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Die Alanus Hochschule im Interview

© Rolf Schulten

Redaktion

 

Alanus Hochschule: Entrepreneurship-Track für Studierende mit nachhaltiger Gründungsidee

 

Wie kam Ihnen die Idee zu Ihrem Projekt?

Studierende, die sich für Nachhaltigkeit begeistern, entscheiden sich oftmals nicht für ein BWL-Studium. Dabei haben viele dieser Studierenden gute Ideen, wie Nachhaltigkeit praktisch umgesetzt werden kann. Durch Berührungsängste gegenüber dem Fach BWL gehen daher viele Erfolg versprechende, nachhaltigkeitsorientierte Gründungsideen verloren oder können nicht entstehen, weil Studierende nicht mit der Möglichkeit einer Unternehmensgründung konfrontiert werden.

Der Studiengang „BWL-Wirtschaft neu denken“ an der Alanus Hochschule richtet sich genau an solche nachhaltigkeitsorientierten Studieninteressierten, die an anderen Hochschulen nicht BWL studieren würden. Um zu unterstützen, dass die Nachhaltigkeitsideen, die unsere Studierenden mit auf den Campus bringen, auch unternehmerisch umgesetzt werden, wurde der Entrepreneurship-Track für das „Wirtschaft-neu-denken“-Studium gegründet.

Die Studierenden, die den Entrepreneurship-Track belegen, werden in ihrem Gründungsvorhaben systematisch begleitet. Die Unterstützung beschränkt sich nicht auf einzelne Lehrveranstaltungen oder Beratungsangebote, sondern wird über 6 Semester laufend in den Studienverlauf integriert. So umfasst der Entrepreneurship-Track jedes Semester Lehrveranstaltungen, die den Studierenden Schritt für Schritt die Möglichkeit geben, eine Geschäftsidee zu entwickeln und ein Geschäftsmodell für diese Idee zu erstellen. Zudem können sie einen Markttest durchführen, Finanzierungsformen erarbeiten und das Gründungsvorhaben systematisch weiterentwickeln. Dabei befassen sich die Studierenden mit Start-Up-Management und erlernen, einen Business-Plan zu erstellen.

 

Wer hat Sie dabei unterstützt?

Der Entrepreneurship-Track ist ein Gemeinschaftsprodukt des Fachbereichs Wirtschaft der Alanus Hochschule. Er wurde 2013 gegründet und von Prof. Dr. Susanne Blazejewski betreut. Seit 2015 ist der Entrepreneurship-Track an die Juniorprofessur für Sustainable Innovation & Entrepreneurship von Jun.-Prof. Dr. Jacob Hörisch angegliedert.

In den einzelnen Kursen des Entrepreneurship-Track werden wir von zahlreichen erfolgreichen Gründern unterstützt. So unterrichtet im Entrepreneurship-Track u.a. Götz Werner, der Gründer von dm drogerie markt. Zudem berichten zahlreiche Alumni des Studiengangs, die selbst bereits nachhaltige Geschäftsideen umgesetzt haben, regelmäßig von ihren Erfahrungen.

Große Unterstützung erhalten wir natürlich auch von unseren Partnerunternehmen und -organisationen.

 

Welche Geldquellen haben Sie gesucht? Wie konnten Sie Investoren überzeugen?

Finanziell ermöglicht wird die Arbeit des Fachbereichs Wirtschaft der Alanus Hochschule durch die Unterstützung unserer zahlreichen Partnerunternehmen und -organisationen (u.a. Alnatura, dm, Fairtrade International, GLS-Bank, Weleda und weiteren Partnern.

Die Motivation der Partnerunternehmen und ‑organisationen zur finanziellen Unterstützung speist sich teils aus dem eigenen Bedarf an Führungsnachwuchs, teils aus dem Interesse an gemeinnütziger Förderung ökonomischer Bildung.

 

Welche Herausforderungen sehen Sie an Ihrem Beispiel für grünes Gründen in Deutschland?

Wir merken, dass viele Menschen mit grünen Ideen die Möglichkeit, diese Ideen unternehmerisch umzusetzen, überhaupt nicht erst in Erwägung ziehen. Dadurch verlaufen zahlreiche Ideen im Sande, die zu einem gesellschaftlichen Wandel in Richtung Nachhaltigkeit beitragen könnten. Wir nehmen die Herausforderung an und unterstützen Studierende, ihre nachhaltigen Ideen auch in der Praxis umzusetzen. Dabei ermutigen wir sie, dabei eine möglichst große Wirkung zu erzielen.

 

Was leistet Ihr Projekt für den Klimaschutz? Wie trägt es zum Wandel in der Gesellschaft bei?

Der Entrepreneurship-Track trägt zu einem Nachhaltigkeitswandel bei, indem er die Entstehung von nachhaltigkeitsorientierten, studentischen Gründungen unterstützt. Dabei werden auch Ansätze vermittelt, wie die Potenziale der jeweiligen Geschäftsidee unternehmerisch umgesetzt werden können. Ziel ist es, einen Mehrwert für Gründer/innen und Gesellschaft zu schaffen.

Durch unsere Studierenden sind bereits zahlreiche Ideen entstanden, die zur Lösung sozialer und ökologischer Probleme beitragen. So haben unsere Alumni z.B. bereits Unternehmen gegründet, die ökozertifizierte Fair-Trade-Mode vertreiben, nachhaltigen Konsum belohnen, Menschen mit Depressionen helfen, mit ihrer Krankheit besser zu leben, Kinderspielzeug verleihen und so deutlich länger nutzbar machen. Die Liste der bisher umgesetzten Ideen lässt sich weiter fortsetzen. Jedes Semester entstehen auf dem Campus neue Ideen.

Zu unseren Erfolgen zählt die Aufnahme unserer Alumni in Förderschemata wie das EXIST-Stipendium (zurzeit etwa die Wertewandel GmbH). Die Gründung einer weiteren Absolventin, die ARYA-App, wurde 2015 in einem von der Bundesregierung initiierten Wettbewerb mit dem ersten Platz als „Kreativpilotin“ ausgezeichnet.

 

Welches Geschäftsmodell steckt hinter Ihrem Vorhaben?

Der Mehrwert, den wir unseren Studierenden anbieten, ist eine strukturierte Unterstützung ihres Gründungsvorhabens im gesamten Verlauf des Studiums. Und das zahlt sich auch für uns aus: Eine Gründung durch unsere Studierenden ist mittlerweile selbst Partnerunternehmen des Studiengangs „Wirtschaft neu denken“ und finanziert unsere Arbeit so mit.

Unternehmertum ist ein wichtiger Bestandteil der „DNA“ des Fachbereichs Wirtschaft als autarker Organisationseinheit einer privaten Hochschule mit einzigartigem Finanzierungskonzept. Unser Studienangebot kommt ohne staatliche Zuschüsse aus und trägt sich aus den Studiengebühren, die unsere Partnerunternehmen für Studierende übernehmen, die im jeweiligen Unternehmen Praxisphasen absolvieren.

 

Was ist dabei Ihr Alleinstellungsmerkmal?

Viele grünen Gründungsförderer versuchen konventionelle Gründer für grüne Gründungen zu motivieren. Wir adressieren zusätzlich auch gezielt Menschen mit nachhaltigen Ideen und versuchen diese durch umfangreiche Unterstützung zu einer unternehmerischen Umsetzung dieser Idee zu motivieren. Durch die Nachhaltigkeitsorientierung des Studiengangs und des Entrepreneurship-Tracks werden viele Abiturient/innen für ein BWL-Studium gewonnen, die für das Thema Nachhaltigkeit intrinsisch motiviert sind und die an anderen Hochschulen nicht BWL studieren würden.

Der Entrepreneurship-Track zeichnet sich zudem dadurch aus, dass gründungsinteressierte Studierende über das komplette Studium systematisch begleitet und unterstützt werden. Das Angebot richtet sich bewusst auch an nur potenziell gründungsinteressierte Studierende, ohne eine starke Mehrbelastung für die Studierenden darzustellen. Dadurch können Studierende ohne konkrete Gründungsintention für nachhaltige Gründungsvorhaben gewonnen werden.

Durch die Juniorprofessur für Sustainable Innovation & Entrepreneurship besitzt der Fachbereich Wirtschaft der Alanus Hochschule passgenaue Fachkompetenz. Gründungswilligen Studierenden werden Mentoren aus dem Netzwerk der Alanus Hochschule vermittelt, die über umfassende Gründungserfahrung verfügen und so auch das nötige praktische Rüstzeug für eine erfolgreiche Gründung vermitteln können.

 

Welchen Tipp haben Sie für Gründerinnen und Gründer in der Green Economy?

Wer Wertschöpfung im eigentlichen Sinne betreibt, kann auch einen Markt für die geschaffenen Werte finden. Um diese Herausforderung erfolgreich zu meistern, ist allerdings ein funktionierendes Geschäftsmodell, das den Wert für Umwelt und Gesellschaft, aber eben auch für die Kundinnen und Kunden sichtbar macht, von zentraler Bedeutung.

 

Warum wollen Sie den StartGreen Award 2016 gewinnen?

Mit dem Preisgeld des StartGreen Awards könnten die Beratung und Vernetzung der unterschiedlichen Gründungsinitiativen auf dem Campus durch regelmäßige Entrepreneurship-Sprechstunden und Vernetzungstreffen für die involvierten Gründerteams verbessert werden. Wir würden uns zudem freuen, unser Unterstützungsangebot durch die Förderung im Rahmen des Start-Green-Awards auch auf weitere Gruppen von Studierenden der Alanus Hochschule ausweiten zu können (z.B. Studierende des Masterstudiengangs „Wirtschaft zukunftsfähig gestalten“ sowie des Bachelorstudiengangs „Nachhaltiges Wirtschaften“).

Der Gewinn des StartGreen Awards wäre darüber hinaus natürlich eine großartige Bestätigung für unsere Arbeit im Entrepreneurship-Track, aber auch Motivation für unsere Studierenden, den erfolgreichen Beispielen der bisherigen Alanus-Gründer/innen zu folgen.

 


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