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"Praxisnahe Stories schaffen eine Brücke in die Welt der Zuhörer"

© Eric Slomanson, auf dem Bild: Alexander Buff und Daniel Himmel, Interpanel

Redaktion

 

Bei der Cleantech Open Global Ideas Challenge 2017 in San Francisco gewann das Start-up interpanel in der Kategorie "Scale Track". Das Unternehmen aus Thüringen setzte sich damit gegen Cleantech Start-ups aus aller Welt durch. Der internationale Wettbewerb zeichnet junge Unternehmen mit innovativen Ideen aus den Bereichen Energie, Umwelt und Nachhaltigkeit aus.

interpanel setzte sich mit einem multifunktionalen Deckensystem durch, das Kühlen, Heizen, Licht, Akustik und Design in einer Oberfläche vereint.


 

Herzlichen Glückwunsch zum Sieg von interpanel bei der Cleantech Open Ideas Challenge. Wofür genau wurden Sie ausgezeichnet?

Mit unserem Produkt adressieren wir kurzfristig ein Premiumsegment, in dem wir einen einzigartigen Nutzenvorteil erzielen – zu einem angemessenen Preis. Die gemeinsame Unternehmensvision strebt aber danach, zukünftig ein System für den Zugang zum Massenmarkt zu schaffen.

Den größten Kundennutzen erzielen wir hierbei in Regionen, die, insbesondere im Bausektor, preissensitiv reagieren. Mit einem physischen Bauprodukt lässt sich eine Preisanpassung auf regionale Gegebenheiten oft nur durch hohe Absatzmengen und Materialreduktion erreichen. Dieses Potenzial haben wir während unseres Pitches aufgezeigt und damit anscheinend auch überzeugt.

Die hohen Volumina verlangen auch ein Umdenken im Lebenszyklus des Produktes. Die Abfälle der Bauindustrie landen oft noch direkt auf der Deponie. Diese wollen wir durch das modulare Konzept, mit austauschbaren Komponenten, bei gleichzeitiger Nutzenmaximierung und Lebensdauer sowie Flexibilität verringern.   

 

Vom Live Pitch beim StartGreen Award in Berlin zur internationalen Bühne in San Francisco – wie haben Sie sich vorbereitet?

Neben einem guten Konzept ist die intensive Vorbereitung durch beständiges Üben der Pitch-Situation entscheidend. Das beginnt schon bei der gemeinsamen Zielsetzung des Unternehmens – was ist das überhaupt und wie kann man das erzählen? Zur Vorbereitung gehört aber auch das Studieren von Publikationen, Vorträgen, Pitches, Hörbüchern und vor allem die Anwendung des Gelernten im Geschäftsalltag.

Die Wiederholung der eigenen Geschichte und die ständige Anpassung an die verschiedenen Zuhörer und Auditorien ist besonders spannend. Ich denke, es ist schwierig, sich zu sehr auf EIN Konzept oder nur EINE Story einzustellen. Ein eigener Stil und das Wissen, wem man das gerade erzählt, hat sich für uns im Pitch als sehr wichtig erwiesen.

Für unseren Vortrag haben wir deshalb nicht nur das Ausgangsproblem dargestellt, sondern uns auf Emotionen konzentriert. Praxisnahe Stories schaffen eine Brücke in die Welt der Zuhörer.

Bei der Vorbereitung unserer Präsentation hat uns auch das Tagesseminar im RKW Kompetenzzentrum sehr geholfen.

 

Welche Idee verfolgen Sie mit Ihrem Projekt?

Durch das interpanel-System wird es erstmals möglich, effiziente Deckenkühlsysteme auch in heiß-tropischen Regionen kombiniert mit einer äußerst schnellen Reaktionszeit einzusetzen. Damit eröffnet sich das Potenzial für einen grundlegenden Technologiewandel, wie Räume temperiert werden.

Die Vision ist dabei die globale Transformation von voll-luftbasierten Wärme- oder Kälteanlagen hin zu wasserbasierter Wärmestrahlungskühlung. Dadurch wird der Komfort maßgeblich gesteigert. Gleichzeitig reduziert sich der Energiebedarf und Wartungsaufwand.

Unsere Kerninnovation ist eine erstmals bis zu den Normgrenzen zuverlässig arbeitende Deckenkühlung. Das kombinieren wir mit einer Flächenlichtaktivierung, akustischer Absorption und ansprechendem Design. So werden alle wesentlichen Nutzerbedürfnisse mit einem vorgefertigen Produkt abgedeckt. Mit minimalem Energieaufwand schaffen wir ein angenehmes Raumklima.
 

Sie haben es mit Ihrem Vorhaben ins Halbfinale des StartGreen Awards 2016 geschafft. Wie hat sich Ihr Vorhaben seitdem entwickelt?

Eine zügige Entwicklung und ein zuverlässiges Produkt ist für uns wichtig. Das Team arbeitet derzeit mit Hochdruck an den finalen internen und externen Mess- und Prüfprozessen und Zertifizierungen.

Das System muss bei unseren anspruchsvollen Kunden über Jahrzehnte zuverlässig und wartungsfrei funktionieren. Wir produzieren und entwickeln daher fortlaufend das beste mögliche System – das hält uns auf Trab.

Demnächst installieren wir eine weitere Anlage, diesmal in Deutschland. Weiterhin wurde eine Anlage in Sansibar (Afrika) in Betrieb genommen. Seit ein paar Monaten führen wir auch mit sehr interessierten Industrieunternehmen Gespräche, die ein weltweites Produktions- und Vertriebsnetzwerk besitzen.

 

Lohnen sich Wettbewerbe wie die Cleantech Open Ideas Challenge für grüne Start-ups? Was sollte man aus Ihrer Sicht beachten?

Das kommt wie immer darauf an. Wir haben uns beworben, um unseren Medienauftritt zu stärken und weitere Kontakte zu Mentoren, Investoren, Coaches und Business Angels, aber auch zu Branchenexperten zu knüpfen. Der Preis ist für uns eine große Ehre und die Krönung des Wettbewerbes.

Aber auch ohne den Pokal hätte sich der Wettbewerb definitiv gelohnt. Es ist immer gut, sich andere Start-ups anzuschauen, zum Beispiel aus den USA, aus Japan oder Kasachstan. Wir hatten viele Gelegenheiten, uns über die Erfahrungen, Kontakte und lokalen Marktbedingungen auszutauschen.

Interessant ist, dass nicht nur junge Gründer, sondern auch zahlreiche altgediente und branchenerfahrene Gründer sich Vor-Ort präsentiert haben.

Ich denke, es ist bei Wettbewerben besonders wichtig, eine klare Botschaft zu vermitteln. Dabei sollte der Fokus darauf liegen, wie das Unternehmen das beschriebene Problem lösen will und warum Kunden bei diesem Unternehmen kaufen sollten. Die Einzigartigkeit und Differenzierung der Lösung von bestehenden Konzepten sowie eine klare Umsetzungsperspektive ist dabei ebenso wichtig.  

 

Haben Sie nach Ihrer Erfahrung in San Francisco Tricks für den perfekten Pitch?

Der „perfekte Pitch“ hängt stark vom jeweiligen Publikum ab. Ich habe den Pitch zur Vorbereitung wörtlich geschrieben und unzählige Male geändert. Auf die gleiche Art und Weise erzählt habe ich ihn aber vorher sicher noch nie.

Es hilft, eine Story, Bilder, Vergleiche und einen roten Faden im Kopf zu haben. Das muss man üben. Dann kann man einzelne Überpunkte schnell ändern und neu konzeptionieren.

Persönliche Geschichten unterstützen den Vortrag. Davon sollte man jederzeit ein paar abrufen können. Es hilft auch, wenn der erste und der letzte Satz vom Standard abweichen. Ein Statement und eine knackig verpackte Vision am Schluss lockert die Atmosphäre und manifestiert die Vision im Kopf der Zuhörer.

 

Welche Pläne hat interpanel für die nahe Zukunft?

Die Gründung der GmbH ermöglichte es uns, den Geschäftsbetrieb aufzubauen und feste Verträge vorzubereiten und zu schließen. Es ist noch kein konkretes Datum festgesetzt, wir rechnen aber damit bis Ende des Jahres lieferfähig zu sein und eine entsprechende Produktionskapazität zur Verfügung zu haben.

In naher Zukunft wollen wir zunächst den europäischen Markt bedienen. Dafür planen wir, das System an starke Unternehmen, welche ähnliche strategische Ziele verfolgen, zu lizensieren. Das ermöglicht es, die Technologie den Kunden schnell, in hoher Qualität und überall zur Verfügung zu stellen.


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