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Unter Strom: Elektromobilität als Chance für grüne Start-ups

Bildquelle: Opel Elektro-Experimentalfahrzeug von astrablog unter CC BY-NC-ND 2.0

Redaktion


In Deutschland sind Elektrofahrzeuge immer noch ein Nischenprodukt. In Norwegen fährt selbst Prinz Haakon ein E-Auto, in Israel boomt der Markt, auch dank kreativer Innovationen von Start-ups.

Welche Chancen bietet die Elektromobilität für junge Unternehmen in Deutschland? Und welche Innovationen braucht die Branche, um der Mobilität mit Strom hierzulande zum Durchbruch zu verhelfen?

 

Anreizsysteme für E-Mobilität: Das nordische Modell

In Deutschland sind Elektroautos ein Nischenprodukt, in Norwegen gehören sie zum Stadtbild. Kronprinz Haakon fuhr als einer der ersten mit einem elektrisch angetriebenen Automobil.

Nach einer Umfrage des norwegischen Elektroautoverbands war jedoch nur für 27 Prozent der befragten Elektroauto-Besitzer der Umweltgedanke ausschlaggebend, 48 Prozent nannten finanzielle Anreize als Hauptmotiv. Ein Elektroauto in Norwegen ist ein echtes Steuerschnäppchen: Käufer sparen neben der Mehrwertsteuer von 25 Prozent auch die Sondersteuer, die auf Autos eigentlich erhoben wird sowie die City-Maut in Oslo.

Obendrein können E-Auto-Besitzer kostenlos Strom zapfen und erhalten freie Fahrt auf den Busspuren. Die Rechnung geht für die Regierung auf. Inzwischen kurven rund 32.000 Elektroautos über Norwegens Straßen, und das bei nur 5,1 Millionen Einwohnern. In Deutschland sind aktuell gerade einmal 12.000 Elektroautos zugelassen.

 

Junge Städter als „Einfallstor für E-Mobilität“

Steuergeschenke nach norwegischem Vorbild sind in Deutschland in naher Zukunft für E-Autokäufer nicht zu erwarten. Doch wie kann der Elektromobilität auch hierzulande auf die Sprünge geholfen werden?

„Es ist vor allem eine Zielgruppenfrage“, findet Christian Hoffmann, Umweltpsychologe bei InnoZ. Junge, gut ausgebildete Großstädter sieht er als „Einfallstor für E-Mobilität“: „Sie brauchen für die eigene Fortbewegung nicht zwingend Besitz, sondern für jeden Bedarf die passende Mobilitätsoption.“ Diese Option zu generieren, sei ein fruchtbares Feld für junge Unternehmen auf der Suche nach einer Geschäftsidee, findet er. „Wenn viele E-Mobilität als bequeme Alternative erleben und dabei noch die Wahl zwischen Fahrzeugtypen haben, beschleunigt sich das Umdenken in der Gesellschaft.“

Als praktikablen Weg sieht Christian Hoffmann deshalb, Elektromobilität im Carsharing zu verbreiten. „Dabei sind innovative Konzepte gefragt wie zum Beispiel die Möglichkeit, Kindersitze an Leihstationen zu hinterlegen.“ Noch interessanter für Start-ups schätzt Hoffmann den Bereich Kleinfahrzeuge ein.

„Ich sehe hier eine Lücke in der urbanen Mobilität. Zwei-, Drei- oder auch neue Vierradfahrzeuge könnten die Bedürfnisse von Großstadtbewohnern je nach Situation weit besser abdecken, als die klassische Familienkutsche, die täglich Kapital verbrennt und dabei nicht einmal bewegt wird.“ Seine Vision ist ein Gründerpool, in dem Experten verschiedener Fachgebiete gemeinsam an Innovationen für eine neue Mobilität arbeiten.

 

Israels Start-ups als Vordenker alternativer Mobilität

Innovationen für eine neue Mobilität stehen auch in Israels Fuel Choices Initiative im Mittelpunkt. Das auf zehn Jahre angelegte Projekt auf Regierungsebene schreibt jedes Jahr den Eric und Sheila Samson Prime Minister’s Prize aus für innovative alternative Antriebskonzepte im Transportwesen. Preisgeld: 1 Millionen US-Dollar.

Langfristiges Ziel der Initiative ist die Reduzierung des Rohölverbrauchs in Israels Transportwesen um 30 Prozent bis 2020 und um 60% bis 2025. Gleichzeitig soll „grünes Wachstums“ gefördert werden. Die „Start-up Nation“ setzt dabei auf junge Unternehmen. Sie sollen Israel in ein Zentrum für alternative Antriebstechnologien verwandeln und ihre Geschäftsideen zügig in die Welt exportieren.

Der Botschafter des Staates Israels in Deutschland, Yakov Hadas-Handelsman, wünscht sich dabei auch eine engere Zusammenarbeit mit Deutschland, in beiderseitigem Interesse. "Deutschland und Israel vertiefen ihre Wirtschaftsbeziehungen, indem sie als Industrienationen gemeinsam technische Lösungen entwickeln und in den Bereichen alternative Energien, innovative Mobilitätsangebote sowie IKT-Lösungen enger zusammenarbeiten."

 

Die Liebe der Israelis für elektrische Fahrräder und Roller erweist sich als Triebfeder für zahlreiche Innovationen auf dem Gebiet der E-Mobilität. So hat der bekannte israelische Designer Nimrod Sapir für MyWay einen faltbaren elektrischen City-Roller entworfen, der ohne Aufwand im Rucksack verstaut werden kann. Nach eigenen Angaben verbraucht er nur ein Tausendstel der Energie eines herkömmlichen Fahrzeugs. Das leidige Problem der langen Ladezeit von Batterien und der vergleichsweise kurzen Reichweiten vor allem bei Leichtfahrzeugen löst das Unternehmen Switchy mit Batteriewechselstationen. Hier können Nutzer von Fahrzeugen wie Scootern schnell und unkompliziert ihre Batterien gegen neue austauschen (mehr erfahren). In Israel nehmen vor allem Kurierdienste diese Dienstleistungen gerne in Anspruch.

 

Innovative Lösungen machen Elektromobilität wirtschaftlich attraktiv

Auch deutsche Start-ups befassen sich mit der Ladeinfrastruktur. Das Start-up ubitricity hat sich auf die Entwicklung von intelligenten Lösungen für das Laden von Elektroautos spezialisiert. Angebote wie ein flächendeckendes Netz von Ladestationen oder die Abbuchung der „Tankrechnung“ über das eigene Mobiltelefon sollen Elektromobilität zur günstigen und zugleich bequemen Alternative machen.

Das Start-up e-Motion Line  setzt darauf, Elektromobilität wirtschaftlich attraktiver zu machen. Das Unternehmen entwickelt ganzheitliche Serviceleistungspakete für den Betrieb von Elektrofahrzeugen. Zudem hat es mit e-city cab  den ersten rein elektrisch betriebenen Taxidienst in Deutschland ins Leben gerufen.

 

Strom – die saubere Alternative?

Doch nur wenn der Strom im „Tank“ aus Wind-, Wasser-, Solar- oder Erdgaskraft gewonnen wird, trägt der Elektroantrieb auch zur Verringerung der Luftverschmutzung bei.

Forscher der University of Minnesota analysierten jetzt mittels Computersimulationen die Gesundheitskosten, die mit Elektromobilität verbunden sind (Publikation). Für die USA ermittelten sie für das Jahr 2020 etwa 80 Prozent höhere Ausgaben im Gesundheitssektor im Vergleich zu Benzinmotoren, wenn der Strom für die Elektrofahrzeuge aus Kohlekraftwerken stammt.

Das Bestreben für eine Transformation hin zu einer Green Economy erweist sich also unter dem Strich als eine Kostenfrage, nicht als vielleicht verzichtbarer Öko-Lifstyle.

Gute Aussichten für grüne Start-ups mit Ideen.


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