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Hyperion Energy im Interview

© Hyperion Energie

Redaktion

Hyperion Energy –  Das optimierte solarthermische Kraftwerk

 

Wie kam Ihnen die Idee zu Ihrem Projekt?

Obwohl unsere Firma erst Mitte 2016 gegründet wurde, arbeiten wir seit nunmehr über zwei Jahren an dem Projekt. Die Idee kam aus der Realisierung, dass wir 2014 immer noch nicht in der Lage waren, zu anständigen Preisen unsere Energie aus erneuerbaren Energiequellen zu decken. Unser Teammitglied Aiko Bernehed wendete sein Wissen aus dem Physikstudium an und suchte nach Lösungen. Relativ schnell zeigte sich die Sonne als geeigneter Energieträger – und die Speicherung als das Problem dabei. Also setzte sich das Team von Hyperion Energy daran, einen innovativen Speicher und ein Konzept für eine ganzjährige Produktion von Solarenergie zu entwickeln.

 

Wer hat Sie dabei unterstützt?

Die meiste Unterstützung haben wir von unseren Freunden und Familien erhalten. Durch die Zeit lernten sie das Projekt, manchmal gegen ihren Willen, genauso gut kennen wie wir. Außerdem unterstützten uns forschungstechnisch unsere Professoren der Uni Düsseldorf und das Solarinstitut Jülich.

 

Welche Geldquellen haben Sie gesucht? Wie konnten Sie Investoren überzeugen?

Außer den üblichen Friends & Family konnten wir bis jetzt nur den e.on :agile-Accelerator überzeugen, mit dem wir unsere Arbeit aber einvernehmlich haben auslaufen lassen. Investoren für ein solch großes Unterfangen wie das unsere zu gewinnen, gerade im Seed-Bereich, hat sich als sehr schwierig herausgestellt. Wir haben einige Venture Capitalists, die sich für die nächste große Funding-Runde interessieren. Leider möchte bislang keiner den ersten Schritt machen.

 

Welche Herausforderungen sehen Sie an Ihrem Beispiel für grünes Gründen in Deutschland?

Im Gegensatz zu beispielsweise digitalen Startups scheint die deutsche Investorenszene, vor allem im Seed-Bereich, sehr ausgedünnt zu sein. Dies mag daran liegen, dass Prototypen sich nicht auf die Schnelle entwickeln lassen und dementsprechend die Risiken für das erste Investment höher ausfallen.

Des Weiteren mussten wir feststellen, dass die meisten Leute Klimaschutz schon wieder vergessen haben. Wir hören sehr häufig, dass sich ja „die Regierung um sowas kümmere“ oder man „sowieso schon überall diese Windräder“ hat. Außerdem hätten wir in Deutschland die Energiewende und damit ist ja alles erledigt, „das machen die da oben schon“. Es scheint niemandem das Ausmaß unserer heutigen Herausforderungen klar zu sein.

Wir erleben am eigenen Leib, dass die Deutschen unglaublich unflexibel sind, wenn es um Innovationen geht, die nicht im Rahmen einer Doktorarbeit an einem renommierten Forschungslabor erarbeitet wurde. Es wird sehr viel darauf gesetzt, dass eine Universität schon jahrelang an einem Thema gearbeitet hat und alles patentiert ist. Dass dies meistens nicht der Realität von Gründern entspricht, zeigen die Erfolge junger Firmen aus den USA.

 

Was leistet Ihr Projekt für den Klimaschutz? Wie trägt es zum Wandel in der Gesellschaft bei?

Wir möchten als Developer solarthermische Kraftwerke planen und bauen, die rund um die Uhr und kostengünstig Strom produzieren. Durch den Einsatz neuer, speziell entwickelter Technologien wollen wir dabei die Investitionskosten soweit zu drücken, dass wir den Strom zu marktüblichen Preisen veräußern können. Damit haben wir zum ersten Mal eine Alternative zu bestehenden Kohle- und Gaskraftwerken auf dem Markt, die diese nach und nach ersetzen können.

Allein unser erstes 10 Megawatt (MW) Demonstrationskraftwerk wird etwa 80.000 t CO2 pro Jahr einsparen können. Die größte Klasse an Kraftwerken, die wir zurzeit anpeilen, mit ihren knapp 250 MW, wird über 2 Mio. t CO2 pro Jahr vermeiden. Damit können wir die Vorteile wirtschaftlicher Großkraftwerke mit den ökologischen Aspekten der erneuerbaren Energien verbinden.

 

Welches Geschäftsmodell steckt hinter Ihrem Vorhaben?

Hyperion Energy wird ein sogenannter Developer sein. Das heißt, wir erstellen Vorplanung von Kraftwerksprojekten, verhandeln mit den öffentlichen Behörden und lokalen Interessensverbänden, holen Investoren an Bord und koordinieren den Bau und Betrieb der Kraftwerke. Da wir für weitere und größere Kraftwerke sehr viel weniger Overhead benötigen, ist unser Geschäftsmodell skalierbar.

Wir erhalten dadurch Gewinn, dass wir entweder eine Pauschale an den Gesamtprojektkosten als Vergütung erhalten oder mit in die Eignerstruktur der Kraftwerke eintreten. Meistens ist letzteres sogar erwünscht, da wir dadurch eine Bindung an schon bestehende Projekte aufbauen.

 

Was ist dabei Ihr Alleinstellungsmerkmal?

Unser Alleinstellungsmerkmal ist die von uns verwendete Technologie und der Ansatz. Wir können dadurch Kraftwerke bauen, die sich für Investoren aufgrund der hohen Gewinne und für lokale Kommunen und Netzbetreiber aufgrund der niedrigen Strompreise lohnen und trotz allem grün sind. Die meisten Kommunen träumen von einer sauberen, aber wirtschaftlichen Energieversorgung. So kann man sowohl den politischen Druck der Bevölkerung als auch die Bedürfnisse der Industrie bedienen. Wir können helfen, diese Aspekte zu vereinigen.

 

Welchen Tipp haben Sie für Gründerinnen und Gründer in der Green Economy?

Niemals aufgeben. Gerade bei großen Projekten und jungen Gründerteams kommt es vor, dass einem viele Steine in den Weg gelegt werden. Die meisten CleanTech Gründer, die wir kennen lernen durften, sind nicht wegen des Geldes, sondern aus Überzeugung bei der Sache. Und gerade die ist es, die ein erfolgreiches Projekt nun einmal benötigt.

Außerdem ist es immer eine Überlegung wert, auch mal über den deutschen und eventuell sogar den europäischen Tellerrand heraus zu schauen. New York beispielsweise hat eine exzellent organisierte grüne Gründerszene, wo große Investitionsbeträge fließen und interessante Partnerschaften entstehen.

 


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