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Grüne Start-up Gründerinnen – ein seltenes Phänomen?

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Redaktion


2013 gab es in Deutschland circa 1,4 Millionen selbständige Frauen, von denen jede Dritte eigene Angestellte beschäftigt. Zudem erfolgte jede dritte Vollzeitgründung durch eine Frau. „Der Anteil der Unternehmerinnen hat sich seit 2004 ständig erhöht. Laut KfW-Gründungsmonitor 2014 erfolgten erstmalig 43 % aller Gründungen durch Frauen. Damit sind die Gründungsaktivitäten von Frauen so hoch wie nie zuvor.“

Auch das Statistische Bundesamt bestätigt. Die Zahl der Selbständigen wächst, nicht zuletzt durch die wachsende unternehmerische Selbständigkeit von Frauen. Allein von 2003 bis 2013 ist die Selbständigenquote um 18 Prozent gestiegen. Dennoch gibt es nach wie vor weniger Frauen und die Selbständigenquote von Frauen ist mit 7,6 Prozent nur halb so hoch wie bei Männern.   

 

Wie sieht es bei den grünen Gründungen aus?

Eine auf Daten basierte Einschätzung ist derzeit schwierig, da es bislang keine konkreten Untersuchungen gibt. Nach Einschätzung von grünen Gründungsexperten sind grüne Gründerinnen in den technischen Bereichen genau wie in der IT selten. Zu dieser Einschätzung kommen auch die Betreiber des Climate-KIC Accelerators:

„Und in der grünen Gründerszene sind Frauen anscheinend noch weniger vertreten, denn bei den über 60 Start-ups im Bereich Cleantech, Energiewende und Klimaschutz, die wir bisher im Climate-KIC Accelerator gefördert haben, sind kaum Gründerinnen zu finden.“

Schaut man sich die Seite der Energiegründer an, kommt man zu einem ähnlichen Schluss. Grüne Gründerinnen? Fehlanzeige! Gleiches Bild zeigt sich, wenn man die zahlreichen Awards im Green Tech Bereich vergleicht. Hier dominieren eindeutig die Männer mit ihren Gründungen.   

Eine Erklärung dafür liegt auf der Hand. Gründungen erfolgen in den Bereichen, in denen die Gründer ihre berufliche Ausbildung und/oder Berufserfahrungen gesammelt haben. Da Frauen schon seit etlichen Jahren in den technischen Bereichen unterrepräsentiert sind, fehlt es auch an grünen Gründerinnen im Green Tech Bereich.

Will man hier die Quote erhöhen, muss man die Ursache dessen angehen. Erst wenn es mehr Frauen in den sogenannten MINT-Fächern (Mathematik, IT, Naturwissenschaften, Technik) gibt, wird es auch mehr grüne Gründerinnen in den Green Tech Bereichen geben.

 

Frauen gründen anders als Männer, auch im grünen Sektor!

Doch stimmt das Bild, das es so gut wie keine grünen Gründerinnen gibt wirklich?  Laut KfW-Research Report gründen Frauen besonders häufig im Dienstleistungssektor und hier im Bereich der persönlichen, wissensintensiven und wirtschaftlichen Dienstleistungen sowie im Handel. Sie gründen öfter als Soloselbständige oder im Nebenerwerb. Ein Grund dafür sind sicher zeitliche Restriktionen sowie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Zudem gründen Frauen eher kleine Firmen, die langsam, aber solide wachsen und damit krisenfester sind. Sie generieren ein geringeres Umsatzvolumen, welches im Schnitt bei eine Million Euro liegt und vorrangig der Branchenwahl geschuldet ist. Allerdings sind ihre Unternehmen nicht weniger innovativ als die ihrer männlichen Kollegen. Die häufigste Gründungsform ist das Einzelunternehmen, gefolgt von Vereinen und GbRs.

 

Was lässt sich daraus schlussfolgern?

Grüne Gründerinnen gibt es, aber man findet sie vorrangig im Bereich personalisierte, wissensorientierte Dienstleistungen, in den Bereichen Gesundheit, Mode, Wellness sowie im Handel.

 

Grüne Gründerinnen stehen im Schatten ihrer männlichen Gründungskollegen

Gründungen grüner Gründerinnen haben bislang weniger Aufmerksamkeit erweckt im Vergleich zu den repräsentativen Gründungen ihrer männlichen Kollegen im Hightech-Bereich. Doch auch sie leisten einen großen Beitrag zur Transformation der Wirtschaft in Richtung Nachhaltigkeit und im Kampf gegen den Klimawandel. Grüne Gründerinnen haben daher eindeutig mehr Aufmerksamkeit verdient als ihnen derzeit zuteil wird.

Die Aufgabe ist es daher grüne Gründerinnen stärker sichtbar zu machen und den Erfahrungsaustausch untereinander zu fördern. Einen kleinen Beitrag dazu wollen wir mit diesem Artikel leisten, in dem wir Ihnen drei Beispiele ausführlicher vostellen möchten:  

Unternehmensgruppe Qmilch

Eine Vorzeigegründung ist die von Anke Domeske. Sie gründete gleich mehrere Firmen im Bereich der weißen Biotechnologie, die zur Unternehmensgruppe Qmilch gehören. 2011 startete die studierte Dipl. Mikrobiologin und Modedesignerin mit dem Unternehmen Qmilch Deutschland GmbH. Dieses gründete sie zur Vermarktung einer chemisch unbehandelten Textilfaser. Die Faser wird aus dem Rohstoff Milch, genau genommen aus dem Milchprotein Kasein gewonnen. Sie ist unbelastet, kompostierbar und enthält alle guten Eigenschaften von Milch. Ihre Einsatzbereiche sind vielfältig. Sie lässt sich für Bekleidung, Heimtextilien, technische Applikationen, in der Medizintechnik und in der  Automobilindustrie verwenden. Dementsprechend groß sind Interesse und Nachfrage aus der Industrie.

Zur Herstellung der Faser wird ausschließlich Rohmilch verwendet, die andernfalls keine Verwendung mehr findet und entsorgt werden würde. Das sind allein in Deutschland zwei Millionen Liter pro Jahr. 2014 startete das Unternehmen die Produktion. Mit ihrer revolutionären zum Patent angemeldeten Idee hat die Gründerin viel Aufmerksamkeit erzielt und zahlreiche Preise gewonnen. Das Unternehmen wächst. Viele neue Anwendungen sind geplant.

 

Afilii – Plattform der guten Gestaltung für Kinder

Die Plattform afilii wurde von Katja Runge, gelernter TV-Journalistin und PR-Fachfrau für Design- und Kreativwirtschaft ins Leben gerufen. Auf dieser gibt es tolle, inspirierende und kindgerechte Produkte von jungen, zum Teil weniger bekannten Designern zu entdecken. Mit der Plattform erhalten internationale Gestalter und Manufakturen mehr Präsenz und können ihre Absatzchancen verbessern. Die Produkte werden aus ausgewählten Materialien nach ökologischen Kriterien hergestellt und/oder sind recycelbar. Die Gründerin und ihr Team gestalten zudem Spielzonen auf Veranstaltungen und bieten Hilfestellung bei der kindgerechten Einrichtung und Möblierung. Kunden sind sowohl Eltern als auch Gewerbetreibende, Kitas und andere Einrichtungen.

 

DexLeChem GmbH

DexLeChem ist aus dem Excellenzcluster UniCat (Unitying Concepts in Catalysis) hervorgegangen. Das Start-up entwickelt grüne Hightech-Dienstleistungen für die chemisch-pharmazeutische Industrie. Es schafft grüne Lösungen auf dem neuesten Stand der Technik. Kernstück von DexLeChem ist die Entwicklung hoch komplexer chemischer Wirkstoffe in Wasser und anderen nachhaltigen Lösungsmitteln. Ihre Feinchemikalien sind umweltfreundlich und deutlich kostengünstiger als andere chemisch erzeugte Katalysatoren. Ihre Prozessinnovation ermöglicht die Wiederverwendung chiraler homogener Katalysatoren ohne weitere chemische Modifikationen. Das interdisziplinäre Team besteht derzeit aus zwölf Mitarbeitern. Initiatorin, Geschäftsführerin und Mitgründerin ist Sonja Jost, die sich gezielt für grüne nachhaltige Gründungen einsetzt.

 

Unterstützungsangebote für weibliche Gründerinnen

Damit mehr Frauen den Schritt in die Selbständigkeit wagen, gibt es zahlreiche Unterstützungsangebote und Netzwerke. Zur Stärkung der Sichtbarkeit von Unternehmerinnen hat auch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie die Initiative "Frauen unternehmen" ins Leben gerufen. Ziel der Initiative ist, erfolgreiche Unternehmerinnen vorzustellen und damit mehr Frauen für das Thema Selbständigkeit zu begeistern. Die Initiative läuft unter der Schirmherrschaft des Bundesministers für Wirtschaft und Energie, Sigmar Gabriel.

"Deutschland kann nicht auf die Kreativität von Frauen verzichten. Um auf Dauer wettbewerbsfähig zu bleiben und wirtschaftliches Wachstum zu sichern, benötigen wir den frischen Wind und die guten Geschäftsideen von Unternehmerinnen, ihr Durchhaltevermögen und ihre Beharrlichkeit in schwierigen Situationen.", so der Minister.

Es geht um Vorbildfunktionen. Hier können Frauen noch eine Menge von den männlichen Kollegen lernen. Mit genau diesem Vorhaben beschäftigt sich auch die amerikanische Buchautorin Sheryl Sandberg. Sie gründete die Initiative LeanIn.org. Auch sie will Frauen darin bestärken, ihre beruflichen Erfolge für andere sichtbarer zu machen und verfolgt dieses Ziel auf internationaler Ebene.

 

Weitere Anlauf- und Kontaktstellen für Gründerinnen sind:


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