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ESG, Impact, SFDR

© ImpactNexus/Alexander Schabel

Redaktion

Anfang 2021 wurde ImpactNexus als Spin-off des Borderstep Instituts für Innovation und Nachhaltigkeit in Berlin gegründet. Das Unternehmen richtet sich mit seinen Software-Produkten vorwiegend an Investorinnen und Investoren, welche die Nachhaltigkeit ihres Portfolios managen wollen. StartGreen sprach mit dem Mitgründer und Geschäftsführer Dr. Jannic Horne über aktuelle Entwicklungen im Bereich der Nachhaltigkeits-Regulatorik. Er weiß, warum die Messung von Nachhaltigkeit von Start-ups derzeit immer relevanter wird.

 

ESG und Impact: Wo liegt der Unterschied und warum werden diese Themen auch für Start-ups immer wichtiger?

Während bei ESG (Environment, Social, Governance) das Thema Risikominimierung im Vordergrund steht, geht es bei Impact-Investitionen eher um eine langfristige Perspektive der eigenen Wirkung. Impact-Investing zielt dabei darauf ab, mit den getätigten Investitionen eine erhebliche positive soziale oder ökologische Veränderung zu erzielen. ESG-Kriterien werden heute angewendet, um nichtfinanziellen Risiken zu suchen, die einen wesentlichen Einfluss auf den Wert eines Vermögenswerts haben können.

Heute gibt es gute Gründe sowohl für große Unternehmen als auch kleine Unternehmen wie Start-ups oder KMUs sich mit dem Thema ESG und Impact zu beschäftigen. Investoren betrachten ESG als einen wesentlichen Risikofaktor bei der Prüfung von neuen Investments. Start-ups, welche im Bereich ESG stark aufgestellt sind, gelten als sicherere Unternehmen, da sie beispielsweise ein geringeres Risiko zivilrechtlicher Streitigkeiten oder staatlicher Geldbußen haben. Hinzu kommt, dass immer mehr Investoren gezielt eine positive Wirkung erreichen wollen. Insbesondere mit Blick auf den Klimawandel steigt die Zahl Impact-Investments stark an. Climate-Tech z.B. ist die am schnellsten wachsende Startup-Branche in Europa, mit einem 10-fachen Wachstum in vier Jahren. Im Vergleich zu 2017 wurden in diesem Sektor 1,1 Mrd. USD investiert, im Jahr 2021 waren es 11 Mrd. USD. Bei dem besseren Zugang zu Kapital hören die Vorteile allerdings nicht auf: So wird das Thema sowohl auf der Seite der Kunden als auch im Bereich der Rekrutierung von qualifiziertem Personal zunehmend wichtiger und kann einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil darstellen.

Wie sieht es auf der Seite der Kapitalgeber aus? Was motiviert sie in diesen Themen aktiv zu werden?

Privates Kapital spielt eine zentrale Rolle, um den Wandel zu einer nachhaltigen Zukunft zu gestalten. Dies hat auch der Gesetzgeber erkannt, weshalb sich das regulatorische Umfeld auf EU-Ebene für die Finanzbranche aktuell in einer fundamentalen Veränderung befindet. Besonders wichtig ist hier EU-Offenlegungsverordnung (engl. kurz: SFDR). Die im März 2021 in Kraft getretene Verordnung verpflichtet Finanzmarktteilnehmer und -berater, ESG-Kriterien innerhalb des gesamten Prozesses von Offenlegungspflichten auf Unternehmens- und Produktebene, über die Beratung von Kunden, bis hin zu Investitionsentscheidungen und dem Risikomanagement mit einzubeziehen. Ab dem 1. Januar 2023 wird auch die entsprechende Berichtspflicht angewandt. Durch die Regulierung werden also auch Venture-Capital-Akteure dazu verpflichtet, jegliche Entscheidungsprozesse bezüglich der Produkt- und Firmenebene unter dem Gesichtspunkt Nachhaltigkeit zu untermauern.

In welcher Weise wird ImpactNexus hier aktiv?

Wir unterstützen Investoren wie VCs oder Private Equity Unternahmen sowie deren Portfoliounternehmen dabei, die Komplexität dieser Entwicklungen zu reduzieren und auf einfache Art und Weise nachhaltige Entscheidungen treffen zu können. Für Portfoliomanager bedeutet dies, dass sie im Handumdrehen Erkenntnisse zu den ESG-Risiken ihrer Investments erhalten. Einfache Funktionen zum Reporting helfen ihnen genauso wie die Möglichkeit, wichtige Metriken zur Nachhaltigkeits-Performance über das gesamte Portfolio hinweg zu verfolgen. Somit sind viele wichtige Schritte vollbracht, um den Anforderungen der verschiedenen neuen regulatorischen Anforderungen gerecht zu werden.

Was hebt ImpactNexus ab, von anderen Softwareanbietern?

Das besondere an unserer Lösung ist, dass wir uns nicht nur an die Investoren richten, sondern die Portfoliounternehmen mit unserer Software an die Hand nehmen und ihnen helfen. Unser Ansatz macht es sowohl für die Unternehmen als auch für deren Unterstützer einfach. Darüber hinaus bauen wir über KI-Verfahren eine einzigartige Impact-Datenbank auf, in der die sozialen und ökologischen Wirkungen zu unzähligen Produkten und Dienstleistungen hinterlegt sind. Damit können wir zunehmend automatisiert die Wirkung von Unternehmen bewerten. Bis Ende 2022 werden wir eine erste automatisierte Bewertung für Klimawirkungen fertigstellen. Sukzessive ergänzen wir dann weitere wichtige Themen der Nachhaltigkeit. Neben den Bewertungen liefern unsere Tools zudem auch konkrete Verbesserungsvorschläge zu nachhaltigeren Maßnahmen, Materialien oder Prozessen.

“Impact“ ist Teil eures Namens: Wie verbinden sich die genannten Themen mit den Konzepten von Wirkungsmessung- und Management?

Wie auch wichtige internationale Akteure verstehen wir das Thema Impact letztlich als die übergeordnete Aufgabe. Die genaue Messung und das Management von Wirkung auf Basis des Geschäftsmodells erfordert jedoch eine sehr tiefe Auseinandersetzung mit den eigenen Prozessen für ein Unternehmen. Dies ist viel Aufwand. Dazu findet die Messung von Wirkung sehr oft im Nachhinein statt – oftmals ist dann schon erheblicher Schaden an Menschen und an der Umwelt entstanden. Unsere Lösung ermöglicht das frühe Eingreifen in diesen Prozess und modelliert etwaige Wirkungen. Damit erleichtern wir Wirkungsmanagement erheblich. Eine Messung ist dann im Nachhinein immer noch notwendig. Es braucht unserer Ansicht nach aber beides, gute Prognosen und dann die tatsächliche Empirie.

Gibt es konkrete Tipps, was Investoren und Start-ups tun können, um sich dem Thema unkompliziert zu widmen?

Investoren sollten sich frühzeitig die Frage stellen, ob sie Nachhaltigkeit in ihrem Portfolio primär als Risikofaktor adressieren wollen oder tatsächlich die Wirkung des gesamten Portfolios analysieren möchten. Entsprechend der Zielsetzung sollte man sich darauf konzentrieren, die passenden Ziele und Metriken für jedes Unternehmen zu bewerten. Hierbei ist es ratsam, sich auf die besonders wichtigen Metriken zu fokussieren. Also solche, die eine vermeintlich hohe Nachhaltigkeitswirkung haben. Für ein produzierendes Unternehmen kann dies z.B. die jährliche Emission von Treibhausgasäquivalenten sein. Für ein digitales Start-up könnte der Fokus aber biespielsweise auf Metriken aus dem Bereich Diversität liegen.

Bei ImpactNexus arbeiten wir daran, sämtliche relevante Prozesse sukzessive weiter zu automatisieren und mit intelligenten Empfehlungen zu Verbesserungspotentialen zu erweitern. Hierzu arbeiten wir derzeit in Projekten mit DATEV sowie einem Forschungsvorhaben im Rahmen der nationalen Klimaschutzinitiative. Wer mehr hierzu erfahren möchte, kann sich auf www.impactnexus.io informieren und unkompliziert einen Termin für ein Demo vereinbaren.


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Die Inhalte des Bereichs Tools wurde unter Zusammenarbeit der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg (apl. Professur für Innovationsmanagement und Nachhaltigkeit und An-Institut Sirius Minds) und dem Borderstep Institut für Innovation und Nachhaltigkeit erstellt.

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