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LignoPure: Plastikfreie Produkte auf Basis des Rohstoffs Lignin

©LignoPure

Redaktion

In aller Kürze: Was ist eure Unternehmensidee?

LignoPure entwickelt maßgeschneiderte, nachhaltige Produkte mit dem Rohstoff Lignin. Lignin ist als phenolisches Biopolymer einer der Hauptbestandteile der pflanzlichen Zellwand von Hölzern und Gräsern. Lignin ist biobasiert und natürlich und je nach Anwendungsbereich sogar kompostierbar. Lignin kann also wie eine Bio-Chemikalie verstanden werden und lässt sich z.B. in 3D-Druck und Spritzguss, in Dämmstoffen und Klebebändern aber auch im Kosmetik- und Lebensmittelbereich einsetzen.

Das Hamburger Start-up LignoPure schließt die Lücke zwischen Produzenten und den verarbeitenden Industrien. Auf der einen Seite schafft das Start-up durch Produktentwicklung und Machbarkeitsstudien konkrete Anwendungsfälle. Auf der anderen Seite bietet es den Vertrieb der benötigten Lignine und Lignin-Formulierungen an. Aus seinem vielseitigen Bioraffinerie-Netzwerk kann LignoPure geeignete Lignine beziehen und diese gezielt auf den Anwendungsfall beim Kunden aufbereiten.

Welche Mission verfolgt ihr? Auf welche Weise leistet ihr einen positiven Beitrag für die Umwelt oder Gesellschaft?

Wir bei LignoPure möchten erreichen, dass die nachwachsende (und in großem Maßstab verfügbare) Ressource Lignin, endlich in höherwertigen Produkten eingesetzt wird. Lignin ist ein sehr vielseitiges Rohmaterial, zu 100 % pflanzlich, nachwachsend und multifunktional. Es kann nicht nur erdölbasierte Chemikalien und Kunststoffe zum Teil ersetzen, sondern auch neuen, biobasierten Materialien zu mehr Funktionalität und besserer Wirtschaftlichkeit verhelfen. Wir haben ein kompetentes Team, das nötige Knowhow und eine gehörige Portion Mut zum passenden Zeitpunkt. Wir möchten den Rohstoff Lignin endlich ins rechte Licht rücken. Mit dieser Idee sind wir nicht nur technologisch in einer Vorreiter-Position: Mit einem Frauenanteil von 75% im Kernteam ist LignoPure zudem Good Practice Beispiel moderner und grüner Technologie-Startups in der Hansestadt.

Wie kam euch die Idee zur Gründung?

Das Gründungsteam besteht aus vier jungen IngenieurInnen der Technischen Universität Hamburg. Während des Studiums und der Promotion sind sie mit dem spannenden Forschungsfeld der Bioraffinerie in engen Kontakt gekommen. LignoPure-Geschäftsführerin Joana Gil hat schon früh das Potential des Lignins speziell für höherwertige Anwendungen erkannt. Sie träumte immer davon, die Entwicklungen in einem eigenen Unternehmen bis zur Marktreife umzusetzen. Von dieser Idee konnte Sie auch Dr. Wienke Reynolds (Technische Leitung), Stefan Boersting (Produkt- und Prozessentwicklung) sowie Daniela Arango (Business Development) überzeugen. Nun entstehen fast im Wochentakt neue Anwendungsideen für Lignin, die im Team getestet und ggf. weiterentwickelt werden. Starke Unterstützung erfährt das Team durch Prof. Irina Smirnova, Leiterin des Institutes für Thermische Verfahrenstechnik der TU Hamburg, das Ursprungsinstitut von LignoPure.

Wie sieht euer Geschäftsmodell aus?

Vielen Unternehmen aus Material- und Life-Science-Branche ist die Nutzung von Lignin entweder gänzlich unbekannt oder bisher nicht erfolgreich gelungen. Und wenn Interesse an Lignin und der Wille zur Entwicklung innovativer Produkte vorhanden sind, fehlt es an Knowhow zur Beschaffung und Aufbereitung geeigneten Lignins sowie der Entwicklung geeigneter Prozesse. Hier setzt LignoPure als Bindeglied zwischen Rohlignin-Produzenten und verarbeitenden Industrien an.

Denn LignoPure bietet sowohl Dienstleistung in Form von Produktentwicklung und Machbarkeitsstudien als auch den Vertrieb der benötigten Lignine und Lignin-Formulierungen an. Das Erlösmodell von LignoPure lässt sich hierbei in zwei Haupt-Einkommenströme einteilen: den Verkauf maßgeschneiderter Lignine und die Entwicklung, Prototyping und industrielle Umsetzung ligninbasierter Produkte für Endkunden aus dem Material- und Life-Science-Sektor. Zudem führen sie Machbarkeitsstudien und individuelle Entwicklung neuer Produkte für die Bioethanol- und Zellstoffindustrie durch.

Was ist euer Alleinstellungsmerkmal?

In der Forschung und Entwicklung fokussieren sich Projekte zum Thema zumeist auf die Umwandlung der flüssigen Basischemikalien. Dabei hat Lignin auch in seiner ursprünglichen Form als festes Pulver enormes Potential. Über die Partikeleigenschaften (Größe, Form, Porosität, Oberfläche etc.) lässt sich das Lignin für verschiedenste Anwendungen anpassen. Und genau hierin liegt die Expertise von LignoPure. Über unser Zulieferer-Netzwerk können wir gezielt Lignine auswählen und für den jeweiligen Einsatzzweck optimieren bzw. zu Zwischenprodukten weiterverarbeiten. Unser technologisches Knowhow besteht hierbei maßgeblich darin, die Isolierung und weitere Anpassung des Lignins durch alle Prozessschritte (vom Aufschluss bis zum Produkt) zu verstehen und gezielt für innovative Produkte nutzbar zu machen. Erste Einsatzgebiete in den Material-Anwendungen sind z.B. Klebebänder, Dämmmaterialien und Lignin-Komposite mit anderen Polymeren.

Gibt es bestimmte Herausforderungen speziell in eurer Branche?

Speziell am Markt für Konsumgüter erwarten wir große Herausforderungen. Strenge Vorschriften und komplexe Zertifizierungsprozesse sind das erste potenzielle Risiko für den Markteintritt. Daher konzentrieren wir uns zunächst auf den leichter zugänglichen Bereich der Materialwissenschaften (Komposite und Dämmstoffe) sowie Machbarkeits- und Produktentwicklungsstudien als Dienstleistung.

Besonders bei der Umsetzung innovativer Prototypen, sind auch technologische Herausforderungen zu erwarten. Aus diesem Grund sind F&E-Aktivitäten ein zentraler Bestandteil unserer Geschäftstätigkeit. Dort konzentrieren wir uns hauptsächlich auf die Verbesserung der LignoPure-Prozesse und die Diversifizierung der eigenen Endprodukte sowie deren Vereinbarkeit mit den branchen-typischen Regularien.

Außerdem sehen wir die Zulieferung von Ligninen gleichbleibender Qualität sowie ggf. schwankende Rohstoffeigenschaften und Verfügbarkeit als mögliche Herausforderungen. Lignin entstammt natürlichen Biomassen, die saisonalen und regionalen Schwankungen unterliegen. Mittel- bis langfristig könnte der Einsatz von Biomasse in Bioraffinerien auch dazu führen, dass die Preise für diese Rohstoffe steigen und die derzeitige hohe Verfügbarkeit sinkt.

Wie sieht eure langfristige Vision aus?

Erster Meilenstein für den Herbst 2019 ist die Eintragung als GmbH sowie die Aufnahme der Geschäftstätigkeit. Zu diesem Zeitpunkt soll die Produktion maßgeschneiderter Lignine zunächst über Auftragsvergabe realisiert werden. Die Planung eigener Produktionslinien mit einem regionalen Partner laufen bereits. Erste Einkünfte können zudem leicht über Workshops, Machbarkeitsstudien und Produktentwicklungsservices für unsere Kunden realisiert werden.

Bis Ende 2020 sollen zumindest 3 Produkte in diesem Bereich am Markt verfügbar sein. Mittelfristig sollen auch die hochpreisigen und in Puncto Lignin hochinnovativen Geschäftsbereiche der Life Sciences erschlossen werden. Hierfür sind jedoch anspruchsvolle Analysen und Zertifikate notwendig, welche bis 2021 vorliegen sollen. Langfristig steht ab 2022 der Aufbau einer eigenen Produktionsanlage für vielversprechende Produkte wie z.B. die LignoBeads für die Kosmetik an.

 

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