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URFARM – Gemüseanbau im Container

© URFARM

Redaktion

In aller Kürze: Was ist eure Unternehmensidee?
URFARM ist ein Plattformkonzept zum Verpachten personalisierter Anbauflächen in hydroponischen Farmen. Die Farmen werden in umgebauten Containern umgesetzt und direkt in den Städten, am Point-of-Use, aufgestellt. Wir realisieren eine ganzjährige, nahezu CO2-neutrale und nachhaltige Produktion, Ernte sowie Distribution von Gemüse und Kräutern. Damit können unsere Kunden den eigenen Konsum bewusster, grüner und individuell gestalten. URFARM hat die Vision, aktuellen und zukünftigen ökologischen Herausforderungen schon heute ein Lösungskonzept gegenüber zu stellen. Hiermit wollen wir die drei Säulen der Nachhaltigkeit: Effizienz, Suffizienz und Konsistenz in einem wirtschaftlich tragbaren Geschäftskonzept vereinbaren.

Welche Mission verfolgt ihr? Auf welche Weise leistet ihr einen positiven Beitrag für die Umwelt oder Gesellschaft?
Die Weltbevölkerung wächst seit Jahren unaufhaltsam. In den kommenden Jahren werden über 10 Milliarden Menschen, davon ca. 6 Milliarden in urbanen Ballungsgebieten, auf unserem Planeten leben. Die Versorgung dieser Menschen mit frischem Gemüse ist bereits heute eine ökologische und logistische Herausforderung. Neue Lösungskonzepte müssen her.
Die traditionelle Gemüsekultivierung hat Schwachstellen. Die Ressourcen Wasser und fruchtbarer Boden stoßen bereits heute an die natürlichen Belastungsgrenzen. Schon 70 Millionen km² fruchtbarer Boden sind aktuell irreversibel geschädigt. Aufgrund von Überdüngung, Monokulturen, Kontamination, etc. wächst diese Fläche jedes Jahr um ca. 120.000 km² - das entspricht in etwa drei Mal der Fläche der Schweiz.
Auch die Verwendung von Trinkwasser in der traditionellen Gemüsekultivierung ist gegenwärtig nicht sinnvoll gestaltet. Ein Großteil versickert und verdunstet. Durch den exzessiven Einsatz von Düngemitteln sowie Herbiziden und Pestiziden wird diese überlebenswichtige Ressource zusätzlich kontaminiert.
Die Distribution hin zu den Ballungszentren ist ein zusätzlicher Faktor, der die Umwelt, aufgrund von Emissionen, belastet. Außerdem werden etwa 30% der Ernte auf den Transportwegen derart geschädigt, dass diese nicht mehr für den Verkauf verwendet werden können. Die unreife Ernte des Gemüses ist ein weiterer negativer Faktor für die Kunden, denn hier bleibt der Geschmack auf der Strecke.
Wir von URFARM verwenden für die Gemüsekultivierung Hydroponik. Im Gegensatz zur traditionellen Landwirtschaft wachsen die Pflanzen dabei in Pflanzkörben, die in Wasser hängen und kontinuierlich mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt werden. Das ermöglicht uns:

  • Schonung von fruchtbarem Boden
  • Wassereinsparung >80% im Vergleich zur herkömmlichen Landwirtschaft
  • Erhöhung des Flächennutzungsgrad um den Faktor >15
  • Automatisierung und optimale Abstimmung von Bewässerung und Nährstoffzufuhr
  • Autarkie durch Photovoltaikmodule an der Fassade der Container
  • Verkürzung der Lieferwege für unsere regional / urban angebauten Lebensmittel
  • Einsparung von Pestiziden, Herbiziden, Dünger und anderen chemischen Zusätzen >95%
  • Erfüllung höchster Qualitätsstandards durch ein 24/7 Inline-Tracking der Wachstumsbedingungen

Für die Beleuchtung der Pflanzen in der Wachstumsphase verwenden wir Ökostrom. Die Distribution von Gemüse und Kräutern erfolgt mit Lastfahrrädern, wodurch wir unser Konzept der nachhaltigen Lebensmittelversorgung abrunden. Durch unseren Ansatz tragen wir zum Erhalt eines lebenswerten Planeten bei.

Wie kam euch die Idee zur Gründung?
Der Gründer von URFARM, Pascal Wolf, beschäftigt sich seit mehreren Jahren mit der Hydroponik-Technologie. Er ist der festen Überzeugung, hiermit einen wichtigen Baustein für eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft erarbeiten zu können.
Zunächst bestand die Idee darin, Hydroponik-Anlagen für den privaten Gebrauch herzustellen. Doch auch wenn potentielle Kunden von der Idee überzeugt waren, fehlt vielen Zeit, Platz und Knowhow für die richtige Pflege der Pflanzen.
Andere Konzepte betreiben Farmen in einer Größenordnung >5000 m2 und vertreiben das Gemüse an verschiedene Retailer (Edeka, etc.). Allerdings wird das Gemüse hierbei an die regionalen Logistikzentren geliefert und anschließend wieder weiterverteilt. Auf diese Weise verursacht auch regional kultiviertes Gemüse eine starke Emissionsbelastung. Hinzu kommt, dass Gemüse i.d.R. aus anderen europäischen Ländern wie Spanien oder Niederlanden importiert werden muss, wodurch zusätzlicher Transportaufwand mit all seinen ökologischen Auswirkungen notwendig ist.
Daher entschieden wir uns, das Konzept „Hydroponik für Jedermann“ weiter zu denken und einen ganzheitlichen und nachhaltigen Ansatz zu realisieren. Frei nach dem Motto: Du suchst aus, wir bauen nach deinen Wünschen an, gemeinsam machen wir die Welt grüner.

Wie sieht euer Geschäftsmodell aus?
Für eine monatliche Miete können unsere Kunden Anbaufläche (1-20 m2) in unseren urbanen, hydroponischen Farmen erwerben und diese individuell mit Gemüse und Kräutern bestücken. Anschließend kultivieren wir die ausgewählten Pflanzen kundenindividuell und liefern diese regelmäßig frisch direkt nach Hause. Dazu kann neben dem reinen Anbau auch die direkte Weiterverarbeitung der Pflanzen gewählt werden. So können unsere Kunden fertig zubereiteten Salat oder Tomatensoße aus “eigenem Anbau” genießen. Durch die Technologie können wir Gemüse und Kräuter 365 Tage im Jahr anbauen und damit auch unsere Kunden ganzjährig mit eigenem Gemüse beliefern.

Was ist euer Alleinstellungsmerkmal?
Die Hydroponik-Technologie wird derzeit in den Medien thematisiert und erfährt dadurch einen Hype. Dabei ist Hydroponik schon länger am Markt vertreten. Bereits heute existieren große Farmen. Abnehmer ist in diesen Fällen der klassische Lebensmittelhandel, der die Produkte anschließend an den Endkunden weitergibt.
Diesen Zwischenschritt wollen wir umgehen und unseren Kunden das erste komplett nachhaltig gestaltete Konzept – eine effiziente und ökologisch sinnvolle Anbaumethode für Gemüse und Kräuter – anbieten. Frei nach dem Motto vieler Online-Spiele: Bau dir deinen eigenen Garten. Nur bei uns bekommst du wirklich echtes Gemüse auf deinen Tisch.
Die Anbauflächen sind unseren Kunden zugeordnet, wodurch diese jederzeit Zugang zu frischem und gesundem Gemüse haben. Ein Umstand, der unter den sich verändernden ökologischen Rahmenbedingungen in Zukunft keine Selbstverständlichkeit mehr sein wird.

Gibt es bestimmte Herausforderungen speziell in eurer Branche?
Die größte Herausforderung besteht in der derzeit noch bestehenden Unwissenheit unserer Kunden über die ökologischen und damit langfristig auch ökonomischen Vorteile dieser Technologie. Diese Informationslücke muss von unserer Seite aus geschlossen werden. Die Präsenz dieser Technologie in den Medien derzeit hilft dabei.
Eine weitere Herausforderung ist, dass derart angebautes Gemüse kein Bio-Zertifikat erhalten wird, da die Pflanzen nicht in Erde angebaut werden. Die viel leichter zu kontrollierenden Wachstumsbedingungen der Pflanzen und der nahezu vollständige Verzicht auf Pestizide und andere chemische Stoffe bringen jedoch deutliche Vorteile für Geschmack und Gesundheit. Durch die langfristige Einführung eines eigenen Gütesiegels für nachhaltiges Hydroponik-Gemüse wollen wir eine Alternative zum Bio-Label schaffen.

Wie sieht eure langfristige Vision aus?
In fünf Jahren werden wir in 20 europäischen Städten mindestens 10.000 Menschen pro Stadt mit frischem Gemüse aus unseren Farmen versorgen und somit alle überlebenswichtigen Ressourcen schonen.

Und zu guter Letzt: Warum wollt ihr den StartGreen Award 2018 gewinnen?  
Wir benötigen für die Umsetzung unseres Konzept Visibilität und Kapital. Die Idee ist gut, sinnvoll und wird die Welt ein Stückchen besser machen. Mit der Hilfe des StartGreen Awards können und werden wir den nächsten Schritt in der Realisierung dieser zukunftsweisenden Idee machen. URFARM grows your world greener!

© Rolf Schulten


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