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Sieger Macadamiafans Göttingen im Interview

© Rolf Schulten - Borderstep

Redaktion

Die Schülerfirma Macadamiafans des Hainberg-Gymnasiums Göttingen verkauft fair gehandelte, biozertifizierte Macadamianüsse von kenianischen Kleinbauern direkt, ohne Zwischenhändler, auch über Onlinebestellungen. Dadurch erzielen die Produzenten bessere Preise und sichern ihren Absatz. Ein Teil des Erlöses ermöglicht Schülerinnen und Schülern im Rahmen des Projektes WELT:KLASSE in China und Kenia gemeinsam mit lokalen Partnern an Umweltprojekten zu arbeiten und mit der lokalen Bevölkerung in einen intensiven Austausch zu treten.

Was bedeutet der StartGreen@School Award für eure Arbeit?

Ein Preis wie dieser ist eine besondere Auszeichnung und immer auch eine Belohnung für unsere Arbeit. Durch die Veranstaltung auf dem EUREF- Campus und im Umweltministerium konnten wir neue Kontakte zu anderen Schülerfirmen knüpfen, neue Geschäftskonzepte kennenlernen und uns mit anderen Start-ups austauschen.

Auch das Preisgeld hilft natürlich unsere Arbeit auszubauen, z.B. zur Anschaffung eines weiteren Firmen-iPads und einer Neuauflage von Werbeflyern.

Durch den Wettbewerb und die Teilnahme am Projekt StartGreen@School bauen wir jetzt mit der Fair-Trade Firma CONTIGO in Göttingen eine Partnerschaft auf. Im Innenstadtgeschäft in Göttingen werden sie unsere Macadamianüsse verkaufen und Praktikumsplätze sowie Fortbildungsveranstaltungen anbieten. Zusammen werden wir auch noch weitere Projekte realisieren.

Wie kam euch die Idee für das Vorhaben?

Im Schuljahr 2007/2008 wurde das Projekt Welt:Klasse Göttingen ins Leben gerufen. Es ermöglicht Schülerteams aus Göttingen auf innovative Weise vierwöchige Lernerfahrungen in China unter Einbindung ihrer gesamten Schulgemeinde. In Yunnan/China pflanzen die Schülerinnen und Schüler mit der lokalen Bevölkerung Walnussbäume gegen Erosion, um einen kleinen Beitrag gegen den Klimawandel und für die Ernährungssicherheit zu leisten.

Das führte zur Frage, ob sich die SchülerInnen der Welt:Klasse Göttingen über ihr Engagement in China hinaus für die Landbevölkerung in Entwicklungsländern einsetzen kann, um Solidarität zu zeigen und Mitverantwortung zu übernehmen. Viele Produzenten leiden unter geringen und instabilen Preise, sind von Naturkatastrophen betroffen und setzen viel Gift in der Produktion ein.

Um ein Zeichen zu setzen, hat die Lehrerin Monika Kleineberg 2012 mit 12 Welt:Klasse Botschaftern die nachhaltige Schülerfirma „Macadamiafans Göttingen“ am Hainberg-Gymnasium während der Projekttage ins Leben gerufen.

Wir verkaufen biozertifizierte Macadamianüsse von kenianischen Kleinbauern des Bioherstellers LIMBUA direkt ohne Zwischenhändler. Die Erlöse gehen an die Kleinbauern, die durch die neue, innovative Wertschöpfungskette bessere Preise und ein stabileres Einkommen erzielen, und in die Unterstützung der nächsten Generation von SchülerInnen des Projektes Welt:Klasse am Hainberg-Gymnasium.

Wer unterstützt euch dabei?

Wir sind Mitglied in der NaSch-Community, das ist das erste und einzige bundesweite Online-Netzwerk für Nachhaltige Schülerfirmen.                                                                 

Zudem sind Sycor und Contigo unsere Partnerunternehmen. Weitere Geschäfte, wie z. B. der Weltladen Göttingen oder Biobauer Boyer verkaufen unsere Produkte.

Außerdem ist die nachhaltige Schülerfirma im regulären Unterricht verankert.

Welche Herausforderungen seht ihr an eurem Beispiel für grüne Schülerfirmen in Deutschland?

Bildung für Nachhaltige Entwicklung vermittelt Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen nachhaltiges Denken und Handeln. Jeder einzelne erfährt durch Bildung für nachhaltige Entwicklung: Mein Handeln hat Konsequenzen. Nicht nur für mich und mein Umfeld, sondern auch für andere. Ich kann etwas tun, um die Welt ein Stück zu verbessern. Ein solches Denken ist dringend notwendig, um Veränderungen anzustoßen und drängende globale Probleme wie den Raubbau an der Natur oder die ungleiche Verteilung von Reichtum anzugehen. Hier sehen wir die größte Herausforderung.

Was leistet euer Projekt für den Klimaschutz?

Die gesamte globale Lebensmittelwertschöpfungskette der Macadamianüsse ist nachhaltig. Alle Schritte der Bio-Macadamia-Kette in Kenia: Die Kleinbauern pflanzen Bio-Macadamia-Setzlinge, ernten Nüsse und verarbeiten diese bis zum fertig verpackten Endprodukt.

Mit unserer nachhaltigen Schülerfirma Macadamiafans Göttingen erlernen wir auf deutscher Seite alle Schritte vom Wareneingang über die Buchhaltung bis zum Marketing und Verkauf. Das zahlt sich für die Schülerinnen und Schüler doppelt aus, denn wer sich mit Buchhaltung beschäftigt, sieht den Matheunterricht mit anderen Augen.

Zudem verwenden wir z.B. gebrauchte Kartons für den Versand unserer Online-Bestellungen.

Wie trägt es zum Wandel in der Gesellschaft bei?

Wir bieten eine bessere Lebensgrundlage für die Kleinbauern in Kenia. Die faire Bezahlung bietet für 2000 Kleinbauern eine Existenz.

Außerdem sensibilisieren wir Menschen in Deutschland für einen nachhaltigen Konsum, besonders an unserer Schule.

Welches Geschäftsmodell steckt hinter eurem Vorhaben?

Wir verkaufen biozertifizierte Macadamianüsse von kenianischen Kleinbauern des Bioherstellers LIMBUA direkt ohne Zwischenhändler. Die Erlöse gehen an die Kleinbauern, die durch die neue, innovative Wertschöpfungskette bessere Preise und ein stabileres Einkommen erzielen, in die Unterstützung der nächsten Generation von SchülerInnen des Projektes Welt:Klasse Göttingen am Hainberg-Gymnasium und die Natur wird gestärkt.

Was ist dabei euer Alleinstellungsmerkmal?

Unser sozial -und umweltpolitisches Firmenkonzept mit der neuen innovativen Wertschöpfungskette, die völlig ohne Zwischenhändler auskommt. Wir kennen unsere Produzenten persönlich (über unsere Koordinatorinnen) – wir wissen also genau, für wen wir uns engagieren und wo die Probleme liegen, die wir lösen wollen.

Wird die Arbeit eurer Schülerfirma von eurer Schulgemeinschaft wahrgenommen?

Sie ist ein Aushängeschild unserer Schule. Wir sind auf Schulveranstaltungen präsent und binden die Schulgemeinschaft auch ansonsten in unsere Abläufe ein, z.B. bei Wettbewerben und Online-Voting

Welchen Tipp habt ihr für SchülerInnen und Schüler, die eine grüne Schülerfirma gründen wollen?

Sie sollen überlegen, was die Schule schon macht, wo es Bedarf gibt etwas zu verstetigen und dann die Zuordnung zu einem oder mehreren Nachhaltigkeitszielen vornehmen.

Empfehlenswert ist auch, eine bestehende nachhaltige Schülerfirma zu besuchen und über den Austausch neue Ideen zu gewinnen.


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