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Inkubatoren als grüne Wachstumsbeschleuniger?

© Francesco Gallarotti - unsplash

Redaktion


Einfluss grüner Inkubatoren auf den Erfolg und das Wachstum von grünen Start-ups

In der Vergangenheit hat sich gezeigt, Gründungen, die auf eine gezielte Unterstützung in der frühen Phase ihrer Gründung zugreifen konnten, waren in der Regel erfolgreicher (zur Studie „15 Jahre Exist“). Daraus lässt sich schlussfolgern, dass sich eine gezielte Gründungsförderung positiv auf den Erfolg von Unternehmensgründungen auswirkt. Das trifft ebenso auf grüne Gründungen zu, die Innovationen in Form neuer nachhaltiger Produkte und Dienstleistungen am Markt vertreiben.

Bedauerlicherweise gibt es gegenwärtig in Deutschland nur wenige auf grüne Gründungen spezialisierte Unterstützungs- und Förderangebote. Dabei ist das Potenzial für grüne Gründungen beträchtlich und sind grüne Technologien weltweit ein Wachstumsmarkt. Bei dem Ausbau von grünen Gründungsförder- und Unterstützungsangeboten besteht daher eindeutig Nachholbedarf.

Ein Anfang ist gemacht, denn zumindest wurde das Problem erkannt und erste Schritte für dessen Beseitigung unternommen. Anfang 2015 hat die ADT-Arbeitsgruppe Green Economy unter dem Dach des ADT-Bundesverbandes ihre Arbeit aufgenommen, um die spezifischen Beratungsbedarfe grüner Gründungen zu erheben. Auf Grundlage der Analyse sollen geeignete Maßnahmen und Konzepte entwickelt werden, die grünen Gründern eine optimale Unterstützung bieten. Mit seinen über 150 Technologie- und Gründungszentren, die der ADT als Bundesverband der deutschen Technologie- und Gründerzentren vertritt, ist er ein wichtiger Akteur für die Gründungsförderung in Deutschland.

Gerade für innovative Gründungen sind maßgeschneiderte Beratungs- und Förderangebote entscheidend, denn sie haben vielfältige Herausforderungen zu meistern. Dabei handelt es sich nicht nur um reine Unternehmensfragen. Innovative Gründungen haben einen erhöhten Entwicklungsbedarf, höheren Kapitalbedarf und müssen größere Gründungsrisiken in Kauf nehmen.

Eine weitere Herausforderung ist neue Technologien und Innovationen in marktfähige Produkte und Dienstleistungen umzuwandeln, für die entsprechende Geschäftsmodelle benötigt werden. Hierbei kann die Unterstützung von Branchenexperten und Marktkennern sehr hilfreich sein.  

 

Inkubatoren bieten gezielte Unterstützungsleistungen für Tech-Startups

Inkubatoren sind für Tech Startups meist die Anlaufstelle schlechthin. Sie bieten vielfältige Unterstützungsleistungen an. Zu diesen zählen neben Arbeitsplätzen und Laboren, die Gründern entweder kostenfrei oder unter Marktpreis angeboten werden, Büroinfrastruktur, Service- und Beratungsleistungen, Netzwerke sowie Zugang zu Kapitalgebern. Die Angebote von Inkubatoren unterscheiden sich jedoch nach Art und Umfang. Entscheidend ist auch, ob es sich um öffentlich geförderte Gründungseinrichtungen handelt oder um private Organisationen.

Inkubatoren bereiten die Gründer auf die vielfältigen Herausforderungen ihrer Gründungsvorhaben vor, mit denen sie gerade in der Startphase konfrontiert werden. Sie leisten damit einen entscheidenden Beitrag für den Erfolg innovativer Gründungen. Doch ihre Angebote sind umso hilfreicher für die Gründer, desto spezifischer sie sind und je mehr sie den Bedürfnissen der Gründer entsprechen.

In Deutschland gibt es mittlerweile ein breit aufgestelltes Gründungsförderungsangebot und Unterstützungsnetzwerk. Gründern steht eine Vielzahl an Förderangeboten zur Auswahl. Einziges Manko, die Angebote sind in der Regel recht allgemein auf Gründungs- und Unternehmensfragen hin ausgerichtet und zu wenig auf spezifische Branchen zugeschnitten.

Dadurch erhalten die Gründer zwar Unterstützung in wichtigen Fragen zur Unternehmensgründung, beispielsweise in Sachen Recht, Steuern, Marketing, Finanzierung, Personal und Vertrieb. Der Zugang zu den für sie relevanten Märkten und Netzwerken bleibt ihnen jedoch verwehrt und ihnen bleibt nicht der Weg erspart, sich selbst diese Zugänge zu verschaffen. 

Das ist für junge Gründer meist nicht einfach. Viele Gründer mit innovativen Gründungsvorhaben kommen aus einem wissenschaftlichen Umfeld oder haben erst wenige Jahre Berufserfahrung in der für sie betreffenden Branche vorzuweisen. Sie verfügen häufig nicht über spezifische Markt- und Branchenkenntnisse und es fehlen ihnen die Kontakte zu Entscheidern und Schlüsselpersonen für ihre Gründungsprojekte. Hinzu kommen fehlende Gründungs- und Managementerfahrungen. All dies sind jedoch entscheidende Faktoren für den Erfolg von Unternehmensgründungen.

 

Branchenfokus zentral für die Förderung innovativer Gründungen

Mit branchenspezifischen Gründungsförderangeboten könnten diese Hürden leichter genommen werden. Sie würden dabei helfen, den fehlenden Zugang zu Märkten und Marktteilnehmern herzustellen sowie Wissenslücken zu schließen. Beispielsweise könnten über Coachings, Mentoring und Trainings Branchenexperten direkt in die Gründungsvorhaben involviert werden.

Die Gründer würden von ihren Erkenntnissen und Erfahrungen profitieren. Zugleich könnten sie als Türöffner zu den entsprechenden Branchen und Märkten fungieren. Darüber hinaus könnten sie die Gründer dabei unterstützen, erfolgversprechende Geschäftsmodelle zu entwickeln, Vertriebsstrategien für die anvisierten Märkte zu erarbeiten und das Gründungsvorhaben auf ein solides Fundament zu stellen.

Die Anzahl an Inkubatoren, die für grüne Unternehmensgründer branchenspezifische Angebote bereithalten, ist jedoch überschaubar. Erst wenige Inkubatoren und Gründungsfördereinrichtungen in Deutschland haben sich auf grüne Gründungen spezialisiert. Zu nennen wäre hier beispielsweise das UTG-Umwelt-Technologisches Gründerzentrum Augsburg. Sie bieten neben Arbeitsplätzen und Infrastruktur ebenso Existenzgründerförderung, Fördermittelberatung und Finanzierungsunterstützung an. Das UTG bietet zudem Zugang zu zwei der wichtigsten Green Tech/Umweltnetzwerke in der Umgebung.

Eine weitere Anlaufstelle für grüne Gründungen ist die Green Alley Investment GmbH. Sie befindet sich in privater Hand und bietet grünen Gründern schwerpunktmäßig der Recycling- und Abfallwirtschaft ein umfangreiches Unterstützungs- und Serviceangebot an. Dieses reicht von fachlicher bis hin zu finanzieller Unterstützung. 

 

Blick über den Tellerrand

In anderen Ländern wurden in den vergangenen Jahren ebenfalls grüne Inkubatoren sowie Gründungs- und Förderangebote aufgebaut. Hier gibt es einige Good-Practice Beispiele, für die sich der Blick über den Tellerrand lohnt. Zu nennen wäre hier beispielsweise der im Jahr 2011 gegründete L.A. Cleantech Inkubator (LACI). Er hat sich auf die Förderung grüner Gründungen spezialisiert. Laut aktuellem UBI-Ranking gehört er inzwischen zu den TOP 10 der globalen Inkubatoren. Zu den erfolgreichen Gründungen zählen beispielsweise Pick My Solar, 360 Power Group, Ecoponex oder Repurpose Compostables.

Das Kurzinterview mit Fred Walti, CEO L.A. Cleantech Inkubator (LACI)

 

Neue Inkubationsmodelle: Startup Acceleration Programmes

Eine neue Form der Gründerunterstützung, die sich erst seit einigen Jahren weltweit Bahn bricht, ist die Etablierung von Startup Acceleration Programmes. Das sind Kurzzeitprogramme zur Förderung von jungen Tech Startups, die sich noch in der frühen Phase der Gründung befinden. In einem überschaubaren Zeitrahmen von drei bis sechs Monaten erhalten erfolgversprechende Gründerteams umfangreiche, auf ihr Gründungsvorhaben passende Unterstützung.

Die Programme zielen darauf ab, den Gründern möglichst rasch eine Finanzierung zu ermöglichen und ihnen zum schnellen Wachstum zu verhelfen. Dafür müssen die Gründer bereit sein, hart zu arbeiten. Im Gegenzug für die Unterstützung erhalten Acceleratoren in der Regel eine Beteiligung an den Startups in Höhe von 5 bis 10 Prozent. Auch im Green Tech Bereich gibt es inzwischen entsprechende Startup Acceleration Programmes. Zu nennen wären hier beispielsweise das Climate KIC Acceleration Programme, Bethnal Green Ventures in London und Fledge in Seattle.

Somit können Inkubatoren und Acceleratoren den Gründern wertvolle Hilfestellung geben. Sie ermöglichen den gegenseitigen Kontakt und Austausch mit anderen Gründern sowie den frühzeitigen Netzwerkaufbau zu Partnern und Kunden. Eine auf Branchen und Märkte spezialisierte Gründungsförderung hilft dabei umso mehr. Das haben die zahlreichen Gründungsförderangebote und -programme für IKT-Gründungen in den letzten Jahren gezeigt. Daher empfiehlt es sich, auch für bereits bestehende Inkubatoren und Gründungsfördereinrichtungen, ihre Angebote stärker auf Zielgruppen und Branchen hin auszurichten.

Über eine Neuausrichtung vieler Gründungsfördereinrichtungen ließe sich mit Sicherheit auch das Potenzial grüner Gründungen hebeln.

 

Handlungsempfehlungen für den Aufbau grüner Inkubatoren 

  • Entwicklung ganzheitlicher Konzepte mit Branchenfokus zur Unterstützung grüner Gründungen
  • Berücksichtigung der speziellen Herausforderungen grüner Gründungen
  • Untersuchung von Rahmenbedingungen und Hemmnissen grüner Gründungen
  • Nutzung von Branchennetzwerken sowie Aufbau von Experten- und grünen Investorennetzwerken
  • Regionaler und überregionaler Austausch mit grünen Akteuren
  • Berücksichtigung der spezifischen Bedürfnisse grüner Gründungen bei der Entwicklung entsprechender Unterstützungsangebote
  • Aufbau eines branchenspezifischen Beraternetzes zur Vermittlung von Coachs, Mentoren und Beratern mit Branchenkenntnissen, aber auch mit Gründungserfahrungen
  • Schaffung von Austauschmöglichkeiten für grüne Gründer
  • Entwicklung von Qualitätskriterien für grüne Inkubatoren

 

Fazit

Gründe Gründer profitieren von spezifischen Unterstützungsangeboten durch grüne Inkubatoren und Acceleratoren. Sie erleichtern ihnen den Markteinstieg, ermöglichen den Zugang zu Branchenexperten und Netzwerken, helfen beim Erarbeiten solider Geschäftsmodelle und -konzepte, der Aneignung fehlender Managementkenntnisse und der schnelleren Anbahnung von Finanzierungen.

Dadurch können sich Gründer oft sehr viel erfolgreicher am Markt behaupten. In Zukunft sollte daher der Fokus auf die Errichtung und Ausweitung von Unterstützungsangeboten für grüne Gründungen gelegt und entsprechende Anlaufstellen geschaffen werden. Der Austausch mit bereits erfolgreich agierenden Inkubatoren in diesem Bereich kann hierbei hilfreich sein.  


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