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Sonnenenergie als Jobmotor in Afrika

© Little Sun

Redaktion

Das Sozialunternehmen ist eine Initiative des dänischen Künstlers Olafur Eliason und stellt hochwertige tragbare Solarlampen her. Little Sun stand 2015 im Finale des StartGreen Awards und wurde 2016 mit dem Sonderpreis „Neue Perspektiven“ ausgezeichnet. Wir haben mit dem Team über den Einfluss von Kunst auf das Umweltbewusstsein gesprochen und erfahren, wie tragbare Sonnenergie in Afrika zum Jobmotor wird.

 

Vor kurzem habt ihr euer drittes Produkt, den Little Sun Diamond, auf den Markt gebracht. Wie habt ihr damals eure ersten Kunden gefunden? Und wie hat sich in den letzten Jahren die Nachfrage nach euren Solarlampen entwickelt?

In erster Linie richten sich unsere Produkte an Menschen, die in Regionen ohne verlässliche Stromversorgung leben. Dort bietet Solarenergie eine Alternative zu gefährlichen und kostspieligen Petroleumlampen, die dort nach Einbruch der Dunkelheit häufig als einzige Lichtquelle dienen. Die Menschen vor Ort erkennen sofort den Nutzen von Solarenergie, die ersten Kunden zu finden war deshalb nicht schwer. Da viele Menschen in Subsahara-Afrika Handys besitzen, stieg dann auch die Nachfrage nach solarbetriebenen Ladegeräten – woraufhin wir unser zweites Produkt, den Little Sun Charge auf den Markt gebracht haben. Der Little Sun Diamond ist eine Erweiterung unseres Lampenangebots – er richtet sich vor allem an designbewusste Solarliebhaber und hat zusätzlich einen kleinen Ständer, sodass man ihn hervorragend als Leselampe für zuhause und unterwegs nutzen kann. In Europa sind unsere Solarlampen und -ladegeräte vor allem im Sommer beliebte Reisebegleiter im Urlaub, beim Zelten oder auf Festivals. Gestartet sind wir hier allerdings in den Museumshops, da wir in der Tate Modern in London unseren Launch hatten. Als nachhaltiges Souvenir oder Geschenk mit positiver Botschaft ist es dort nach wie vor sehr beliebt.

 

Little Suns können auch als Kunstwerke aufgefasst werden. Für den Little Sun Diamond habt ihr den DESIGN PRIZE der Milan Design Week erhalten. Auf welche Weise leistet die Verknüpfung zur Kunst einen positiven Beitrag für die Umwelt?

Kunst regt dazu an, Gewohnheiten zu überdenken und das, was wir für selbstverständlich ansehen, zu hinterfragen. Deshalb ist der Einfluss von Kunst auf unser Umweltbewusstsein nicht zu unterschätzen. Unser Gründer Olafur Eliasson knüpfte mit der Idee von Little Sun genau HIER an. Wir wollen zum Nachdenken anregen und Veränderungen anstoßen. Die kleine Solarlampe wird dabei zum Symbol und macht einen Energiezugang durch Solarenergie greifbar. Wir hoffen, durch das Fühlbar-machen von Energie, jeden Einzelnen dazu zu motivieren, positive Veränderungen zu bewirken.

 

Wie sieht euer Geschäftsmodell aus? Was ist dabei euer Alleinstellungsmerkmal?

Little Sun ist sowohl praktische Solarlampe als auch beliebtes Kunstobjekt, soziales Geschäftsmodell und globales Projekt, das Menschen überall auf der Welt verbindet. Als Sozialunternehmen setzen wir auf die globale Gemeinschaft. Little Sun Produkte werden weltweit verkauft. In Ländern des globalen Nordens zahlen Kunden einen etwas höheren Preis. Das macht es möglich, dieselben Produkte günstig an unsere Partner in Afrika abzugeben, die sie zu deutlich niedrigeren Preisen an ihre Kunden verkaufen können. Zudem wir das Geld in den Aufbau lokaler Vertriebsstrukturen investiert. Jede verkaufte Little Sun ermöglicht also den Verkauf in Regionen ohne Strom zu lokal erschwinglichen Preisen.

Durch das soziale Geschäftsmodell werden nachhaltige Handelsstrukturen aufgebaut, die eine langfristige Lösung für das Problem des Energiezugangs darstellen können.

Little Sun unterstützt lokale Unternehmen dabei, ihre Geschäfte aufzubauen und steht den Verkaufsagenten vor Ort mit Businesstraining und Marketingmaterialien zur Seite. Dadurch werden lokale Jobs und Profite generiert. Über 600 Afrikanische Unternehmer verkaufen bereits Little Sun und verdienen ein regelmäßiges Einkommen, indem sie Solarlichter in ihre Gemeinden bringen.

 

Ihr seid jetzt schon seit einigen Jahren in der Gründerszene mit dabei. Gibt es bestimmte Herausforderungen speziell in eurer Branche?

In Afrika gibt es bereits viele Solarprodukte auf dem Markt. Diese sind jedoch häufig von minderwertiger Qualität, was das Vertrauen in erneuerbare Energien schwächt. Wir versuchen mit hohen Standards und Qualitätssiegeln, das Vertrauen in Solarenergie wieder zu stärken. Ansonsten haben wir vor allem mit Importbestimmungen und Zöllen auf Solarprodukte zu kämpfen. Diese ändern sich häufig in Afrika – aber neuerdings auch in den Ländern des globalen Nordens.

 

Welchen Mehrwert hatte die Teilnahme an verschiedenen Wettbewerben für Little Sun?

Auszeichnungen mit deutschen und internationalen Preisen waren und sind nach wie vor für uns von großer Bedeutung. Sie zeigen, dass wir ernsthaft an unserer Mission arbeiten, nachhaltige und hochwertige Solarprodukte auf den zu Markt bringen und Erfolg mit unserem Konzept haben. Gleichzeitig erreichen wir mit der Teilnahme häufig Menschen, die Little Sun bisher nicht kannten. So können wir noch mehr Menschen für die kreative Auseinandersetzung mit Solarenergie begeistern.

 

Welche Tipps habt ihr für die diesjährigen Bewerberinnen und Bewerber des StartGreen Awards?

Glaubt an eure Mission und steckt möglichst viele Menschen mit eurer positiven Energie an. Seid kreativ, vernetzt euch und vergesst vor allem nicht, Spaß dabei zu haben.

 

Und zu guter Letzt: was ist langfristig eure Vision?

Solarenergie für alle! Wir wollen für Nachhaltigkeit begeistern und die globale Gemeinschaft fördern. Nur gemeinsam können wir eine lebenswerte Zukunft gestalten.


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