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SOLMOVE im Interview

© Rolf Schulten

Redaktion

SOLMOVE – Photovoltaik-Module als Straßenbelag

 

 

Wie kam Ihnen die Idee zu Ihrem Projekt?

Die Idee zu SOLMOVE entstand 2009 bei einer Tour durchs Allgäu. Donald, Gründer der SOLMOVE GmbH, war auf der Suche nach einer geeigneten Dachfläche, die er zum Betreiben einer PV-Anlage mieten wollte. Leider konnte er damals keine passende Dachfläche mehr finden. Auf allen in Frage kommenden Dächern waren bereits PV-Anlagen installiert. Ihm kam die Idee: Warum nicht Straßen, Gehwege, öffentliche Plätze oder Fahrradwege für die Energieerzeugung nutzen? Schließlich scheint auf diesen auch den ganzen Tag die Sonne. So ist die Ursprungsidee entstanden.

Später wurde klar, dass hier noch ganz andere Potentiale stecken: Perspektivisch können unsere Solarstraßen als Infrastruktur für das Laden von Elektroautos dienen und so deren Reichweite erhöhen. Außerdem kann die Verkehrssicherheit durch Sensorik und Beleuchtung erhöht werden.

 

Wer hat Sie dabei unterstützt?

Besonders in der Anfangsphase waren Familie und Freunde eine riesen Unterstützung, nicht nur in finanzieller Hinsicht, sondern auch als motivierende Kraft.

Wichtig waren die vielen Gespräche mit den Fachleuten aus dem Forschungsverbund, mit zukünftigen Kunden und der Presse. Besonders hat uns die Auszeichnung des Rates für Nachhaltigkeit geholfen. Dadurch konnten wir auch Befürworter in der Bundespolitik gewinnen.

 

Welche Geldquellen haben Sie gesucht? Wie konnten Sie Investoren überzeugen?

Wir haben uns um mehrere Geldquellen bemüht, unter anderem die Startup-Förderung ‚ProFIT’ und die Förderung durch Bayern Kapital, aber leider waren diese eher zögerlich. Deshalb haben wir uns umso mehr gefreut, als dann die Zukunftsagentur Brandenburg (ZAB) zusagte. Die Fachleute dort erkannten den ökologischen und gesellschaftlichen Mehrwert der Solarstraßen und ließen sich von unserem Businessplan und dem Team überzeugen.

Derzeit werden Gespräche mit möglichen strategischen Partnern in Europa, den USA und China geführt. Ziel ist die Finanzierung für die nächsten 3 Jahre mit einem Volumen von 2 - 4 Mio. Euro. Für 2017 haben wir schon ein paar Aufträge im Säckel. Dazu gehört ein solarer Radweg in Deutschland und mehrere Testinstallationen in Asien und den USA.

 

Welche Herausforderungen sehen Sie an Ihrem Beispiel für grünes Gründen in Deutschland?

Die größte Herausforderung ist derzeit noch die Finanzierung. Der Weg zum Geld führt immer über umfangreiche Anträge und Businesspläne, die ein Startup 1-3 Jahre kosten können, da der Gründer sich nicht auf das wesentliche, nämlich die Entwicklung, konzentrieren kann.

Außerdem werden Entscheidungen für die Investments meist nicht von Unternehmern getroffen, sondern von Angestellten, Funktionären oder Beamten. Es liegt in ihrer Natur, Unsicherheiten zu vermeiden. Angesichts ihrer Position ist dies verständlich. Leider liegen zwischen dieser Herangehensweise und dem Charakter von Innovationen jedoch Welten. Dazu kommt das Vorurteil: Grün = teuer. Nachhaltigkeit erfordert Mut. Wir freuen uns, dass wir es trotzdem geschafft haben, ein paar Stellen von unserer Idee zu überzeugen.

 

Was leistet Ihr Projekt für den Klimaschutz? Wie trägt es zum Wandel in der Gesellschaft bei?

Die Vorteile liegen klar auf der Hand. Überall dort, wo die Oberflächen seit Jahrzehnten aus Asphalt oder Beton bestehen, kann bald Ökostrom erzeugt werden. So kann ohne zusätzlichen Flächenverbrauch gleichzeitig das Problem des steigenden Energiebedarfs gelöst werden. Außerdem beeinträchtigen Solarstraßen das Landschaftsbild nicht. Ganz im Gegenteil: Ihre spezielle Oberfläche wirkt unauffällig und hat weitere Vorteile. Die Oberfläche absorbiert Schall und baut Stickoxide ab. Perspektivisch können Solarstraßen den Strom für die Elektromobilität erzeugen, den Verkehr intelligent steuern und das Stromnetz verstärken.

Kommunen sind aktive Akteure der Energiewende, jedoch chronisch unterfinanziert. Solarstraßen können für Kommunen ein interessantes Modell zur Refinanzierung des Straßenbaus werden. Der Ausbau von Windkraftanlagen und Solaranlagen stößt zunehmend an seine Grenzen. Die Akzeptanz in der Bevölkerung für Anlagen in der Natur schwindet. Solarstraßen integrieren sich problemlos in das Städte- und Landschaftsbild und verdienen Geld, statt zu kosten.

 

Welches Geschäftsmodell steckt hinter Ihrem Vorhaben?

SOLMOVE entwickelt und verkauft horizontale belastbare Solarmodule. Die Produktion erfolgt mit Zulieferern. Weitere Wertschöpfung entsteht durch Beratung und Planung von Anlagen. Einbau und Reparaturen erfolgen durch lokale Straßenbauunternehmen. SOLMOVE betreibt jedoch das Monitoring der Anlage und das Geschäft mit den Ersatzteilen.

Perspektivisch wollen wir selbst zum Betreiber werden, der Kraftwerke nicht nur liefert, sondern auch finanziert und betreibt. Dieses Modell ist bereits in der klassischen Photovoltaik etabliert.

 

Was ist dabei Ihr Alleinstellungsmerkmal?

Es gibt zurzeit drei weitere Akteure in diesem Marktsegment: Solar Roadways aus den USA, Wattway aus Frankfreich und SolaRoad aus den Niederlanden. Was SOLMOVE von diesen differenziert, ist die Konstruktion des „Solarteppichs“. Anders als die sperrigen Module von Solar Roadways, die schweren Betonwannen von Solaroad oder die dünnen Module von Wattway, kann der SOLMOVE „Solarteppich“ einfach auf die vorhandene Fläche ausgerollt werden und sich dem Untergrund ideal anpassen. Das geht schnell, ist flexibel und reduziert dadurch Verkehrsbehinderungen und Kosten. Im Vergleich zu den Lösungen der anderen muss die Straße nicht aufgerissen werden. Außerdem können die Bahnen des Solarteppichs - ähnlich einem Klettverschluss - wieder von der Fahrbahn "abgezogen", aufgerollt und in den etablierten Recycling Prozess für Solaranlagen überführt werden. Die konkurrierenden Konstrukte sind bei Erneuerungen auf die individuelle De-Montage angewiesen.

Eine letzte Unterscheidung liegt in der Oberfläche. Die neue Glasschicht reduziert die Verschattung durch Abnutzung und Schmutz soweit, dass der Stromertrag kaum beeinflusst wird.

 

Welchen Tipp haben Sie für Gründerinnen und Gründer in der Green Economy?

Ganz klar: Weitermachen und nicht den Mut verlieren – es wird sich lohnen!

Glücklicherweise gibt es immer mehr Menschen, für die Nachhaltigkeit einen hohen Stellenwert hat. Diese zu finden und mit ihnen zu arbeiten ist wichtig.

 

Warum wollen Sie den StartGreen Award 2016 gewinnen?

Den StartGreen Award sollte das beste grüne Startup gewinnen, um zu zeigen was möglich ist und um der Idee zusätzliche Kraft zu geben. Wir sind davon überzeugt, dass die Jury eine kompetente Wahl treffen wird.

Wenn sich die Experten für SOLMOVE entscheiden sollten, dann würde uns die Auszeichnung sehr helfen. Die Idee von der Solarstraße wird zwar schnell als sinnvoll verstanden, aber bis zur ausgereiften Glas-Straße bleibt die Entwicklung ein steiniger Weg. Der Aufwand ist es aber wert: Unser Produkt ist weltweit anwendbar, integriert sich in vorhandene Strukturen, unterstützt Kommunen und bildet eine Grundlage für eine langfristige Energieerzeugung und finanzierbare Mobilität.


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