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PHYTOLINC: Mikroalgen aus dem Photobioreaktor

© PHYTOLINC

Redaktion

In aller Kürze: Was ist eure Unternehmensidee?
Wir beschäftigen uns mit der Produktion von Mikroalgen. Aufgrund wertvoller Inhaltsstoffe sind Mikroalgen ein nachgefragter Rohstoff in der Lebensmittel- und Kosmetikindustrie. Zudem werden sie in Aquakulturbetrieben als Lebendfutter benötigt. Wir entwickeln einen Photobioreaktor, in dem Mikroalgen unter möglichst optimalen Bedingungen wachsen. Im Vergleich zu bestehenden Systemen nutzen wir eine neuartige Membrantechnologie. Diese ermöglicht es uns, die Algen getrennt vom Wasser zu kultivieren. So lassen sich Algenarten produzieren, die in den bisher bestehenden Systemen nicht wachsen.
Aufgrund wertvoller Inhaltsstoffe haben viele dieser Arten ein hohes wirtschaftliches Potential. Außerdem können wir in Aquakulturbetrieben ein Mikroalgen-Aquaponiksystem errichten. Hierbei schließen wir unseren Photobioreaktor direkt an ein Fischbecken eines Aquakulturbetriebs an. Das Prozesswasser nutzen wir, um Mikroalgen zu kultivieren. Hierdurch wird das Wasser aufgereinigt und kann anschließend wieder in das Tierbecken zurückgeleitet werden. Die Wasserqualität steigt, und der Kunde erhält gleichzeitig hochwertige Algen-Biomasse.

Welche Mission verfolgt ihr? Auf welche Weise leistet ihr einen positiven Beitrag für die Umwelt oder Gesellschaft?
Mikroalgen sind ein wichtiger Bestandteil der Futter- und Lebensmittelindustrie. Sie sind reich an natürlichen Proteinen und die beste Quelle für rein pflanzliches Vitamin B12 sowie Omega 3- & 6-Fettsäuren.
Zugleich benötigen sie im Vergleich zu traditionellen pflanzlichen Produkten einen Bruchteil des Wasser- sowie Flächenbedarfs. Für ein Kilogramm Getreide werden 1,5 m2 Landfläche und 1.300 l Wasser benötigt, für ein Kilogramm Mikroalgen aktuell jedoch nur 0,25 m2 und 20 l.
Traditionelle Algen-Produktionsmethoden haben sich in den letzten Jahren kaum weiterentwickelt. Hier setzen wir an. Unsere Technologie ermöglicht eine Wassereinsparung von 90 % im Vergleich zu bestehenden Systemen. Dadurch sind wir in der Lage, ein Kilogramm Algen mit nur zwei Litern Wasser zu kultivieren. Gleichzeitig ermöglicht die Kopplung an einen Aquakulturbetrieb eine signifikante Einsparung der benötigten Nährstoffe sowie eine Aufreinigung des Wassers. Wir senken somit den Phosphat- und Nitratanteil im Wasser und verhindern eine weitere Eutrophierung unserer (Grund-) Gewässer.
In Verbindung mit einer Produktion, die in der Lage ist, CO2 aus der Atmosphäre oder von Primär-Produzenten (herstellende Industrie) zu binden, tragen wir zur Reduzierung des Klimawandels und zur sinnvollen Verwendung essentieller Ressourcen bei.

Wie kam euch die Idee zur Gründung?
Dennis hat während seines Studiums bereits Berufserfahrung in mehreren Aquakultur-Kreislaufanlagen sammeln können. Im Laufe seines Masterstudiums kam er außerdem in Kontakt mit dem von uns genutzten Membransystem. Kreislaufanlagen und eine effiziente Mikroalgen-Produktion, das passt. Am besten in einem System vereint, um von Synergien zu profitieren und die landbasierte Aufzucht von Muscheln, Garnelen und Fischen noch nachhaltiger zu gestalten. Nach einer erfolgreichen Masterarbeit und dem Aufbau einer Labor-Anlage war das Ziel „Start-up“ klar. Neben Jan, ebenfalls Biologe, kam noch Arne als Wirtschaftswissenschaftler hinzu – das Gründerteam war komplett.

Was ist euer Alleinstellungsmerkmal?
Kommerzielle Mikroalgen-Aquaponikanlagen gibt es bisher nicht. Außerdem können mit unserem Reaktor Algenarten, die in bestehenden Systemen nicht wachsen, produziert werden. Neue Produkte und Märkte können so erschlossen werden. Zudem erreichen wir höhere Wachstumsraten als bestehende Systeme.
All dies ermöglichen wir durch die Nutzung eines neuartigen Membran-Systems. Aktuell erhältliche geschlossene Photobioreaktoren sind zumeist Röhrensysteme aus Glas oder Plastik. Problematisch sind an diesem Verfahren die Licht- und CO2-Versorgung sowie das nach der Produktion notwendige Trennen von Wasser und Algenzellen. Außerdem können relevante Algenarten aufgrund starker Wasserbewegungen nicht produziert werden.
In unserem System hingegen wachsen die Algenzellen auf einer hängenden Membran und werden lediglich feucht gehalten. Ein aufwendiges Trennen von Algenzellen und Wasser ist nicht mehr notwendig. Die direkte Beleuchtung der Algenzellen sowie ein verbesserter CO2-Austausch steigern die Effizienz.

Gibt es bestimmte Herausforderungen speziell in eurer Branche?
Wie bei allen Produkten aus dem Biotech-Bereich ist die Entwicklung unseres Systems zeitaufwändig, was unmittelbar mit einem hohen Kapitalbedarf einhergeht. Außerdem sind wir darauf angewiesen, noch mehr Akzeptanz für nachhaltige Konsumgüter generell und damit auch für unsere Produkte zu schaffen. Ein spannender, aber langwieriger Prozess, in dem wir auf viel Unterstützung angewiesen sind.

Wie sieht eure langfristige Mission aus?
Wir wollen einen Photobioreaktor auf den Markt bringen, der Mikroalgen-Kultivierung möglichst einfach gestaltet und ein breites Anwendungsspektrum ermöglicht. Aktuell bauen wir einen ersten Prototyp, welchen wir im Rahmen einer Anschlussfinanzierung weiter „upskalieren“ werden. Langfristig wollen wir als Spezialisten für Mikroalgen-Produktionssystemen weltweit tätig sein.

Und zu guter Letzt: Warum wollt ihr den StartGreen Award 2018 gewinnen?
Wir sind ein junges, ambitioniertes Team. Unser Ziel ist es, mit einem technologischen System den ökologischen Herausforderungen unserer Zeit entgegenzutreten. In unserem täglichen Start-up-Alltag verbinden wir ökologische mit ökonomischen Visionen.    
Unser Produkt, der PhytoFence, überzeugt mit technischen und ökonomischen Argumenten gegenüber bestehenden Mikroalgen-Produktionssystemen. Wir haben das EXIST-Gründerstipendium bekommen, um einen ersten größeren Prototyp zu bauen. Zudem haben wir Preise bei diversen Ideen- und Businessplanwettbewerben gewonnen. Diese Erfolge zeigen ein generelles Interesse und eine wirtschaftliche Plausibilität unseres Produktes. Als „Case“ des Submariner Networks, einem EU geförderten Netzwerkes, das sich mit „Blue Bioeconomy“ befasst, sind wir Teil einer großen Europäischen Allianz aus Experten diverser Fachrichtungen.    
Um unser Ziel zu erreichen, müssen wir auf unser Projekt aufmerksam machen und ein breites Netzwerk aufbauen. Der Gewinn des StartGreen-Awards wäre da eine tolle Sache!

 

© Rolf Schulten


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