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einhorn im Interview

Redaktion


einhorn: Nachhaltig produzierte Kondome für die Generation Y

 

Wie kam Ihnen die Idee zu Ihrem Projekt?

Die Idee kam Philip, einer der Gründer, beim Kondomkauf in einer Drogerie. Die Kondome standen neben Binden, Klopapier und Deos. Der Kauf war unangenehm und machte keine Vorfreude, vor allem keine Vorfreude auf Sex. Stattdessen versucht man den Kauf zu verheimlichen und zum Beispiel unter anderen Einkäufen zu verstecken. 

Da entstand die erste Idee: Kondompackungen, die nicht unangenehm beim Kauf sind und gleichzeitig Vorfreude machen. Der Fokus soll auf dem Design liegen.

Gleichzeitig hatten Philip und Waldemar schon seit längerem die Idee, ein faires und nachhaltiges Unternehmen aufzubauen. Sie wollen die Kraft des Unternehmertums nutzen, um die globalen Herausforderungen anzugehen und damit beweisen, dass ein Produkt hohen Designansprüche genügen kann, gleichzeitig profitabel fair und nachhaltig sein kann. Die Kombination aus diesen Aspekten ist jetzt einhorn.

 

Wer hat Sie dabei unterstützt?

Natürlich hat uns unser Netzwerk sehr unterstützt. Wir hatten viel Kontakt mit anderen Social Businesses. Wir als Gründer sind beide gut vernetzt in der Start-Up Branche. Der wertvollste Kontakt und gleichzeitig Partner ist sicher Klaus Richter. Klaus ist einer der großen Kondomhersteller weltweit. Er fertigt jährlich etwa 500 Millionen Kondome und jetzt auch einhorn Kondome. Er steht uns seitdem mit Rat und Tat zur Seite. Er kennt alle Bestimmungen und weiß, wie man sichere Kondome herstellt. Gleichzeitig glaubt er genau wie wir daran, dass eine nachhaltige Wirtschaft unabdingbar für die Zukunft unserer Gesellschaft ist. Er ist bereit seine Prozesse nach Fairstainability-Kriterien für uns umzustellen.

Früh konnten wir auch den Kontakt zu den anderen Partnern in der Wertschöpfungskette, zum Malaysian Rubber Board sowie der Lokalregierung in Malaysia herstellen. Gleichzeitig konnten wir früh Kontakte zu der Wissenschaft bezüglich nachhaltigem Kautschukanbau aufbauen. Dieses Netzwerk hilft uns noch immer, die Nachhaltigkeitsherausforderungen im Kautschuksektor zu definieren und dann auch anzugehen.

 

Welche Geldquellen haben Sie gesucht? Wie konnten Sie Investoren überzeugen?

In der Anfangsphase haben wir uns via Crowdfunding über Start-Next (www.startnext.com/einhorn) finanziert. Innerhalb von drei Monaten haben wir über 104.000€ einsammeln können. Der größte Anteil machte dabei der Vorabverkauf der Kondome aus. Einige Business-Angels investierten zudem noch kleinere Beträge. Mit den Investitionen, Erlösen aus der Crowdfunding-Kampagne und den bisherigen Umsätzen finanzieren wir das laufende Geschäft. Jetzt steht die Investorensuche an.

 

Welche Herausforderungen sehen Sie an Ihrem Beispiel für grünes Gründen in Deutschland?

Anfänglich muss man natürlich mehr Zeit und Ressourcen investieren. Allein die Recherche, was Nachhaltigkeit in seiner Gründungsidee bedeutet, sowie die Suche nach geeigneten Partnern nimmt viel Zeit in Anspruch. Wir sind zum Beispiel noch vor der ersten Produktion nach Malaysia gereist, um die Produktion und die Partner vor Ort kennenzulernen. Aber gerade Zeit und Geld sind natürlich Ressourcen, die bei Gründern relativ eng bemessen sind.

 

Was leistet Ihr Projekt für den Klimaschutz? Wie trägt es zum Wandel in der Gesellschaft bei?

Wir planen einen ganzheitlichen ökologischen Ansatz: von der Kautschukplantage über die Kautschuk verarbeitende Industrie bis zu den Transportwegen.

Im Gegensatz zu vielen anderen Rohstoffen (z.B. Palmöl oder Baumwolle) hat Kautschuk und seine Auswirkungen auf Natur und Menschen in den Anbauländern bisher wenig Aufmerksamkeit genossen. einhorn will das ändern und in Zusammenarbeit mit der Wissenschaft Kriterien für nachhaltigen Kautschukanbau definieren. Wir wollen der Plantage in unserer Wertschöpfungskette auch dabei helfen diese Kriterien umzusetzen.

Die Anbauregionen von Kautschuk sind oft von Monokulturen geprägt. Wir wollen durch die Pflanzung von Biodiversitätsinseln auf der Plantage und an den Wasserläufen aber auch durch Trainings von Plantagenbesitzern zu nachhaltigen Anbaumethoden die Biodiversität vor Ort erhöhen (ohne schädlichen Pestizid- und Düngereinsatz).

In der Latexaufbereitung und der Kondomproduktion soll möglichst ressourcenschonend (vor allem verringerter Wasser – und Energieverbrauch) produziert werden. Auch der Transport soll soweit möglich klimafreundlich sein und, wenn das nicht möglich ist, kompensiert werden.

Transparenz ist bei unserem Ansatz Grundvoraussetzung. Auf unserer Homepage (v.a. Blog) wollen wir transparent aufzeigen, wo wir bezüglich unserer Fairstainability-Ziele stehen und welchen Herausforderungen wir dabei begegnen. Wir wollen dazu beitragen, dass Konsumenten hinterfragen, wo die Produkte herkommen und welche Auswirkung das Produkt und somit ihre Kaufentscheidung auf Umwelt und Menschen (auch in anderen Teilen der Welt) hat. Durch unseren transparenten Ansatz wollen wir andere Unternehmen außerdem dazu ermutigen, unserem Beispiel zu folgen und aus unseren Erfahrungen zu lernen. Wir glauben unser ganzheitlicher Fairstainability Ansatz ist der richtige Weg, um Nachhaltigkeit, Fairness und Wirtschaftlichkeit zu vereinen und somit eine nachhaltige Wirtschaft mit zu gestalten.

Die Gründer von einhorn haben zudem den “Entrepreneur’s Pledge” ins Leben gerufen. Die Unterzeichner des „Entrepreneur’s Pledge“ - alles erfolgreiche Gründer - verpflichten sich, ein Sozialunternehmen zu gründen, bei dem 50 Prozent der Gewinne in den sozialen oder ökologischen Sektor reinvestiert wird. Mit einhorn machen die beiden Gründer den Start.   

 

Welches Geschäftsmodell steckt hinter Ihrem Vorhaben?

Unser Geschäftsmodell basiert auf einem Multi-Channel Vertrieb mit starkem Markenkern und Fokus auf Generation Y.

 

Was ist dabei Ihr Alleinstellungsmerkmal?

Unser Ziel ist es, Kondomen ein neues Image zu verleihen. Im Fokus ist hier ganz klar das Design. Die Kondome sind in (Papier-) Chipstüten verpackt, die von jungen und namhaften Künstlern designt wurden. Wir wollen das Design mit unserem ganzheitlichen Fairstainability-Ansatz kombinieren. Das Produkt soll Spaß machen und nachhaltig sein. Die Kondome haben außerdem eine Glockenform für mehr Gefühl beim Sex.

 

Welchen Tipp haben Sie für Gründerinnen und Gründer in der Green Economy?

Wenn man einen ganzheitlichen Fairstainability Ansatz wie wir wählt, kann man nicht schon zu Beginn Nachhaltigkeitsprinzipien in allen Bereichen umgesetzt haben. Wichtig ist es hier, zu starten und dann kontinuierlich daran zu arbeiten, dass die Prozesse nachhaltiger werden. Habt keine Angst, sondern fangt irgendwo an. Wichtig ist es auch die unterschiedlichen Stakeholder des Nachhaltigkeitsbereichs einzubeziehen. Oft wissen wir auch nicht, was die nachhaltigste Lösung wäre. Hier sind wir offen für Kritik. Oft helfen uns auch unser Netzwerk und natürlich die Partnerschaften (in der Wertschöpfungskette und mit der Wissenschaft). Von diesen Partnerschaften lernen wir sehr viel. 

 

Warum wollen Sie den StartGreen Award 2015 gewinnen?

Wir sollten den StartGreen Award gewinnen, weil wir hohe Ziele im Bereich Nachhaltigkeit und Umwelt haben. Mit einhorn werden wir auf der Kautschukplantage die Biodiversität erhöhen, den Ressourcenverbrauch in der Kondomproduktion verringern und kontinuierlich daran arbeiten, dass wir der Umwelt mehr zurück geben, als von ihr zu nehmen. Hoffentlich bringen wir auch mehr Menschen dazu, Kondome zu nutzen. Sicherer Sex und dabei Gutes tun, was kann es schöneres geben?


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Die Inhalte des Bereichs Tools wurde unter Zusammenarbeit der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg (apl. Professur für Innovationsmanagement und Nachhaltigkeit und An-Institut Sirius Minds) und dem Borderstep Institut für Innovation und Nachhaltigkeit erstellt.

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