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Sieger Young & Fair im Interview

© Rolf Schulten - Borderstep

Redaktion

Die Schülerfirma Young & Fair des Ludwig-Meyn-Gymnasiums Uetersen ist ein Dienstleister für individuell bedruckte, fair produzierte Textilien aus Bio-Baumwolle. Der Druck wird von externer Seite angefertigt, das Start-up organisiert für den Kunden alles von der ersten Anfrage, über Designvorschläge bis hin zur Lieferung. Neben ihrer Dienstleisterfunktion haben sie mit ihrer eigenen Marke „Defy“ auch im Einzelhandel stationiert. Das Team von Young & Fair setzt sich aus Schülern und Schülerinnen der Jahrgänge acht bis zwölf zusammen. Die Leitung des Unternehmens liegt fast ausschließlich in den Händen der Schüler. Der Geschäftsführer sowie der öffentliche Repräsentant sind größtenteils für die Organisation und die reibungslosen Abläufe der Firma zuständig.

StartGreen: Wie kam euch die Idee zu eurem Vorhaben?

Arvid Maiwald (öffentlicher Repräsentant): Die Idee, eine nachhaltige Schülerfirma mit dem Schwerpunkt Textilien zu gründen, entstand 2012 im Rahmen des WiPo-Unterrichts bei Herrn Dr. Zankel. Dort wurde eine Reportage über die schlechten Arbeitsbedingungen in den Fabriken, die für den Textildiscounter Kik nähen, behandelt.

Wer unterstützt euch dabei?

Nathalie Rubinstein (Kundenbetreuung): Unsere Arbeit erledigen wir selbst, helfen uns aber natürlich untereinander gerne. Ich finde es aber wichtig zu betonen, dass wir jede Arbeit freiwillig erledigen und dabei von keinem Lehrer angeleitet werden. Es gibt aber einen Ansprechpartner, Herrn Zankel, der uns hilft, wenn es nötig ist, aber wir nehmen dieses Angebot soweit ich weiß nur höchst selten in Anspruch. Dafür genießen wir den Luxus, auch heute noch Kontakt zu ehemaligen Mitarbeitern zu haben, die uns mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Welche Herausforderungen seht ihr an eurem Beispiel für grüne Schülerfirmen in Deutschland?

Ben Strempel (Zuständiger für Finanzen und Defy): Zuerst ist zu sagen, dass ich Herausforderungen als essenziell in jeglicher Lage ansehe. Obwohl ich noch nicht lange in unserer Schülerfirma arbeite, sehe ich unteranderem die Digitalisierung als große Herausforderung an. Bis jetzt stelle ich fest das staatliche Schulen kaum was in den Prozess der Digitalisierung investieren. Dieses wird dann bei uns als Schülerfirma meist nicht anders.

Wir als Schülerfirma müssen jetzt aber eigentlich schnell sehr viele Schritte machen, um ein Vorbild zu sein und uns abheben zu können. Die Abhebung ist dabei neben dem grünen Effekt am wichtigsten. Ich empfinde die Digitalisierung als Möglichkeit, welche wenn man ihr nicht vollkommen nachkommt, zerstören wird. Zudem wird es in der Zukunft immer unsere Herausforderung sein erfolgreich nach unseren Grundsätzen zu handeln: Wir wollen umweltfreundlich und nachhaltig sein.          

Es ist schon ein großer Fortschritt, den Willen zum Fortschritt zu haben." wie Lucius Annaeus Seneca schrieb und ich glaube das ist die grundsätzliche Herausforderung, aber auch unsere Aufgabe als Schülerfirma, mutig zu sein, anders zu sein als es die großen Konzerne es machen. Wir müssen etwas wagen und zeigen das es richtig ist.

Was leistet euer Projekt für den Klimaschutz? Wie trägt es zum Wandel der Gesellschaft bei?

Hanna Schmuck (Kundenbetreuung): Unsere Schülerfirma zeigt unter anderem mit unserer eigenen Marke Defy, dass es auch stylische Mode gibt, die unter fairen umweltschonenden Bedingungen produziert wird und nicht die Umwelt, Bauern, Näher, usw. ausbeutet.

Welches Geschäftsmodell steckt hinter eurem Vorhaben?

Florian Steig (Geschäftsführer): Mit Young & Fair decken wir zweierlei Geschäftsfelder ab. Zum einen treten wir als Dienstleister für fair gehandelte, individuell bedruckte Textilien aus Bio-Baumwolle auf. In diesem Rahmen bedienen wir vor allem den Bedarf von Großkunden, zum Beispiel Schulen und Sportvereine.

Unsere Aufgaben bestehen darin, den Endkunden hinsichtlich der Produktwahl zu beraten, auf Wunsch Designs nach individuellen Vorstellungen zu erstellen oder zu bearbeiten, mit einer Druckerei zu interagieren und dem Endkunden ein qualitativ hochwertiges Produkt zu liefern. Auf diesem Weg nehmen wir unseren Kunden, denen die Anforderungen und Abläufe des Textildrucks oftmals nicht geläufig sind, jegliche Arbeit ab und bieten durch unseren Service sowie eine hohe Qualität aller unserer Produkte einen Mehrwert. Durch einen preislich optimierten Einkauf sind wir in der Lage, trotz eines Aufpreises für unsere Dienstleistung, unseren Gewinn, unseren Endkunden gegenüber marktfähige Preise auszuweisen.

Zum anderen sind wir seit 2015 auch im Einzelhandelssegment aktiv. Unter dem Namen „Defy“ erscheint Anfang Dezember 2017 die dritte Kollektion unserer eigenen Modelinie. Durch Kooperationen mit Einzelhändlern in Schleswig-Holstein und Hamburg, die derzeit ausgebaut werden, möchten wir, neben der Verfügbarkeit über unseren Webshop, „Defy“  flächendeckend am Markt etablieren.

Die Designs unserer Produkte, bisher ausschließlich faire T-Shirts, stammen von Schüler*innen unserer Schule.

Beide Geschäftsfelder vereint unser Anspruch, sowohl bei der Wahl der Textilien als auch an den Druck höchste Maßstäbe hinsichtlich ökologischer und sozialer Standards anzusetzen. Die Einhaltung dieses Anspruchs können wir durch die Zertifizierung unserer Produkte durch strenge internationale Siegel gewährleisten.

Was ist dabei euer Alleinstellungsmerkmal?

© Rolf Schulten - Borderstep
"Arvid Maiwald beim StartGreen@School Award"

Jonas Rehberg (Kundenbetreuung): Unser Alleinstellungsmerkmal zu anderen Schülerfirmen ist sicher unsere komplett uneingeschränkte Eigenständigkeit unter der das Projekt läuft. Im Vergleich zu anderen Firmen decken wir, wie unser Name „Young & Fair“ und unsere Marke „DEFY“ schon sagt, drei Sparten ab, die uns abheben. Wir sind jung, fair und trauen uns, der Konsumgesellschaft zu trotzen.

Arvid Maiwald (öffentlicher Repräsentant): Als unser Alleinstellungsmerkmal sehen wir den individuellen Service als Dienstleister in Verbindung mit nachhaltiger Mode an. So erledigen wir jegliche Arbeiten, von der Erstellung eines Design-Entwurfs bis hin zur finalen Auslieferung der Textilien. Für den Kunden fallen keinerlei Arbeiten und Extrakosten an.“

Wie wird die Arbeit eurer Schülerfirma von eurer Schulgemeinschaft wahrgenommen?

Jonas Rehberg (Kundenbetreuung): Ich denke, dass wir bei der Schulgemeinschaft nicht die Aufmerksamkeit und den Bekanntheitsgrad haben, den wir uns wünschen würden. Trotzdem liegt unser Augenmerk aber in den meisten Fällen des Marketings außerhalb unserer Schulgemeinschaft, weshalb das weniger tragisch ist.

Hanna Schmuck (Kundenbetreuung):Leider werden auch Schulaufträge, wie die Schulkleidung oder Jahrgangspullis nicht über uns bestellt. Das zeigt jedoch nur noch einmal, wie unabhängig wir von der Schule sind und als eigenständige Schülerfirma existieren können. Alle Schüler und Lehrer, die Young & Fair kennen, finden unsere Arbeit gut und sind teilweise sogar sehr beeindruckt, wie selbständig Young & Fair läuft.

Welchen Tipp habt ihr für Schülerinnen und Schüler, die eine grüne Schülerfirma gründen wollen?

Ben Strempel (Zuständiger für Finanzen und Defy): Als Schülerfirma sollte man sich feste Ziele setzen. Zudem sollte man sich vorerst auf ein bestimmtes Projekt konzentrieren. Sucht euch die richtigen Kollegen, die voll hinter dem Konzept stehen, die alles geben um aus einer Idee ein erfolgreiches Unternehmen zu machen und die Ziele zu erreichen.


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