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Green City Solutions im Interview

© Green City Solutions

Redaktion

Green City Solutions - Stadtmöbel zur Luftreinhaltung

 

Wie kam Ihnen die Idee zu Ihrem Projekt?

Gegründet wurde Green City Solutions von unserem Kompetenzteam aus Architektur, Maschinenbau, Informatik und Gartenbau: Dénes Honus, Victor Splittgerber, Zhengliang Wu und Peter Sänger. Sie verband schon vor der Gründung des Biotech und IoT (Internet of Things) Start-ups eine lange Freundschaft, die nunmehr als 15 Jahre andauert.

Die Vision vom späteren CityTree entstand auf gemeinsamen Reisen in Asien und Südeuropa im Sommer. Während dieser Aufenthalte konnte man die Probleme verdreckter Luft und massiver Aufheizung in Metropolregionen am eigenen Leib spüren. Bemerkenswert war, dass es sich umso unerträglicher anfühlte, je weiter man sich von Grünflächen entfernte. So spürten wir im Vorbeigehen an begrünten Fassaden, so in Madrid und Paris, wie diese Abhilfe für derartige Hotspot-Situationen schaffen können.

 

Wer hat Sie dabei unterstützt?

Der CityTree entstand basierend auf Forschungen in Kooperation mit der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Dresden und der Technischen Universität Dresden. Unterstützt wurden und werden wir weiterhin unter anderem von der Initiative „Deutschland - Land der Ideen“, der Bundesanstalt für Straßenwesen, dem Leibniz Institut für Troposphärenforschung, der Stadt Reutlingen, PWC, der Gründungsschmiede Dresden, Climate-KIC EIT, Dresden|Exists, dem Infiniti Accelerator von NEST, dem Deutsche Bahn Accelerator in der DB mindbox, Cisco Systems im Rahmen der Innovation Grand Challenge, der Initiative "Kultur- und Kreativpiloten Deutschland", BITKOM, der Sächsischen AufbauBank, der Bürgschaftsbank Sachsen und von der Commerzbank. Außerdem erhielten wir im Rahmen des Ideenwettbewerbs "Urban Futures" eine Mitgliedschaft im Innovationsnetzwerk "Morgenstadt" der Fraunhofer-Gesellschaft.

 

Welche Geldquellen haben Sie gesucht? Wie konnten Sie Investoren überzeugen?

Green City Solutions wurde seit der Gründung im Jahr 2014 mit nahezu 825.000 Euro finanziert. Die Summe setzt sich zusammen aus verschiedenen Quellen wie Stipendien und Wettbewerbsgewinne (Climate- KIC, Cisco Innovation Grand Challenge, Open Data Incubator for Europe, Bundesrepublik Deutschland) sowie aus einer Bootstrapping-Phase der Gründer und einem Bankkredit. Darüber hinaus finanzieren wir uns seither aus unseren Verkäufen, Vermietungen, dem Reseller-Vertrieb, After-Sales-Services und Wettbewerbsgewinnen.

 

Was leistet Ihr Projekt für den Klimaschutz? Wie trägt es zum Wandel in der Gesellschaft bei?

Weltweit atmen 90 Prozent der in Städte lebenden Menschen täglich verschmutzte Luft ein. Als Konsequenz ist bereits heute jeder siebte Todesfall auf die Folgen von Luftverschmutzung zurückzuführen. Deren Hauptbestandteile sind Stickoxide, Ozon und Feinstaub, von dem bereits 10μg/m³ die Lebenserwartung um ein halbes Jahr reduziert. Zukünftig wird die zunehmende Urbanisierung dieses Problem weiter verschärfen.

Ein CityTree bindet den Feinstaub von bis zu 417 Pkw, verfügt somit über die Umweltleistung von 275 herkömmlich gepflanzten urbanen Bäumen – benötigt hierfür allerdings lediglich 5 Prozent der Kosten und 3m² Aufstellfläche. Jeder der freistehenden vertikalen Biofilter kann die lokale Luftverschmutzung in einem Umkreis von bis zu 50 Metern um bis zu 30 Prozent reduzieren. Innerhalb eines Tages kann der CityTree zu einer Feinstaub-Reduktion von bis zu 25 Prozent und zu einer NO2-Verminderung um bis zu 15 Prozent sowie einer direkten CO2-Aufnahme von bis zu 150kg/Jahr beitragen. Mittels Verdunstungskühlung kann die Umgebungstemperatur um bis zu 17°C gesenkt, örtlich auftretende Hitzeinseln („Hotspots“) vermindert werden. Mittels Regenwassernutzung schwächt die ökologisch-aktive Vertikalbegrünung Starkregenereignisse ab.

 

Welches Geschäftsmodell steckt hinter Ihrem Vorhaben?

Unser Geschäftsmodell basiert auf Direkt- und Resellervertrieb, Verkauf bzw. Vermietung bzw. Leasing. Außerdem fokussieren wir After-Sales-Services, z.B. saisonale Bepflanzungskonzepte, und stetige Einnahmen durch Wartungsverträge mit lokalen Subunternehmern.

Seit der Firmengründung im März 2014 konnten wir unsere smarten Biofilter in zahlreichen europäischen Städten präsentieren. Installationen befinden sich derzeit in Oslo (Norwegen), Paris (Frankreich) sowie in Städten in Sachsen, z.B. Dresden. Darüber hinaus wurde die erste Einheit in Asien bereits diesen Sommer in Hong Kong implementiert. Weitere CityTrees sollen bis Ende des Jahres sowohl in Deutschland, als auch in Europa und Asien folgen.

Dank der freistehenden mobilen Konstruktion war der intelligente Filter außerdem zu mehreren temporärem Installationen in München, Berlin, Hannover, Halle, Jena, Krefeld und Dresden im Einsatz.

 

Was ist dabei Ihr Alleinstellungsmerkmal?

Es existieren sowohl vertikale Begrünungen als auch Werbetafeln. Die Kombination beider Produkte ist jedoch schwierig und daher nur äußerst selten erfolgreich umgesetzt. Zudem sind solche Projekte nicht dafür ausgelegt, eine langfristige Umweltleistung zu erbringen. Unsere Patente für Neukonstruktionen, Design und Kultivierungsverfahren zeigen den Fortschritt gegenüber bestehenden Lösungen.

Mit unserem Produkt können Pflanzen zur Darstellung einer visuellen Botschaft eingesetzt werden. Dazu kommen eine vertikale, freistehende Anwendungsebene sowie die optimierten, positiven Funktionen der Pflanzen. Das im Zusammenspiel mit der Implementierung einer digitalen Zugriffsmöglichkeit ermöglicht völlig neue Nutzungsszenarien. Statt herkömmlicher Begrünungsmaßnahmen, die entweder einen hohen Wartungsaufwand, eine kurze Lebensdauer, oder einen großen Platzbedarf haben, können wir eine wartungsarme, langlebige, platzsparende Konstruktion anbieten.

Zusätzlich zu seinen Leistungen und Effekten bezüglich des Klimawandels beinhaltet der CityTree weiteres Potenzial im Hinblick auf den digitalen Wandel und die vernetzte Gesellschaft.

 

Welchen Tipp haben Sie für Gründerinnen und Gründer in der Green Economy?

Ein enorm relevanter Faktor eines jeden Startups ist das Team. Dessen Zusammenhalt und sein einheitliches Auftreten bilden eine wichtige Basis. Darüber hinaus benötigt man natürlich ein marktfähiges Produkt und einen Vertrieb, der Umsätze generiert. Ein sorgfältig zusammengestelltes Management Dashboard hilft bei der Bewältigung zahlreicher Aufgaben und Probleme.

 

Warum wollen Sie den StartGreen Award 2016 gewinnen?

Wir wollen den StartGreen Award 2016 gewinnen, um unserer Vision von lebenswerten und nachhaltigen Städten und einer grünen Klimainfrastruktur wieder ein Stück näher zu kommen. Der Sieg wäre sowohl Ehre als auch erneute Motivation, weiter an diesem Ziel zu arbeiten.

Der StartGreen Award würde helfen, weiteres Vertrauen in unser junges Unternehmen und unsere innovativen Produkte aufzubauen. Auszeichnungen wie diese fördern Aufmerksamkeit und Bekanntheit. Das eröffnet neue Möglichkeiten. Mit dieser Unterstützung wollen wir es schaffen, und im Jahr 2020 die erste Megacity flächendeckend mit unseren innovativen und intelligenten Pflanzenfiltern ausstatten.


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