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ETOGAS im Interview

Redaktion


ETOGAS: Umwandlung von Sonnenenergie in Gas

 

Wie kam Ihnen die Idee zu Ihrem Projekt?

Am Anfang stand die Idee, künstlich Treibstoff herzustellen. Auf der Suche nach dem besten Verfahren wurden die Gründer in Stuttgart fündig, wo das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) ein Verfahren entwickelt hatte, mit dem man Strom zu Gas umwandeln kann. Auf diese Weise kann man die strombasierten Treibstoffe - erneuerbaren Wasserstoff oder erneuerbares Erdgas - herstellen und löst gleichzeitig noch das Problem des Überschuss-Stroms, der im Stromsektor durch die Energiewende hin zu wetterabhängiger Stromerzeugung mit Hilfe von Wind und Sonne entsteht.

 

Wer hat Sie dabei unterstützt?

Unterstützt wurden wir vom Fraunhofer Institut IWES in Kassel, das sich mit dem Problem beschäftigte, wie man am besten den Überschuss-Strom nutzt, der durch die Energiewende anfällt. Ebenso half uns das ZSW, das das Verfahren schon seit Jahrzehnten optimiert. Finanziell unterstützt werden wir von unseren Gesellschaftern, die für die Kommerzialisierung der Idee Geld investierten. Außerdem erhalten wir Forschungsgelder der Bundesregierung. Eine breite Unterstützung erfahren wir kontinuierlich durch unser Team und viele Mitstreiter, die unsere Idee weitertragen.

 

Welche Geldquellen haben Sie gesucht? Wie konnten Sie Investoren überzeugen?

Da es sich um eine neue Idee, einen Paradigmenwechsel handelt, wie Energiesysteme gedacht werden, was es so auf der Welt noch nicht gibt, konnten wir uns nur über private Geldgeber finanzieren. Die Überzeugungsarbeit bestand darin, den möglichen Investoren das, was wir vorhaben und das, was die Idee als Lösungsmöglichkeiten bietet, zu erläutern. Der Rest erschloss sich intuitiv.

 

Welche Herausforderungen sehen Sie an Ihrem Beispiel für grünes Gründen in Deutschland?

Wenn man eingetretene Pfade verlässt, stellen sich generell Herausforderungen. Warum sollen wir auf einmal teuren Strom in billiges Gas wandeln, wenn wir das bisher immer anders herum gemacht haben? Aber Strom wird künftig nicht mehr teuer sein, wenn keine Nachfrage dafür besteht. Gas nicht mehr billig sein, wenn es nicht mehr als fossiler Energieträger oder Rohstoff aus der Erde ausgegraben werden soll, sondern künstlich hergestellt werden muss, damit das Klima nicht weiter belastet wird.

Die Industrie, die bisher auf herkömmliche Weise Geld verdiente, ignoriert einen zunächst, dann lachen sie über einen und dann bekämpfen sie einen. An Finanzierungen über Banken ist zunächst nicht zu denken, da diese Institutionen das Risiko, was allem Neuen inhärent ist, meiden. Das heißt dann nicht nur, dass man keinen Kredit bekommt, sondern dass man auch ersten Kunden für deren Anzahlungen keine Bankgarantien geben kann.

 

Was leistet Ihr Projekt für den Klimaschutz? Wie trägt es zum Wandel in der Gesellschaft bei?

Wir helfen dabei, zwei Kernprobleme der Energiewende zu lösen:

  1. Wir bauen Anlagen, die einen Nutzen für überschüssigen Strom schaffen, der bei wetterabhängiger Stromerzeugung anfällt.
  2. Die mit diesen Anlagen hergestellten Gase machen die Energiewende in den großen Energiesektoren Wärme und Mobilität möglich. Erneuerbares Erdgas und erneuerbarer Wasserstoff sind nach EU-Richtlinie vom Oktober 2014 die klimafreundlichsten Kraftstoffe, die die Belastung mit Treibhausgaben um mehr als 90% gegenüber bisherigen Treibstoffen (Benzin, Diesel) verringern.

Der Beitrag zum Wandel in der Gesellschaft betrifft beispielsweise die Energiewende in den beiden größeren Energiesektoren Wärme und Mobilität: strombasierte Gase ermöglichen im Fall von grünem Wasserstoff CO2-freie Wärmebereitstellung und Mobilität. Im Fall von erneuerbarem Erdgas wird CO2 vom Problemstoff zum Wertstoff. Die heute verwendeten fossilen Brenn- und Treibstoffe werden durch CO2-neutrale Pendants ersetzt, was auch den Vorteil hat, dass die bestehende Infrastruktur weiterverwendet werden kann.

Erdgas hat gegenüber Wasserstoff den Vorteil, dass es eine wesent­lich höhere Energiedichte aufweist und sehr viel leichter zu handhaben ist. Deshalb sprechen Zeit und Geld für die Erdgaswelt – zumindest mittelfristig bis eine Wasserstoffinfrastruktur aufgebaut worden ist. Power-to-Gas ist Komplementär der CO2-freien Stromerzeugung auf Basis von Wind und Sonne. Während wir in Deutschland im Stromsektor schon gute Fortschritte hin zu erneuerbaren Energien gemacht haben, herrscht bei Wärme und Mobilität Stillstand. Dadurch, dass man Kohlenwasserstoffe, die bisher in diesen Sektoren verwendet werden, künstlich erneuerbar herstellt statt sie aus der Erde auszugraben, verläuft der Wandel reibungslos.

 

Welches Geschäftsmodell steckt hinter Ihrem Vorhaben?

ETOGAS entwickelt und baut Anlagen, mit Hilfe derer Strom in Gas umgewandelt werden kann. Das Geschäftsmodell dahinter ist, Dienstleistungen am Strommarkt zu erbringen, um die durch die Energiewende verursachten Probleme zu lösen. Gleichzeitig bieten wir erneuerbare Gase am Markt an, mit Hilfe derer klimafreundlich Auto gefahren, aber auch Güter transportiert werden können, zum Beispiel per LKW, Schiff oder Flugzeug.

 

Was ist dabei Ihr Alleinstellungsmerkmal?

Wir waren die Ersten, die die Idee, aus Strom Gas herzustellen, auf ihre kommerziellen Möglichkeiten durchdacht haben. Wir haben angefangen, Anlagen zu bauen, um die Machbarkeit der Idee nachzuweisen. Wir haben uns Kernkomponenten solcher Anlagen herausgepickt, um sie in Eigenentwicklung für unsere Zwecke zu optimieren. Aber die Konkurrenz wächst, was auch ein Zeichen dafür ist, dass wir in keiner Sackgasse unterwegs sind.

 

Welchen Tipp haben Sie für Gründerinnen und Gründer in der Green Economy?

„Wenn eine Idee am Anfang nicht absurd klingt, dann gibt es keine Hoffnung für sie.“ (Albert Einstein 1879-1955)

Nicht zu lange nachdenken, sondern machen, machen, machen. Die Green Economy ist ein Feld, in dem Deutschland seine Spitzenposition in der Weltwirtschaft industriepolitisch langfristig absichern kann.

 

Warum wollen Sie den StartGreen Award 2015 gewinnen?

Weil ETOGAS mit Überzeugung, Pioniergeist und einem hochmotivierten Team an der Realisierung der Power-to-Gas Idee arbeitet – trotz der langsam mahlenden Politik-Mühlen.

Weil ETOGAS dazu beiträgt, das Energiesystem „grün“ zu denken und zu gestalten.

Weil die ETOGAS Idee einfach gut ist.

Kurz: Weil wir von unserer Idee überzeugt sind und gerne weitere Überzeugungstäter gewinnen wollen.


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