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Nachhaltig fairer Eisgenuss: healthy planet im Interview

Redaktion


DasEis: Nachhaltig fairer Eisgenuss

 

Wie kam Ihnen die Idee zu Ihrem Projekt?

Mein Freund und jetziger Businesspartner Guido Jörg hat eine jahrzehntelange „Eiskarriere" hinter sich: im Alter von 10 Jahren bekam er von seinen Eltern eine 1l-Carpigiani-Eismaschine geschenkt und hat diese konsequent durch alle WGs mitgeschleift. Mit seinem damaligen WG-Partner Karim Teufel – mein anderer Geschäftspartner – entstanden dann immer wieder herausragende Köstlichkeiten. Nach einer gemeinsam durchgefeierten Nacht stand der Entschluss: vielleicht mal mit dem Eisbus um den Baggersee fahren. Dann konnten wir unseren anderen Freund Kai Cornehl dafür gewinnen, als operativer Geschäftsführer den Obermufti in unserem Sandkasten zu geben. In dieser Konstellation sind wir seitdem aktiv – und „feiern“ nächstes Jahr unser 10jähriges Firmenjubiläum.

A propos: Den Eisbus hatten wir zwischendurch auch. Mittlerweile ist das ganze Thema etwas größer geworden und wir liefern mittlerweile europaweit, sogar bis in die Ukraine – was wir ganz klar als Teil Europas ansehen.

Schon lustig, was aus einer Party-Idee so werden kann

Das ist die ‚offizielle‘ Seite, gemeinhin auch Gründungsmythos genannt.

Dass es auch eine ganz andere Seite gibt, nämlich die der jahrelangen schmerzgrenzenerweiternden Selbstausbeutung, soll an dieser Stelle aber nicht verschwiegen werden. Muss nicht, war bei uns aber so. Wer dazu nicht bereits ist oder Freundschaften pflegt, die so etwas nicht aushalten, sollte sich – das ist zumindest meine Meinung – lieber auf eingetretenen Pfaden bewegen und anderen das Risiko überlassen. Ernsthaft.

 

Wer hat Sie dabei unterstützt?

Glaube, Liebe, Hoffnung – und die stirbt bekanntlich zuletzt. ;)

 

Welche Geldquellen haben Sie gesucht? Wie konnten Sie Investoren überzeugen?

Wir 4 Gründer kennen uns seit einer gefühlten Ewigkeit und habe durch gemeinsames Wohnen, Urlauben und erfolgreiche Firmengründungen vorher bereits viele Hausaufgaben des Miteinanders schon vor unserer Eis-Gründung erledigt.

Das half, ebenso wie selbstgeschriebene Datenbanken, Dipl-Ing.-Knowhow im Bereich Maschinenbau & Innenausbau (Eis-Labor) und professionelles Design/Marketing Marke Eigenbau. Der Geldbedarf war also geringer, weil wir bislang nahezu alles durch Eigenleistung abdecken konnten und so Wege kurz & aufzuwendende Mittel vergleichsweise gering waren. (Tipp!)

Es fühlt sich übrigens sehr gut an, Herr im eigenen Haus zu sein und sagen zu können: Bis hierhin haben wir es mit Bordmitteln alleine geschafft. Für die weitere Expansionsplanung sind wir bei interessanten Offerten natürlich gesprächsbereit.

 

Welche Herausforderungen sehen Sie an Ihrem Beispiel für grünes Gründen in Deutschland?

Grünes Gründen erfolgt m.E. im Gegensatz zu IT/webbasierten Konzepten nicht in einem Biotop mit vielen Gleichgesinnten – was Vorteile, aber auch Nachteile hat. Wir haben es genossen, in unserem Gebiet (FMCG / Konsumgüter) als Vorreiter betrachtet zu werden. Deshalb nennen wir unser Thema auch nicht Nachhaltigkeit, sondern Vorbildlichkeit. Das soll bitte nicht angeberisch klingen, sondern transportieren, dass es uns um weit mehr geht als das Erhalten: Wir wollen wahrhaft verändern.

Dass wir es irgendwie geschafft haben, merkte ich daran, als mich einer unserer größten Kunden aus dem Bereich Convenience fragte: "Herr Mayr, wollen Sie eigentlich Eis verkaufen oder die Welt verändern?“

Über diesen Satz denke ich bis heute nach, und er fühlt sich an wie ein Ritterschlag, weil ich die Frage mit einem sanften Lächeln beantworten konnte.

 

Was leistet Ihr Projekt für den Klimaschutz? Wie trägt es zum Wandel in der Gesellschaft bei?

Unser Produkt ist bio, vegan / laktosefrei, Fairtrade®, kompostierbar und klimaneutral verpackt.

Deshalb sind wir auch besonders stolz, nicht nur die ersten Eishersteller mit kompostierbaren Becher, Löffeln und Siegelfolien zu sein, sondern darüber hinaus aus als erste (& bislang leider einzige) Bioeismanufaktur durch Klimaneutralstellung unserer gesamten Produktion unseren Beitrag zu leisten für Ressourcenschutz in anderen Ländern, z.B. Gasaufbereitung in Indonesien und Waldschutz im brasilianischen Amazonas-Gebiet.

Das lohnt sich bei uns übrigens besonders, da die Eisherstellung mit sehr hohem Energieaufwand für unsere Projekte eine wirklich gewinnbringende Unternehmung darstellt. Man stelle sich mal vor, Konzerne wie Nestlé oder P&G würden umstellen, DAS wären Zahlen. Unser erklärtes Ziel ist, mit unserem Konzept so erfolgreich zu werden, dass diese Konzerne kundennachfragegetrieben umstellen MÜSSEN – dann kommt wirklich Bewegung in die Themen kompostierbare Verpackung, klimaneutrale Produktion und verantwortlicher Umgang mit den Ressourcen Erde, Tier und Mensch.

 

Welches Geschäftsmodell steckt hinter Ihrem Vorhaben?

Meta: Schlechtere durch bessere Produkte zu ersetzen. Ist erstmal ein Anspruchsdenken, das immer mit korrespondierender Aufklärungsarbeit verbunden ist. Wir sehen es so: mit dem Erfolg kommt irgendwann auch das Geld. Das ist wie der Misthaufen, der die Fliegen anzieht oder auch den Teufel, je nach Betrachtungsweise.

Im Ernst: wir machen erstmal ganz profane Dinge, die sich nach wenig Hirnschmalz anhören: Eis in Becher zu füllen & diese dann zu verkaufen. Das Detail macht den Unterschied … und unser Hobby heisst ‚Detail‘. ;)

Mittlerweile haben wir es ganz gut drauf, die richtigen Themen auf Produktebene vertriebskanalspezifisch umzusetzen und strategisch zu platzieren und sind so z.B. im Segment „sojafrei vegane Eis-Haushaltspackung @ Bio-Fachhandel" innerhalb von 2 Jahren in unserem Segment zur klaren Nummer eins geworden. Das ist viel Kärrnerarbeit … und ebensolche Detailversessenheit muss man mitbringen, um immer wieder neue akzeptable Reize im Markt setzen zu können.

Was hilft (und das auch wieder als Tipp):

• Authentizität: uns gibt es in echt, im Gegensatz zu Herrn Langnese. Wir halten gratis Vorträge, turnen auf jeder Messe rum, beantworten 100% der Consumermails emphatisch-persönlich und sind auch am Wochenende ansprechbar, wenn im Hochsommer mal ein Kühlhaus in die Knie geht. Ganz normaler Unternehmer-Irrsinn; egal ob Vollzinkschrauben (ausgedacht), Speiseeis oder Digitalien aller Art – das WIE macht wohl den Unterschied.

• Transparenz: da wir – im Gegensatz zu vielen unserer Mitbewerber – auch eine echte Produktion unterhalten, in der echte Menschen echte Dinge tun (z.B. Vanilleschoten von Hand auskratzen), statt nur andere Becher unter denselben Rüssel zu halten und unglaubwürdige Dinge zu behaupten, freuen wir uns über jeden Besuch der einschlägigen Pressevertreter – von ARD bis Zöliakie-foodblog, egal welche Größe.

Wir sind echt, wir sind glaubwürdig.

• Vorbildlichkeit … ist eine Herausforderung, weil an jeder Ecke die Entscheidung neu getroffen werden muss, ob es sich um eine Versuchung oder Chance handelt: sparen – für die Rendite, oder den Standortserhalt? Investieren … für die Story, oder das Betriebsklima? Schulungen … für sich selbst, oder den Praktikanten?

Hier müssen, wollen wir noch besser werden.

 

Was ist dabei Ihr Alleinstellungsmerkmal?

Wir sind m.E. die Einzigen, die die Attribute bio, vegan / laktosefrei, Fairtrade®, kompostierbar und klimaneutral in ein genießbares Produkt (ver)packen.

Das liest sich übrigens unaufwändiger, als der Prozess ist, all diese Attribute aufzugleisen: die Becher kommen aus Italien, die Siegelfolie, ebenfalls kompostierbar, aus Deutschland, die mittels Papp-Trennscheibe eingelegten Löffel aus Maisstärke aus der Schweiz – aber zusammengeführt hat die unterschiedlichen Komponenten unsers Wissens bislang noch niemand. Ist ja auch viel zu aufwändig und heikel ;)

Wir wollten beweisen, dass dies möglich ist, wenn man als Firma den Fokusregler leicht von "Rendite" in Richtung „Vorbildlichkeit" verschiebt. Dies geht übrigens auch deshalb, weil wir als einer der wenigen Eishersteller keinen Investor im Rücken haben, der den Kurs bestimmt und einem am Ende dazu bringt, Dinge zu tun, die man grundsätzlich ablehnt oder zu einem früheren Zeitpunkt ausgeschlossen hat.

Uns ist bewusst, dass es sich hierbei um eine sehr komfortable Situation handelt.

 

Welchen Tipp haben Sie für Gründerinnen und Gründer in der Green Economy?

Der Klassiker reloaded: „stay young, stay foolish … stay one team."

Wir haben viele kommen & gehen sehen … und sind sehr glücklich, dass wir nicht nur immer noch zusammen, sondern auch immer noch befreundet sind. Der business case ist ein Thema, das Team dahinter die m.E. entscheidende Komponente. Nach wie vor könnte ich mir in keinem Bereich einen geeigneteren Businesspartner vorstellen als die hervorragenden Kollegen, mit denen ich vor 10 Jahren aus einer Partylaune heraus beschlossen habe, das Unternehmen healthy planet GmbH zu gründen. Ein magischer Moment.

Also, ernst gemeint: Leute, geht mehr feiern!!

Lasst euch gehen, sauft ab, seid zielstrebig verwirrt und bindet euch an die, welche euch verstehen und kompromissbereit genau so nehmen, wie ihr im schlechtesten Zustand seid könntet – und fang an, zu geben. Denn ab dann beginnt eine einzigartige & sehr spannende Reise!

Ich habe mal sinngemäß den Spruch aufgeschnappt (sorry, keine Quelle mangels Verfügbarkeit): ‚Es ist wahrscheinlicher, einen neuen Lebens-Liebespartner zu finden als einen neuen Lebens-Geschäftspartner‘.

Erst hart, dann wahr, irgendwann beglückend – ohne Garantie für den unendlichen Status, aber eine gute Basis, falls sich mal die Lebensplanungen verschieben. (Hier kommen die Frauen in’s Spiel, aber das ist eine andere Geschichte …)

 

Warum wollen Sie den StartGreen Award 2015 gewinnen?

DasEis. ist Deuschlands vermutlich ambitioniertestes FMCG (fast moving consumer goods / Konsumgüter)-Projekt. So enthalten unsere Produkte die weltweit besten verfügbaren Zutaten … und davon so viele wie physikalisch möglich (76% Fruchtanteil vs. klassische Industrieware mit ca 25%) in einem Produkt – das ist die Kurzform. Industriedenke geht genau andersrum, also die billigsten Zutaten, und davon so viel wie notwendig. Lecker ist anders.

Dazu keine unaussprechlichen Zutaten, ein spannendes Sorten-Portfolio von ANANAS-PETERSILIE bis ZITRONE-QUITTE und ein ganzheitlicher Entwicklungsansatz, der Themen wie BIO, FAIRTRADE, VEGAN & KLIMANEUTRAL mit klassischen Genuss-Disziplinen wie HANDWERK, PREMIUM und INNOVATION zusammenführt, kurz:

Ein Eis, das eine Auszeichnung verdient.


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