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Haltung beim Eisgenuss

© Cordula Giese - Borderstep

Redaktion

healthy planet – das sind „vier Jungs aus Wiesbaden“, die mit ihrem Produkt DAS.EIS beweisen, dass vegan auch an der Eistheke ein Geschmackserlebnis sein kann. Das Unternehmen war Finalist des StartGreen Awards 2015 in der Kategorie junges Unternehmen. Seitdem haben die Gründer viele Preise eingeheimst. Was die Goldene Lilie mit der Leidenschaft eines Zehnjährigen zu tun hat, verraten sie im StartGreen Interview.

 

Biomarke des Jahres, German Brand Award, Branchenpreis Grünes Band – die Liste eurer Erfolge seit dem StartGreen Award ist lang. Was bringt die Teilnahme an verschiedenen Wettbewerben für healthy planet?

Wir sind ein kleines Team und stecken unsere Ressourcen lieber in gute Produkte, anstatt in teure Kampagnen. Wir haben so gut wie kein Marketingbudget. Wir sind überzeugt, dass sich ein Produkt erfolgreich verkaufen lässt, wenn man es mit relevanten Attributen und spezifische Eigenschaften ausstattet. Ob uns das gelingt, lassen wir gerne immer wieder von externen Profis evaluieren.

Insbesondere ethische Gesichtspunkte spielen dabei für uns eine wichtige Rolle. Deshalb sind für uns Auszeichnungen, wie der Fairtrade® Award, die Goldene Lilie oder – noch ‚geheim’ – die Auszeichnung durch die Ethik Society von besonderer Bedeutung. Schließlich haben wir das Thema Vorbildlichkeit ganz bewusst in der DNA des Unternehmens verankert und uns deshalb healthy planet GmbH genannt.

Wir merken im Moment, dass dieses Thema, die Werte und die Haltung, die dahinterstecken, gerade bei Firmenkantinen – Stichwort #waroftalents – den Unterschied machen.  Mit schnödem Industriefutter kann man keine High Potentials mehr für sich gewinnen.

 

Welche Mission verfolgt ihr? Auf welche Weise leistet ihr einen positiven Beitrag für die Umwelt?

Unser Eis, „Das Eis“, besteht ausschließlich aus biologischen Zutaten, welche größtenteils aus fairem Handel bezogen werden. Fast die Hälfte unserer Eissorten sind zudem vegan und wir produzieren klimaneutral.  Auch bei der Verpackung machen wir keine Kompromisse. Der Becher ist vegan und kompostierbar, versiegelt mit einer plastikfreien Folie. Der mitgelieferte Löffel im Deckel besteht aus essbarer Maisstärke.

 

Ihr seid jetzt schon einige Zeit in der Gründerszene aktiv. Gibt es bestimmte Herausforderungen speziell in eurer Branche?

Wir sehen die vielen Investitionen, die derzeit in der Branche getätigt werden, etwas kritisch. Vor allem glauben wir nicht, dass all das Geld, das derzeit in den renditeschwachen und in Bezug auf die Logistik schwierigen Tiefkühlbereich fließt, die Renditeerwartungen der Investoren erfüllen wird.

 

Eis wird von fast jedem gerne gegessen. Wie habt ihr damals eure ersten Kunden gefunden? Und wie hat sich in den letzten Jahren die Nachfrage nach eurem Produkt „Das Eis“ entwickelt?

Nachdem wir vorher erfolgreich in den Bereichen Produktentwicklung und Dienstleistung tätig waren, hatten wir alle ein starkes Bedürfnis nach Simplizität, nach „echten Dingen“ und „Authentizität“. Deshalb haben wir uns ganz bewusst für eine eigene Produktion entschieden. Nur so können wir auf Produkt- und Entwicklungsebene den Unterschied machen.
Erste Erfahrungen in der Eisproduktion sammelte mein Gründer-Kollege Guido schon im Alter von 10 Jahren mit seiner ersten eigenen Carpigiani-Maschine. Die gilt als Mercedes unter den Eismaschinen. Auch heute noch, wo wir pro Tag mehrere Tonnen Eis produzieren, wird dieses 1-Liter-Maschinchen bei uns in der Produktentwicklung eingesetzt und schnurrt fast wie am ersten Tag. Hut ab vor dieser Produktqualität!

Unsere ersten Aufträge realisierten wir im Bereich Gastronomie und Catering. Früher haben wir auch Restaurants konzeptioniert und gebaut, da lag das nahe. Oft ist es gut, den Markt zu kennen, in dem man initiativ tätig sein will. Manchmal ist es allerdings auch besser, überhaupt keine Ahnung von etwas zu haben, um ein Thema disruptiv denken zu können. Wahrscheinlich kommt es auch dabei, wie so oft im Leben, auf die richtige Mischung an. Das gilt auch für die Zusammensetzung des Teams. Ideal sind vielseitige Fähigkeiten, die sich im besten Fall entlang der Wertschöpfungskette eines Unternehmens ergänzen. Vier Bassisten ergeben selten eine erfolgreiche Band.

 

Welche Tipps habt ihr für die diesjährigen Bewerberinnen und Bewerber des StartGreen Awards?

„Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünscht für diese Welt.“ so sagte es Mahatma Ghandi. Das klingt banal, ist aber auf Unternehmensebene oft schwer umzusetzen. Ein Beispiel: Kann ein Kunde von seinem Lieblingsunternehmen guten Gewissens erwarten, dass es 16 Prozent mehr für kompostierbare Verpackung ausgibt?

Wir betrachten das immer von beiden Seiten: von der des Herstellers und der des „Anwalts unserer Welt“. Als nachhaltig operierendes Unternehmen muss man sowohl die Rendite als auch die Wertebilanz im Auge behalten – das ist oft schwierig, wird aber von den Kundinnen und Kunden zurecht erwartet.

 

Wie sieht eure langfristige Vision für Healthy Planet aus?

Wir werden uns weiterhin auf das konzentrieren, was wir aktuell am besten können: die Menschen mit wohlschmeckenden, ökokompatiblen und stilbildenden Eissorten wie THA PANCAKE, THE BROWNIE und THE BUTTERKEKS zu verwöhnen. Die Herausforderung besteht in der Erhöhung des Distributionsgrades jenseits der Zahlung von Listungsgebühren – das Thema haben aber alle jungen FMCG-Marken, also Start-ups, die Konsumgüter des alltäglichen Bedarfs entwickeln und vertreiben, die oft nachgekauft werden (müssen).

Wichtig ist es auch in allen Lagen die Ruhe zu bewahren. Auch wenn es mal nicht so gut läuft, weil zum Beispiel der Sommer verregnet und kalt ist wie im letzten Jahr. Dafür läuft es in diesem Jahr bislang umso besser. Wie sagte schon der antike Denker Heraklit? „Panta rhei – alles fliesst“!

 


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