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Solmove - Smarter Straßenbelag für saubere E-Mobilität

© Rolf Schulten - Borderstep

Redaktion

In aller Kürze: Was ist eure Unternehmensidee?
SOLMOVE entwickelt smarte Straßen - einen neuartigen Straßenbelag, der Strom erzeugt, Schnee abtaut und Daten erzeugt. Der Vorteil ist die Erzeugung sauberer Energie ohne Flächenverbrauch, die Versorgung von e-Mobilen mit Strom und Daten.

Welche Mission verfolgt ihr? Auf welche Weise leistet ihr einen positiven Beitrag für die Umwelt oder Gesellschaft?
Überall dort, wo die Oberflächen seit Jahrzehnten aus Asphalt oder Beton bestehen, kann bald Ökostrom erzeugt werden. Das löst, ohne zusätzlichen Flächenverbrauch, gleichzeitig das Problem des steigenden Energiebedarfs und den Bedarf nach Verkehrsflächen. Die energetische Amortisation wird innerhalb von drei Jahren erreicht.
Der „Solarteppich“ kann abgelöst und zu 95% recycelt werden. Durch die modulare Bauweise sind Installation und Reparaturen schnell und ohne schweres Gerät möglich. Verkehrs-Staus, Materialverbrauch und Kosten werden auf ein Minimum reduziert. Dies steht in einem starken Gegensatz zu dem bisherigen ressourcenzerrenden und zeitintensiven Straßenbau. Hierauf wirkt sich auch die etwa 20% längere Lebensdauer des “Solarteppichs” aus. Die Oberflächenresistenz, Rutschfestigkeit und Belastbarkeit wurde mit Tests an der RWTH Aachen geprüft.
Perspektivisch können in Deutschland rund die Hälfte der 1.400.000.000 qm versiegelten Flächen genutzt werden. Die Stromproduktion (bis zu 70TW) könnte Atomkraftwerke ersetzen, 65 Mio. Tonnen CO2 einsparen, 20 Mio. Haushalte versorgen oder 23 Mio. elektrische Autos fahren lassen.

Wie kam euch die Idee zur Gründung?
Die Idee zur Solarstraße ist im Allgäu entstanden. Donald Müller-Judex, Gründer der ambitionierten Unternehmung, fuhr auf der Suche nach einem freien Dach für Solarmodule drei Tage über Land. Doch alle Dächer waren bereits mit Solarmodulen belegt. Etwas anderes jedoch war leer und sonnenbeschienen: Die vielen Straßen, über die er rollte. Damit war die Idee geboren, dieses „horizontale“ Potenzial zu nutzen und „smarte“ Straßen zu entwickeln. Würden die Straßen nicht nur als Verkehrsadern, sondern gleichzeitig auch als Sonnenstromlieferanten genutzt, könnte genug sauberer Strom produziert werden, um 20 Millionen E-Autos ohne neuen Flächenverbrauch anzutreiben - das ergab eine erste Rechnung. Doch die Solarstraßen sollten noch mehr können: E-Mobile nicht nur mit Strom, sondern auch mit Daten versorgen. Und nebenbei das Befahren der Straße leise, sauber und komfortabel machen.

Wie sieht euer Geschäftsmodell aus?
SOLMOVE entwickelt und verkauft zunächst horizontale befahrbare Solarmodule mit Zusatzfunktionen. Die Produktion erfolgt mit Zulieferern, später in Lizenz. In naher Zukunft wird sich Solmove von einem Hardware- zusätzlich zu einem Softwareanbieter entwickeln. Dadurch entsteht weitere Wertschöpfung. Die Solarstraße wird zur Plattform für Datenaustausch zwischen Fahrzeugen, Nutzern, Anbietern und Betreibern (Platform as a Service – PaaS), die andere Marktteilnehmer nutzen können, um Services rund um die e-Mobilität anzubieten.

Was ist euer Alleinstellungsmerkmal?
Es gibt zurzeit vier weitere Akteure in diesem Marktsegment: Solar Roadways aus den USA, Wattway aus Frankreich, SolaRoad aus den Niederlanden und Pavenergy aus China. Was SOLMOVE von diesen differenziert, ist die Konstruktion des „Solarteppichs“. Anders als die sperrigen Module von Solar Roadways, die schweren Betonwannen von Solaroad oder die dünnen Module von Wattway, kann der SOLMOVE „Solarteppich“ einfach auf die vorhandene Fläche aufgeklebt werden und sich dem Untergrund ideal anpassen. Das geht schnell, ist flexibel und reduziert dadurch Verkehrsbehinderungen und Kosten. Im Vergleich zu den Lösungen der anderen muss die Straße nicht aufgerissen werden. Der chinesische Anbieter setzt auf eine Verkabelung in der Straße und hat einen Oberflächenbelag aus Kunststoff, dessen Haltbarkeit durch UV Strahlung reduziert wird. Eine weitere einzigartige Eigenschaft von Solmoves Produkt ist die Recyclingfähigkeit. Die Bahnen des Solarteppichs können in den etablierten Recycling Prozess für Solaranlagen überführt werden. Die anderen konkurrierenden Konstrukte sind bei Erneuerungen auf die individuelle De-Montage angewiesen.

Gibt es bestimmte Herausforderungen speziell in eurer Branche?
Unsere Branche ist in gewisser Weise sowohl die Energiewirtschaft, als auch die Mobilität. Beide erleben historische Veränderungen. Zentrale Trends: Dezentralität in der Energieversorgung und Digitalisierung in der Mobilität. Smarte Straßen haben das Potenzial, beide Entwicklungen positiv zu unterstützen. Die Herausforderung besteht darin, die Sektoren zu koppeln, die Technologien zusammen zu denken und Modelle zu entwickeln, die den veränderten Anforderungen und Verhalten gerecht werden.

Wie sieht eure langfristige Vision aus?
Die langfristige Vision von Solmove ist einfach: Jeder Mensch soll sich frei bewegen können – in Fahrzeugen, die sich clever, komfortabel und Co2 frei bewegen. SOLMOVE bietet zunächst die Hardware dafür an, folgend auch ein System, das Anbieter und Nachfrager von Mobilitäts-Angeboten zusammenbringt. Die smarte Solarstraße wird dann zur Plattform für Datenaustausch zwischen Fahrzeugen, Nutzern, Anbietern und Betreibern (Platform as a Service – PaaS), die andere Marktteilnehmer nutzen können, um Services rund um die e-Mobilität anzubieten.
Alles, was auf der e-Straße passiert, wird durch Solmove sichtbar und verfügbar: Ein freier Parkplatz, eine induktive Ladeplatte, Echtzeitdaten für die Beschleunigung von Blaulichtfahrten oder das Prozessing von virtuellen Kraftwerken. Anbieter und Verbraucher finden über die PaaS-Plattform zusammen. Solmove identifiziert Teilnehmer, autorisiert und dokumentiert Transaktionen und bietet einen Abrechnungsservice für die Dienste.

Sie haben den StartGreen Award 2018 in der Kategorie „Energie der Zukunft“ gewonnen, herzlichen Glückwunsch. Welche Bedeutung hat das für Sie?

 Für uns ist der StartGreen Award der einzige, der die Qualität von Konzepten auszeichnet und damit der beste Award in diesem Segment. Wir waren zwei mal im Finale  und haben nicht gewonnen, weil wir nicht zeigen konnten, was wir entwickelt haben. In 2018 haben wir den ersten solaren Radweg gebaut und es war eine wunderbare Anerkennung, dass die Jury uns dafür ausgezeichnet hat.
 

© Rolf Schulten

 


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