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MWK Bionik im Interview

© Rolf Schulten

Redaktion

MWK Bionik: Effizienzturbo für Biogasanlagen

 

 

Wie kam Ihnen die Idee zu Ihrem Projekt?

Unser Unternehmen sitzt in Bad Endorf im Chiemgau, eine Landschaft geprägt von der Landwirtschaft. So lag es für mich Matthias Wackerbauer, Gründer von MWK Bionik GmbH®, nahe Agrartechnologie zu studieren. Ich engagiere mich zudem seit vielen Jahren im Bereich der regenerativen Energien speziell für Biogas. Der Erfolg dieser Technologie brachte leider als Kehrseite mit sich, dass zunehmend Anbauflächen einseitig für den Maisanbau als Energiepflanze genutzt wurden. Dies führte zu einer Reduzierung der gesellschaftlichen Akzeptanz der Biogastechnologie aufgrund der soziopolitischen „Teller oder Tank“ Diskussionen, dass Nahrungsmittelpflanzen auch nur als solche genutzt werden sollten.

Unser Ansatz in der langjährigen Berufspraxis ist immer die Verwendung von landwirtschaftlichen Reststoffen für Biogasanlagen. Der letzte Impuls, nach einem neuen Ansatz für den Einsatz von bisher nicht verwertbaren agrarischen Reststoffen zu suchen, kam mit der Änderung des EEG und der fast völligen Einstellung von Biogasprojekten in Deutschland. Dies wollten wir nicht hinnehmen und machten uns auf die Suche nach Methoden, bestehende Biogasanlagen effektiver zu machen und auch für den Einsatz von neuen Reststoffen wie Stroh verfahrenstechnisch zu optimieren.

So kamen wir auf die Idee, dass Mikroben in der Lage sind, die Abbaurate von Einsatzstoffen vom heutigen Stand in Höhe von max. 48 – 50 % so zu erhöhen, dass das Potenzial für organische Trockensubstanzen bis zu 90 – 98 % genutzt werden kann. Für uns liegt die Lösung und Zukunft der Biogastechnologie im Einsatz der Mikrobiologie, daher ist unser Unternehmensslogan „Solutions for a smarter Future“!

 

Wer hat Sie dabei unterstützt?

Als wir 2013 begannen, nach wissenschaftlichen Erkenntnissen für einen solchen Einsatz von Mikroben zu recherchieren, mussten wir sehr schnell erkennen, dass es noch keine Studien oder Berichte dazu gab. Um unsere Ideen umzusetzen, brauchten wir einen Partner aus der Mikrobiologieforschung. Wir konnten Dipl. Ing. Heinrich Uphoff, Dipl. Ing. Christian Uphoff und seine Mitarbeiter vom Ingenieurbüro/ Labor Uphoff überzeugen, in gemeinsamer Forschungsarbeit diesen neuen Verfahrensansatz der Nutzung der Mikrobiologie zu prüfen und zu testieren.

Für die Entwicklung der mechanischen und thermischen Komponenten konnten wir Dr. Johannes Landgraf, CEO der Lingroup GmbH, für eine Zusammenarbeit gewinnen, der uns auch weiterhin beim Innovation Marketing begleitet. Wichtig ist uns die Sicherung unseres Intellectual Property, daher haben wir sehr frühzeitig den auf Mikrobiologie spezialisierten Patentanwalt Dr. Matthias Stolmár, Stolmár und Partner, zu Rate gezogen. Nicht zuletzt motivierten uns die Gespräche mit potenziellen Kunden über die mehrjährige Entwicklungszeit des BMT System®.

 

Welche Geldquellen haben Sie gesucht? Wie konnten Sie Investoren überzeugen?

Wir starteten mit der Finanzierung aus dem Eigenkapital sowie aus dem Cashflow. Um eine zügige Entwicklungszeit finanzieren zu können, reichten diese Mittel jedoch nicht aus. Mit unserem so neuartigen Verfahrensweg wurden wir als Start-up Unternehmen mit hohem Risiko bewertet, so dass weder unserer Hausbank und noch überregionalen Banken trotz fundierten Unterlagen aufgrund der Basel III Restriktionen einen Kredit geben konnten. So lag es nahe in der Biogasbranche nach privaten Investoren zu suchen.

Ein Unternehmer aus dem Komponetenbereich erkannte sehr schnell den Nutzen unseres Vorhabens, so dass er sich in Form von Genussrechten an unserem Unternehmen beteiligte. Mit dem so gewonnenen Eigenkapital konnte nicht nur die Forschungsarbeit schneller vorangetrieben werden, sondern auch der Kooperationspartner Uphoff GmbH durch Kauf in den Unternehmensverbund von MWK Bionik® eingebunden werden.

 

Welche Herausforderungen sehen Sie an Ihrem Beispiel für grünes Gründen in Deutschland?

Grundsätzlich bewerten wir die Chancen für Unternehmensgründungen in grünen Technologien

in Deutschland positiv, sich erfolgreich am Markt zu positionieren. Eine wichtige Rolle spielt die realistische Einschätzung des Marktbedarfes und der Akzeptanz für die innovative Idee: Gründer sind bei diesen Analysen meist auf sich alleine gestellt.

Herausforderungen sehen wir in der Finanzierung der Frühphase. Vor allem, wenn sich kleinere Unternehmen an eigenständige Forschungstätigkeiten wagen, die mit hohen Personal- und Kostenaufwand verbunden sind. Es gibt zahlreiche staatliche Gründerförderungen. Doch diese auch tatsächlich zu erhalten, ist mit erheblichen Hürden verbunden, wie unser Beispiel zeigt. Dies gilt ebenso für die Suche nach Investoren für die Wachstumsphase. Eine Verbesserung in den verschiedenen Netzwerken der Green Economy, wie sie auch mit der Start Green Initiative gefördert wird, kann Gründern helfen, Ideen mit einem eigenen Unternehmen leichter und schneller umzusetzen.

 

Was leistet Ihr Projekt für den Klimaschutz? Wie trägt es zum Wandel in der Gesellschaft bei?

Mit der Entwicklung des BMT-Systems® zur Verwertung von ligninhaltiger Reststoffen in Biogasanlagen leisten wir in einerseits in verschiedenen klimawirksamen Bereichen einen Betrag zur Reduzierung von Schadstoffemissionen und anderseits zur gesellschaftlichen Akzeptanz dieser Technologie.

Wie erreichen wir das? Wir wollen an dieser Stelle nur die wichtigsten Faktoren hervorheben. Durch die jetzt mögliche Verwertung von Stroh und ligninhaltiger Pflanzenreste reduziert sich die Verbrennung auf den Feldern, die Schadstoffbelastung in der Luft insgesamt, speziell der CO2 Impakt. Mit unserem Dünger fördern wir nachhaltigen Bodenschutz durch eine höhere Pflanzenverfügbarkeit von Stickstoffverbindungen zur Re-Mineralisierung.

Den für uns bedeutsamsten Klimaschutzaspekt stellt unser Beitrag zur Erreichung des Millenniumsziels „Ernährungssicherheit“ dar. Mit unserer Technologie wird die Konkurrenz von Mais und Getreide als Einsatzstoff für die Energieerzeugung vermieden. Das Korn wird wieder für die Lebensmittelproduktion verwendet und nur noch die Restpflanze zur Energieerzeugung mit sogar höheren Gaserträgen verwertet. Die immer noch geführte Teller-Tank-Diskussion ist somit nicht mehr haltbar.

 

Welches Geschäftsmodell steckt hinter Ihrem Vorhaben?

Wir beraten unsere Kunden, angefangen von ingenieurtechnischen Dienstleistungen durch die Erstellung der Konzeption, Planung, über die Herstellung und dem Verkauf bis hin zur betriebsreifen Installation von Anlagen des BTM Systems® zur umweltfreundlichen und wirtschaftlichen Optimierung von Biogasanlagen. Ergänzende Einnahmen werden aus der Herstellung und Lieferung mikrobiologischer, für den Betrieb von Biogasanlagen notwendiger, Zuschlagsstoffen, insbesondere LignoX® für die BMT Systeme® und FertX für den Bionik Dünger im Kontext der Anlagentechnik erzielt. Das Geschäftskonzept beinhaltet die langjährige Bindung an die Lieferung der Zusatzstoffe. Erlöse aus weiteren MWK Bionik® Verbrauchsprodukten wie MucoBlast® gegen Schimmel oder MWK BioSol® als PV Panel Beschichtung werden mit einer nach Mengen gestaffelten Preisgestaltung generiert. Zusätzlich bieten wir Forschung und Entwicklungsleistungen für andere Unternehmen oder als Verbundpartner sowie Labordienstleistungen an.

 

Was ist dabei Ihr Alleinstellungsmerkmal?

Wir sehen unser Alleinstellungsmerkmal gegenüber anderen Hersteller mikrobiologsicher Mittel zur Strohvergärung in zwei Faktoren. Die komplexe Kombination der mikrobiologisch-bionischen Produkte und das spezielle Verfahren erschweren ein Nachahmen. Zudem halten wir über 15 angemeldete Patente, darunter einen umfassenden Patent- und Markenschutz für das BMT-System®, nicht nur in Europa, sondern weltweit. Unser Wettbewerbsvorteil liegt in der Konzentration von Planung, Entwicklung und eigener Produktion der biogenen Zuschlagsstoffe mit unserem akkreditierten und zertifizierten Labor für das BMT-System® in einem Unternehmensverbund.

 

Welchen Tipp haben Sie für Gründerinnen und Gründer in der Green Economy?

Eine ganz wichtige Voraussetzung ist, an seine Idee zu glauben und sich von Rückschlägen in der Entwicklung nicht entmutigen zu lassen. Zudem sollte man für den Erfolg die Bereitschaft besitzen, bei Fachthemen oder Problemem externen Rat annehmen. Noch mehr als vielleicht in anderen Bereichen wird die persönliche Belastungsfähigkeit der Gründer/-innen gefordert, denn es gilt gleichzeitig eine Innovation zu entwickeln und Umsätze, sprich Gewinne, aus anderen Aktivitäten zu erzielen, die eine Umsetzung überhaupt erst ermöglichen. Eine kontinuierliche Marktbeobachtung des Bedarfs und eine solide Projektumsetzung, die das Vertrauen von Kapitalgebern stärkt, sind unerlässlich. Wichtig ist, nicht nur für Finanzierer, sondern für sich selbst einen Businessplan mit Worst-Case- und Mid-Case Szenarien für einen Zeitraum von mindestens fünf Jahren erstellen, diesen mit den aktuellen Entwicklungen abgleichen und anpassen.

 

Warum wollen Sie den StartGreen Award 2016 gewinnen?

Bisher erforderte die Patentumsetzung eine Geheimhaltung, so dass unsere technologisch innovativen Leistungen bisher nur in einem begrenzten Kreis positiv wahrgenommen wurden. Mit der Teilnahme am StartGreen Award 2016 gehen wir bewusst in die Öffentlichkeit. Allein schon die Auswahl zum Halbfinalisten bestätigt uns, dass wir mit unserem BMT-System® auf dem richtigen Weg sind. Wir hoffen, mit Anerkennung durch das Fachgremium und auch des Netzwerkes belohnt zu werden. Das würde unseren langjährigen treuen Mitarbeitern, den Familienangehörigen und allen am Vorhaben beteiligter Geschäftspartner bei der Entwicklung des BTM Systems viel bedeuten.

Für die nächsten Entwicklungsschritte würde uns die Auszeichnung „Gewinner Start Green Award 2016 junges Unternehmen“ bei Investoren eine bessere Akzeptanz für die Finanzierung der Wachstumsphase bieten und die internationale Markteinführung des BMT-System® erleichtern.


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