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PYREG im Interview

Redaktion


PYREG: Anlagen zur stofflichen Verwertung von Biomasse

 

Wie kam Ihnen die Idee zu Ihrem Projekt?

Auch die PYREG-Technologie setzte in ihren Anfängen darauf, die in den Restbiomassen enthaltene Energie zu verstromen, die Biomasse also lediglich thermisch zu beseitigen. Doch dann spielte uns der Zufall in die Karten. Um eine höhere Stromausbeute zu erreichen, fingen wir an, die Biomassen im PYREG-Verfahren zu entgasen und hatten neben Strom auf einmal hochwertige Pflanzenkohle als Output. Sehr schnell stellte sich dabei heraus, dass die stoffliche Verwertung der Biomassen nicht nur aus ökologischer Sicht deutlich sinnvoller, sondern auch weitaus wirtschaftlicher sein würde als die rein thermische Verwertung. Zumal wir mit der PYREG-Technologie ein Verfahren entwickelt hatten, mit dem sich im Gegensatz zu anderen Pflanzenkohle-Herstellungsverfahren saubere und vor allem in der Qualität gezielt beeinflussbare Pflanzenkohlen herstellen ließen.

Seither setzten wir bei allen Verfahrensentwicklungen konsequent darauf, die verschiedenen Restbiomassen vollständig, also thermisch und stofflich zu verwerten. Neben Pflanzenkohlen lassen sich mittlerweile im PYREG-Verfahren aus unterschiedlichster Biomasse auch extrem hochwertige Futtermittelkohlen und Aktivkohlen herstellen. Im Bereich der Klärschlammverwertung ist es uns zudem gelungen, dass wir als eines der ersten Unternehmen mit der PYREG-Technologie eine vollständige Klärschlammverwertung inklusive Phosphor-Recycling anbieten können, die auch wirtschaftlich ist.

 

Wer hat Sie dabei unterstützt?

Wir pflegen enge Kontakte zu Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Davon haben wir bereits vielfach profitieren. Besonders zu nennen ist hier die Fachhochschule Bingen, an der unsere Technologie entwickelt worden ist. Mit Unterstützung der FH Bingen, der Universität Gießen und der Hochschule Geisenheim haben wir beispielsweise unser Phosphor-Recycling-Verfahren entwickelt. Auch das Land Rheinland-Pfalz und das Bundesministerium für Bildung und Forschung leisten als Investoren (Land RLP) sowie bei der Finanzierung von Forschungsprojekten (BMBF) wichtige Unterstützung. Nicht zu vergessen unsere privaten Investoren, die mit viel Fachkenntnis für die Green Economy und großem Engagement unseren Unternehmenswachstum erst ermöglicht haben.

 

Welche Geldquellen haben Sie gesucht? Wie konnten Sie Investoren überzeugen?

Wir haben uns zum einen um staatliche Fördermittel für Forschungsprojekt bemüht, zum anderen konnten wir Investoren aus unterschiedlichsten Bereich für uns gewinnen. So beruht unsere Finanzierung auf einer Mischung aus Eigenkapital, Fremdkapital, Mezzanine-Kapital und stille Beteiligungen. Zu unseren Investoren zählen staatliche Geldgeber wie das Land Rheinland-Pfalz (ISB RLP) sowie große private Investoren wie die German Startups Group und die ELIQUO Water Group (SKion) als auch sehr engagierte, kleinere private Investoren.

Unsere Investoren haben wir durch

  • unseren Businessplan
  • unsere Referenzen
  • unsere Visionen für die Vermarktbarkeit und Nachhaltigkeit unserer Technologie
  • unsere Alleinstellungsmerkmale und erlebbaren Vorteile gegenüber Mitbewerbern
  • und nicht zuletzt durch die Persönlichkeit unseres Gründers und geschäftsführenden Gesellschafters, Helmut Gerber, überzeugt.

 

Welche Herausforderungen sehen Sie an Ihrem Beispiel für grünes Gründen in Deutschland?

Zum einen die Bereitschaft von Kunden und potentiellen Anwendern, in Innovationen zu investieren. Bei der Gewinnung von Kunden spielen Referenzen nun mal eine entscheidende Rolle.

Eine weitere Herausforderung sind die unklaren gesetzlichen Rahmenbedingungen und langwierigen politischen Anpassungsprozesse für innovative Verfahren und Produkte.

Auch die genehmigungsrechtliche Einordnung von Innovationen stellt eine nicht zu unterschätzende Herausforderung für grünes Gründen in Deutschland dar.

 

Was leistet Ihr Projekt für den Klimaschutz? Wie trägt es zum Wandel in der Gesellschaft bei?

Zum einen hat unser Verfahren nicht die Entsorgung der Restbiomassen durch thermische Zerstörung zum Ziel, sondern die stoffliche Nutzung der Biomasse durch die Nutzung der darin enthaltenen Energie. Damit tragen wir dazu bei, dass aus Reststoffen wiederverwendbare Wertstoffe werden.

Dann werden die Input-Stoffe im PYREG®-Verfahren vollständig verwertet: Es bleiben keine weiteren, problematischen Reststoffe zurück, die anschließend noch weiter entsorgt werden müssen.

Hinzukommt: Die bei PYREG-Verfahren entstehende Energie genügt der Anlage nicht nur für ihren eigenen Betrieb. Die überschüssige Wärme kann ebenfalls genutzt, beispielsweise in ein Nahwärmenetz eingespeist werden. Beispielsweise wird durch den Einsatz des PYREG®-Moduls zur Herstellung von Pflanzenkohle im Nahwärmeprojekt Dörth der jährliche CO2-Ausstoß von fast 500 durchschnittlichen PKW kompensiert.

Nicht zu vergessen: Eine Tonne Biomasse, im PYREG®-Verfahren zu Pflanzenkohle verarbeitet und anschließend als Bodenhilfsstoff in den Boden eingelagert, entzieht der Atmosphäre etwa eine Tonne CO2 für Tausende von Jahren. Wenn nur jeder 4. Wertstoffhof in Deutschland eine PYREG®-Anlage betreiben würde, könnte das den jährlichen CO2-Ausstoß des innerdeutschen Flugverkehrs vollständig neutralisieren.

 

Welches Geschäftsmodell steckt hinter Ihrem Vorhaben?

  • Verkauf: Der Kunde erwirbt eine PYREG-Anlage per Kaufvertrag und nutzt diese auf eigenes Risiko.
  • Betreibermodell: Wir verhandeln mit dem Kunden eine Vertragslaufzeit einer PYREG-Anlage und teilen uns damit das Risiko und den Invest.
  • Vermarktungsmodell: Wir geben unseren Kunden eine Abnahmegarantie für ihre Produkte, die sie im PYREG-Verfahren herstellen und kümmern uns um die Vermarktung der Produkte durch unsere Tochtergesellschaft NovoCarbo

 

Was ist dabei Ihr Alleinstellungsmerkmal?

Technologisch

  • Ein Verfahren, das bei der Herstellung eine gleichbleibende Produktqualität ermöglicht. Im PYREG-Verfahren können im Gegensatz zu fast allen anderen Technologien Pflanzenkohlen von hochwertigster Qualität hergestellt werden.
  • Die Beeinflussbarkeit des Prozesses und damit die gezielte Steuerung der Produktqualität.
  • Ein sauberes, umweltfreundliches Verfahren, das die Biomassen vollständig zu neuen Wertstoffen veredelt, also ohne Reststoffe, die anschließend noch entsorgt werden müssen.

Unternehmerisch

  • Unser Geschäftsmodell erlaubt es uns, flexibel auf die Kundenwünsche einzugehen.
  • Durch die Abnahmegarantieren und die Unterstützung der Kunden bei der Vermarktung der im PYREG-Verfahren hergestellten Produkte können wir unseren Kunden wichtige Sicherheiten geben.

 

Welchen Tipp haben Sie für Gründerinnen und Gründer in der Green Economy?

  • Sich in Bezug auf die genehmigungsrechtliche Einordnung der Produkte und ihrer Qualitätsparameter möglichst deregulierte Märkte suchen. 

  • Nicht die Komplexität und die Reaktionsgeschwindigkeit bei Innovationen unterschätzen: Sie brauchen bis zur Marktreife und Serienfertigung in der Regel 10 Jahre.
  • Augen auf bei der Investoren-Suche: Nur mit ausdauernden Investoren lässt sich ein erfolgreiches Unternehmen aufbauen.

 

Warum sollten Sie den StartGreen Award 2015 gewinnen?

Der StartGreen-Award ist für uns: Anerkennung und Promoter für das, was wir im Bereich der innovativen Biomasse-Verwertung bereits geleistet haben, Unterstützung für unsere neuen Ideen und Konzepte, die wir mit Herzblut verfolgen, und Ansporn für die erfolgreiche Weiterentwicklung unserer Technologie und unseres Geschäftsmodells.


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