ist dabei Ihr Alleinstellungsmerkmal?

Wir sind Spezialistinnen für die Existenzgründung von Frauen.

Galten die Teilzeit- und Kleinstgründungen vor einigen Jahren noch als Merkmale besonders der von Frauen gegründeten Unternehmen, trifft das heute auf den zahlenmäßig weit überwiegenden Anteil auch der von Männern realisierten Vorhaben zu. Damit werden unsere Erfahrungen auch für andere Organisationen im Gründungskontext wichtig, wir teilen gerne!

 

Welchen Tipp haben Sie für Gründerinnen und Gründer in der Green Economy?

Jedes Unternehmen, gleich welcher Branche, hat eine Wahl und kann nachhaltiges, „grünes“ Wirtschaften gestalten! Einer der wichtigsten Aspekte ist dabei der sorgsame Umgang mit der Ressource der eigenen Arbeitskraft.

 

Warum wollen Sie den StartGreen Award 2016 gewinnen?

2016 möchten wir gerne gewinnen, um noch mehr Öffentlichkeit für unsere Kernbotschaften zu erhalten: 1) Soziale Nachhaltigkeit und damit auch Geschlechtergerechtigkeit ist ein wesentlicher Bestandteil des „grünen“ Wirtschaftens. 2) Jedes Gründungsunternehmen gleich welcher Branche hat die Wahl, nachhaltige Entscheidungen zu treffen.


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