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Sieger Hydrogenious im Interview

© Rolf Schulten - Borderstep

Redaktion

Sie haben den StartGreen Award 2017 in der Kategorie „Start-up“ gewonnen, herzlichen Glückwunsch. Welche Bedeutung hat das für Sie?

Wir bei Hydrogenious freuen uns sehr über den StartGreen Award. Gerade als junges Start-up sind Preise wie der StartGreen Award enorm wichtig, da sie der Firma eine öffentliche Plattform bieten und junge Firmen bekannt machen. Zudem bieten sie eine hervorragende Möglichkeit zum Networken. Ich kann daher nur jedem Start-up empfehlen, sich ebenfalls zu bewerben.“

 

Für alle Eiligen: Worum genau geht es in Ihrem Projekt?

Um die Speicherung von Wasserstoff. Der Clou ist, dass wir große Mengen an Wasserstoff sehr effizient und sicher in einer Flüssigkeit speichern können – und das ganze bei Umgebungsdruck und –temperatur.

 

Wie kam Ihnen die Idee zu Ihrem Vorhaben?

Die Technologie wurde im Rahmen eines Forschungsprojektes an der Universität Erlangen entwickelt. Als dann mit dem Unglück von Fukushima klar wurde, dass die Welt signifikant mehr in sichere und nachhaltige Energietechnologien investieren muss, haben wir im Januar 2013 beschlossen, die Technologie durch Hydrogenious Technologies auszugründen.

 

Wer hat Sie dabei unterstützt?

Große Unterstützung haben wir insbesondere von der Universität Erlangen erhalten. Nicht nur, dass dort die grundlegend Forschung und Entwicklung erfolgte und nach wie vor erfolgt. Durch die Übertragung der Patente auf Hydrogenious wurde das Vorhaben auch für externe Investoren und Partner attraktiv und für uns umsetzbar. Die Zusammenarbeit mit der Universität, die im Gegenzug einen kleinen Gesellschaftsanteil an Hydrogenious erhalten hat, ist in unseren Augen ein sehr positives Beispiel für die Kommerzialisierung und wirkungsvolle Nutzung der Ergebnisse von universitärer Forschung.

 

Welche Geldquellen haben Sie gesucht? Wie konnten Sie Investoren überzeugen?

Die Entwicklung und Kommerzialisierung von Cleantech im industriellen Maßstab ist kapitalintensiver als z.B. die Entwicklung einer Software. Das hieß für uns, dass wir finanzstarke Investoren benötigen. Mit der britisch/südafrikanischen Firma Anglo Platinum konnten wir genau so einen Investor für uns gewinnen. Anglo Platinum ist der weltgrößte Förderer von Platinmetallen, die insbesondere in Brennstoffzellen und Elektrolyseuren, aber auch in unseren Anlagen eingesetzt werden. Ihr Investitionsprogram zur Förderung von Technologien, die diese Metalle einsetzen hat daher ideal zu uns gepasst.

 

Welche Herausforderungen sehen Sie an Ihrem Beispiel für grünes Gründen in Deutschland?

Früher waren die Sektoren Strom, Wärme, Mobilität und Industrie wie einzelne Silos voneinander getrennt. Heute verschwimmen diese Sektoren ineinander und anstelle von wenigen großen Produzenten sind in einigen Bereichen Eigenproduzenten getreten. Dies macht es nicht nur schwieriger seinen Endkunden und seinen Markt klar zu definieren, auch die Investoren und Regulatoren müssen umdenken und aufholen, was das Verständnis dieser neuen Struktur angeht.

Für Deutschland spezifisch kommt insbesondere hinzu, dass die Investitions-Tickets einzelner Investoren sehr viel kleiner sind als in anderen Regionen der Welt. Dies macht die Umsetzung von disruptiven Hardware-Entwicklungen in Deutschland – immerhin dem Ingenieursland schlechthin – sehr schwierig. Und auch unser Beispiel zeigt, dass wir auf einen ausländischen Investor zurückgreifen mussten, da deutsche Investoren nicht bereit waren die benötigten Summen zu investieren. Etwa mehr Risikofreude würde hier manchmal gut tun.

 

Was leistet Ihr Projekt für den Klimaschutz? Wie trägt es zum Wandel in der Gesellschaft bei?

Ein zentraler Punkt in den Zielen von COP 21 aber auch von der EU bis 2050 ist eine massive Dekarbonisierung der Strom-, Mobilitäts- und Industriesektoren. Um dies zu erreichen, wird Wasserstoff aus erneuerbaren Energien eine zentrale Rolle spielen müssen. Allerdings verhindern die heutigen Wasserstoffspeichertechnologien das Ausrollen von grünem Wasserstoff und der Wasserstoffmobilität, da sie teuer, ineffizient und nicht ungefährlich sind. Unsere Technologie der flüssigen Wasserstoffträger (Liquid Organic Hydrogen Carrier – LOHC) löst genau diese Probleme und ermöglicht die sichere und effiziente Lagerung und den Transport großer Mengen Wasserstoff in der heute bereits existierenden Infrastruktur für fossile Kraftstoffe. Somit lösen wir ein Kernproblem auf dem Weg zum Erreichen der Klimaschutzziele und unterstützen den Wandel hin zu einer nachhaltigen Gesellschaft.

 

Welches Geschäftsmodell steckt hinter Ihrem Vorhaben?

Wir sehen uns als Technologieunternehmen, d.h. unser Ziel und damit auch unser Geschäftsmodell ist die Kommerzialisierung unserer Infrastruktur-Technologie. Dies wird sowohl über den Verkauf der einzelnen Systeme als auch über das Bereitstellen von Infrastruktur gegen eine Nutzungsgebühr erfolgen.

 

Was ist dabei Ihr Alleinstellungsmerkmal?

Unser Alleinstellungsmerkmal ist unsere innovative Technologie, die wir weltweit geschützt haben. Unser disruptiver Ansatz der Wasserstoffspeicherung und unser kompletter Fokus auf die (Weiter-) Entwicklung unserer Systeme machen uns zum weltweiten Technologieführer im Bereich der Wasserstoffspeicherung.

 

Welchen Tipp haben Sie für Gründerinnen und Gründer in der Green Economy?

Sucht euch die richtigen Partner – man muss nicht jede Kleinigkeit alleine machen. Und wenn ihr wirklich von eurem Produkt überzeugt seid, dann lasst euch nicht von aufkommender Kritik oder Entgegenhaltungen entmutigen sondern geht euren Weg weiter.

 


1 Kommentar

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  • ro.borchers@t-online.de am 30. September 2018 12:32 Uhr

    Hervorragend, herzlichen Glückwunsch!!! Und jetzt Wasserstofffabriken nach Norddeutschland. Wir haben so viel Windstrom hier. Neue Stromtrassen nach Süddeutschland sind völlig überflüssig !

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