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Thriving Green im Interview

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Redaktion

Thriving Green im Interview

 

Für alle Eiligen: Worum genau geht es in Ihrem Projekt?

Thriving Green ist ein soziales Unternehmen, das in Nordkenia die Mikroalge Spirulina anbaut, um Hunger und Mangelernährung nachhaltig zu bekämpfen. Durch den hocheffektiven Anbau von Spirulina wird die Superfood-Alge von vielen Wissenschaftlern auch als “Lebensmittel der Zukunft” bezeichnet. Spirulina ist im Anbau 10 Mal so effektiv wie europäischer Hochleistungsweizen, verbraucht nur 10% so viel Wasser wie Reis, bindet ca. 14 Mal so viel CO2 wie Wald und enthält viele Vitamine und Minerale und jede Menge Protein. Wir sehen Spirulinazucht als den Inbegriff ökologisch sinnvoller Landwirtschaft in Entwicklungsländern.

 

Wie kam Ihnen die Idee zu Ihrem Vorhaben?

Alexander Zacharuk, Biologiestudent, schaute im Juni 2016 eine Dokumentation über den Turkana-See, wo vermittelt wurde, dass dort keine Landwirtschaft möglich sei. Er war davon überzeugt, dass Algenzucht die Lösung ist. Dann haben wir das Projekt gegründet, intensive Recherchen betrieben, uns die Spirulina-Startkultur besorgt, die ersten Labor-& Freiluftversuche in Regensburg durchgeführt, einen Business Plan erstellt und uns bei Nachhaltigkeits- und Gründerwettbewerben beworben. Als wir viel Zuspruch durch Partner, Wettbewerbsjurys und Interessierte am Projekt erhielten, wie auch positive Fortschritte in den Zuchtversuchen, holten wir uns die anderen Projektmitglieder mit ins Boot und flogen im April 2017 nach Turkana um die erse Pilotanlage aufzubauen. Im September verdoppelten wir die Anlage auf 300 m2 Zuchtfläche.

 

Wer hat Sie dabei unterstützt?

Durch die soziale Studentenorganisation enactus Regensburg e.V., dem OTH startup center, Herrn Prof. Michael Thomm und Herrn Prof. Dowling erhielten wir viel Beratung durch die Regensburger Hochschulen. Wettbewerbsjurys halfen uns, unser Konzept zu verfeinern. Die lokalen Partner vor Ort, Pater Avelino und Alfred Seyee, halfen uns entscheidend, die erste Anlage aufzubauen. Zudem haben uns alle Spender und finanzielle Unterstützer geholfen, das Pilotprojekt zu realisieren.

 

Welche Geldquellen haben Sie gesucht? Wie konnten Sie Investoren überzeugen?

Bisher finanzierten wir uns primär durch Spenden und Wettbewerbspreisgelder. Um den Weg zu einem erfolgreichen Social Business zu ermöglichen, sind wir auf weitere Finanzierung, durch z.B. Impact Angels angewiesen. Für viele Angel Investoren sind wir jedoch noch zu klein.
 

Welche Herausforderungen sehen Sie an Ihrem Beispiel für grünes Gründen in Deutschland?

Wir denken, dass viele Impact Investoren in Deutschland lieber in CO2-Anleihen investieren als in grüne startups, obwohl es sich nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch deutlich mehr lohnen würde, wenn sie stattdessen z.B. in 10 grüne startups investieren.

 

Was leistet Ihr Projekt für den Klimaschutz? Wie trägt es zum Wandel in der Gesellschaft bei?

Durch Spirulinazucht kann sehr viel CO2 gebunden werden. Je Tonne Spirulina ca. 741 KG. Das sind pro 50 m2 Zuchtbecken im Jahr ca. 250KG. Verglichen mit der gleichen Fläche Wald ist Spirulinazucht 14x so effektiv in der CO2- Bindung. Landwirtschaft verursacht in westlichen Ländern ca. 20% der CO2-Emissionen. Zudem wird erwartet, dass v.a. Entwicklungsländer durch ihr enormes Bevölkerungswachstum zukünftig sehr zu den weltweiten CO2-Emmissionen beitragen. Spirulinazucht ist ein attraktives Thema für ca. 3 – 10 Mio. Menschen weltweit. Deshalb sind wir davon überzeugt, dass Spirulinazucht in Entwicklungsländern erheblich zu einer ökologisch sinnvolleren Landwirtschaft beitragen kann.

 

Welches Geschäftsmodell steckt hinter Ihrem Vorhaben?

Wir bauen Zuchtbecken vor Ort, wo die Menschen hungern, beschäftigen Spirulinabauern, ernten Spirulina und verkaufen es an die einheimische Bevölkerung. Zudem bieten wir ausgebildeten Spirulinabauern an, Zuchtbecken zu pachten und dadurch als selbtständiger Superfood-Farmer sich selbst zu versorgen.

 

Was ist dabei Ihr Alleinstellungsmerkmal?

Wir sind aktuell in der Zielregion der einzige Spirulinahersteller. Spirulina ist sehr gesund, schmeckt unseren Kunden gut und kann deutlich kosteneffizienter angebaut werden als vergleichbare Lebensmittel in der Zielregion. Durch die Zusammenarbeit mit unseren Partnern, v.a. der katholischen Mission, haben wir einen hervorragenden Zugang zu den Menschen vor Ort und sehr gute Skalierungsmöglichkeiten.

 

Welchen Tipp haben Sie für Gründerinnen und Gründer in der Green Economy?

Gängige Meinungen hinterfragen. Bevor wir das Projekt starteten, behaupteten alle, dass in unserer Zielregion nichts wächst und es ein nicht lösbares Problem ist. Nachdem wir das Projekt starteten, meinten die meisten Leute, dass es den Einheimischen nicht schmeckt. Beides war falsch. Spirulina wächst sehr gut und schmeckt den Einheimischen hervorragend. Wir denken, dass es sich v.a. im grünen und sozialen Bereich lohnt, gängige Meinungen zu hinterfragen und unkonventionelle Lösungen zu testen. Besonders dann, wenn es sonst niemand macht.

 

Warum wollen Sie den StartGreen Award 2017 gewinnen?

Wir sind davon überzeugt, dass es bahnbrechende Lösungen v.a. im Bereich Landwirtschaft und v.a. in Entwicklungsländern benötigt, um Klimaschutz wirklich effektiv und langfristig zu betreiben. Da Spirulinazucht nur 1% an Wasser verglichen mit Rinderzucht braucht, 10x so viel Ertrag wie Getreidezucht liefert und 14x so viel CO2 bindet wie Wald, sehen wir in Spirulinazucht eine bahnbrechende landwirtschaftliche Lösung, welche erheblich zur CO2- Einsparung beitragen kann. Zudem sind wir davon überzeugt, dass wir als junges grünes und soziales Startup sehr von dem Netzwerk und der Förderung von StartGreen profitieren können. Sollten wir ein Preisgeld gewinnen, werden wir dadurch neue Zuchtbecken finanzieren. Mit 5.000 EUR können wir 5 neue Becken bauen und dadurch pro Jahr 750 KG CO2 binden, 2 neue Spirulinabauern beschäftigen und 75 Menschen täglich mit 50g dieses Superfoods ernähren.

 

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