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Little Sun: Nachhaltige Energie für die Welt

© Little Sun

Redaktion


Little Sun: Nachhaltige Energie für die Welt

 

Wie kam Ihnen die Idee zu Ihrem Projekt?

Weltweit leben laut Weltbank 1,1 Milliarden Menschen ohne Zugang zu Strom. Eine weitere Milliarde Menschen hat keine zuverlässige Stromversorgung und lebt mit regelmäßigen Stromausfällen und den daraus entstehenden Nachteilen: Kinder können nach Einbruch der Dunkelheit entweder gar nicht lesen bzw. Hausaufgaben machen oder nutzen dafür gesundheitsschädliche und gefährliche Petroleumlampen. Geschäfte müssen mit Sonnenuntergang schließen und verzichten so täglich auf Einnahmen. Deshalb ist sauberer und sicherer Energiezugang der Schlüssel zur Bekämpfung der Armut in vielen Regionen Afrikas.

Die Idee bei der Entstehung von Little Sun war es, eine praktische, erschwingliche und schöne Solarlampe zu entwerfen, die sich dieser Problematik annimmt. Ein wichtiger Faktor war außerdem, etwas so abstraktes wie Solarenergie greifbar zu machen. Little Sun in die Hand zu nehmen, heißt die Sonne in die Hand zu nehmen. So werden Energie, Unabhängigkeit und Verantwortung tatsächlich greifbar. Uns geht es darum, einen emotionalen Bezug zum Thema Solarenergie und Nachhaltigkeit herzustellen. Und dadurch Menschen zu motivieren, selbst etwas zu tun.

 

Wer hat Sie dabei unterstützt?

Olafur Eliasson ist als renommierter Künstler weltweit tätig und verfügt über ein großes Netzwerk im Kunst-, Politik- und Kulturbereich. Daher haben wir von Anfang an eine starke Unterstützung durch die Kunstwelt erhalten, durch Museen, Kunsträume, Künstler und interessierte Kunstfreunde – alle hat der Gedanke fasziniert der auch uns inspiriert: die Tatsache, dass wir aus der Kunstwelt heraus etwas schaffen können, das Menschen in der Welt verbindet. Wir stellen mit Little Sun einerseits technische Werkzeuge zum Energiezugang zur Verfügung, aber ebenso wichtig ist die verbindende emotionale Komponente. Und natürlich teilen wir mit vielen Unterstützern das Ziel regenerative Energien greifbar zu machen und damit insgesamt ihre Nutzung zu fördern und zu fordern.

Als erste Institution hat die Tate Modern in London das Projekt mit uns vorangetrieben, und wir haben eine Verbindung zwischen dem Museum, uns, und unseren ersten Kontakten in Subsahara Afrika – in Zimbabwe, Äthiopien und Kenia – geschaffen. Gemeinsam waren wir stärker als alleine und konnten die ersten Little Suns produzieren, zeigen und kommunizieren. Und in Europa und Afrika handeln.

 

Welche Geldquellen haben Sie gesucht? Wie konnten Sie Investoren überzeugen?

Wir haben das Unternehmen mit dem ersten Projekt und der Tate Modern als Auftraggeber gegründet. Das Startkapital für die Vorbereitung stammte von den Gründern, und seit Beginn tragen die Umsätze aus dem Verkauf der Lampen zur Finanzierung bei. Klar war aber auch, dass wir für die als Ziel definierte Skalierung einen größeren finanziellen Spielraum brauchen würden. Seit Frühling 2014 haben wir in Bloomberg Philanthropies einen starken Partner an der Seite. Mit einem Impact Darlehen von 5 Millionen US-Dollar unterstützen sie die Skalierung und ermöglichen den Ausbau des Vertriebs in Afrika. Wir konnten Mike Bloomberg und sein Team mit dem Konzept von Little Sun überzeugen – auf eine positive kreative Art Veränderungen in einer skalierbaren wirtschaftlichen Methode herbeizuführen.

 

Welche Herausforderungen sehen Sie an Ihrem Beispiel für grünes Gründen in Deutschland?

Für Sozialunternehmer ist es eine Herausforderung, Partner mit den gleichen Vorstellungen von Nachhaltigkeit, sozialer Verantwortung und Wirtschaftlichkeit zu finden. Unsere Vertriebspartner beispielsweise machen zwar mit dem Vertrieb der Little Sun Umsätze, jedoch sind diese momentan noch geringer als bei anderen Produkten. Nur so können wir nachhaltige Vertriebsstrukturen in Afrika aufbauen.

Langfristig arbeitet Little Sun deshalb an dem Ziel, ein Solarunternehmen mit einer großen Bandbreite an Produkten zu werden. Nach der Little Sun Solarlampe und dem solarbetriebenen Ladegerät Little Sun Charge sollen weitere Produkte folgen, die durch eine größere Gewinnspanne das Unternehmen in Zukunft rentabel und für Partner auch finanziell attraktiver machen.

Insgesamt ist bei uns wie auch bei den meisten grünen Gründern vermutlich die Wirkung stärker im Fokus als der Profit – das ist Herausforderung und Möglichkeit zugleich. Nachhaltigkeit als Firma ist natürlich auch eine finanzielle Frage, und langfristig bestehen wir nur wenn wir ein funktionierendes Geschäftsmodell mit einem zusätzlichen ökologischen und gesellschaftlichen Mehrwert haben.

 

Was leistet Ihr Projekt für den Klimaschutz? Wie trägt es zum Wandel in der Gesellschaft bei?

Weltweit wurden bereits über 300.000 Little Suns, davon über 140.000 in Regionen ohne Strom, verkauft. Das bedeutet längere Öffnungs- und Studienzeiten, was wiederum das Bildungsniveau und Einkommenschancen vieler Menschen erhöht.

Der positive Einfluss auf Umwelt und Gesundheit der Menschen durch Solarlampen ist ebenfalls enorm. Über 290 Millionen Menschen in Afrika nutzen Petroleumlampen als Beleuchtung. Der CO2-Ausstoß pro Liter Petroleum beträgt 2,5 Kg. Mit Solarlampen kann die Nutzung von Petroleum begrenzt oder komplett eingestellt werden. Gleichzeitig führt es zu weniger Bränden und Rauchvergiftungen.

Überall wo dabei Little Sun zum Einsatz kommt wird Strom gespart, CO2-Ausstoß verringert und für nachhaltige Energielösungen geworben. Durch den Ersatz von umweltschädlichen Petroleumlampen durch Little Sun Solarlampen wurden bereits 14.110 Tonnen CO2 einspart. Aufgrund der hohe Kosten für Petroleum haben Familien durch Little Sun schon 4.700.000 US $ eingespart.

Weltweit ist Little Sun dabei auch ein Symbol für Nachhaltigkeit, globales Zusammengehörigkeitsgefühl und den praktischen Nutzen von Kunst im Alltag. Little Sun glaubt an das Potenzial von Kunst als Ansatz unsere Kommunikation über globale Herausforderungen zu ändern. Sie macht eine Tatsache nicht nur verständlich, sondern physisch greifbar. Regelmäßig macht Little Sun deshalb auf das Thema Solarenergie und Energiezugang aufmerksam. Museen, kulturelle Einrichtungen, Musiker und Künstler unterstützten Little Sun, um Menschen für nachhaltige Energien zu begeistern.

In Kooperationen mit Kitas und Schulen führen wir Workshops durch, um Kinder mit dem Thema Nachhaltigkeit vertraut zu machen. Little Sun ist dabei eine greifbare, positive Einführung in die Solarenergie und sensibilisiert langfristig für einen nachhaltigen Lebensstil – überall auf der Welt.

 

Welches Geschäftsmodell steckt hinter Ihrem Vorhaben?

Little Sun ist kein Spendenmodell, sondern funktioniert als nachhaltiges Sozialunternehmen. Dabei verbindet das besondere Vertriebskonzept Menschen rund um den Globus: Der etwas höhere Verkaufspreis in Regionen mit Strom ermöglicht, die Little Sun Lampen zum Produktionskostenpreis an unsere Partner in Afrika abzugeben. Sie können dann die Lampen zu lokal erschwinglichen Preisen anbieten. Unsere lokalen Partner unterstützen wir bei der Ausbildung von Mitarbeitern und schaffen so zusätzliche Arbeitsplätze vor Ort.

In Afrika haben schon über 400 lokale Verkaufsagenten durch Little Sun ein regelmäßiges Einkommen. Denn dank des nachhaltigen Geschäftsmodells können junge Unternehmer die Lampen zu erschwinglichen Preisen an ihre Gemeinschaft verkaufen und dabei selbst ihr Einkommen aufbessern.

Jede verkaufte Little Sun bringt also Solarenergie in Regionen ohne Strom zu lokal erschwinglichen Preisen und hilft beim Aufbau nachhaltiger Vertriebsstrukturen in Afrika.

 

Was ist dabei Ihr Alleinstellungsmerkmal?

Little Sun ist sowohl praktische Solarlampe als auch begehrtes Kunstobjekt, soziales Geschäftsmodell und globales Projekt, das Menschen überall auf der Welt verbindet.

Nur Little Sun gilt gleichzeitig als praktische Solarlampe und begehrtes Designobjekt, das sowohl in der Designkollektion des Centre Pompidous als auch in einer Hütte im ländlichen Ghana zu finden ist. Das Design der Lampe wurde zusammen mit Nutzern in Äthiopien entwickelt und erinnert an die äthiopische Meskelblume – ein nationales Zeichen für Glück.

Auch das besondere Vertriebskonzept verbindet: Statt eines Spendenmodells setzt Little Sun auf nachhaltige Vertriebsstrukturen. Der etwas höhere Preis in Regionen mit Strom ermöglicht, die Little Sun Lampen zum Produktionskostenpreis nach Afrika zu bringen, wo jungen Menschen mit dem Vertrieb der Lampen eine Einkommensmöglichkeit geboten wird.

Little Sun stellt zudem eine emotionale, direkte Verbindung zum Thema Solarenergie her und motiviert Menschen, Ideen in die Tat umzusetzen. Little Sun glaubt daran, dass Kunst abstrakte Themen fassbar machen und Wissen in Handeln umwandeln kann. Ziel ist es, nicht nur Menschen in Regionen ohne Strom mit Solarlicht zu versorgen, sondern Menschen überall auf der Welt für Nachhaltigkeit zu begeistern.

 

Welchen Tipp haben Sie für Gründerinnen und Gründer in der Green Economy?

Die wichtigste Voraussetzung ist sicherlich für das Projekt und für die Gründung zu brennen – und sich von Herausforderungen und kleinen Rückschlägen nicht entmutigen zu lassen. Denken in Handeln umzusetzen ist immer ein hoher Aufwand, aber es ist mit der fantastischen Möglichkeit verbunden viel zu lernen und Veränderung zu bewirken.

 

Warum wollen Sie den StartGreen Award 2015 gewinnen?

Little Sun will Menschen erreichen, die sich von dem sozialen und umweltfreundlichen Gedanken von Little Sun begeistern lassen und Teil eines globalen Projekts sein wollen.

An der Schnittstelle von Kunst, Wirtschaft und sozialen Fragen arbeiten wir dabei daran, Bewusstsein für nachhaltige Energien und Energiezugang für alle zu schaffen. Der StartGreen Award gibt Little Sun dabei nicht nur die dafür nötige Aufmerksamkeit in Deutschland, sondern vor allem auch Glaubhaftigkeit und Vertrauen in das Skalierungspotenzial des Projekts. Wir glauben daran, dass wir immer gemeinsam stärker sind als alleine – StartGreen als Mitstreiter für Sustainable Energy for All zu gewinnen ist unser Ziel.

 


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