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circular.fashion: Digitale Lösung für eine Kreislaufwirtschaft in der Textilindustrie

© circular.fashion

Redaktion

In aller Kürze: Was ist eure Unternehmensidee?

Unser circular.fashion System bietet der Textilindustrie eine vernetzte Softwarelösung. Diese stellt die Verbindung zwischen Materiallieferanten, Modemarken, Konsumenten, Altkleidersortierern und Recyclern, im Sinne einer Industrie 4.0, her. Die einzelnen Komponenten des Systems richten sich an verschiedene Kundengruppen. Durch diese Komponenten wird der Kreislauf für Textilien durch hochwertiges Recycling über die ganze Wertschöpfungskette geschlossen.

Die Circular Design Software (CDS) enthält drei Module: eine Materialdatenbank, Designstrategien, und einen Produktkonfigurator, der in Echtzeit Informationen ausgibt, ob sich die Komposition für einen Recycler eignet oder nicht. Durch dieses dritte Modul kann circular.fashion auch die Produktspezifikation speichern, die für die Reverse-Lieferkette relevant ist.

Als zweiten Schritt entwickelt circular.fashion nun die ‚Reverse Supply Chain Intelligence‘ (RSCI) Lösung. In dieser sollen Textilien mit einem Identifikationscode - der circularity.ID - ausgestattet werden, um die in der Design Software gespeicherten Informationen der Reversen-Lieferkette zugänglich zu machen. So dass für jedes Kleidungsstück die Materialien mit dem bestmöglichen Recyclingprozess zu neuen Fasern regeneriert werden können.

Welche Mission verfolgt ihr? Auf welche Weise leistet ihr einen positiven Beitrag für die Umwelt oder Gesellschaft?

Aktuell werden weniger als ein Prozent der weltweit gesammelten Alttextilien mit innovativen Recyclingverfahren zu neuen Fasern regeneriert. Der Großteil wird auf Mülldeponien entsorgt, thermisch verwertet (verbrannt) (87%) oder zu geringerem Wert mechanisch recycelt (12%). Gründe für die geringe Nutzung dieser Faser-zu-Faser Recyclingverfahren sind zum einen die fehlende Verbreitung der Input-Anforderungen dieser innovativen Recyclingverfahren. Zum anderen fehlen Strukturen und Identifikationsmöglichkeiten, um die materialspezifische Rückführung von Textilien zum entsprechenden Recyclingunternehmen zu gewährleisten. Um die Branche zu verändern, müssen verantwortungsbewusste, kluge und kreative Entscheidungen in jedem Aspekt des Lebens eines Kleidungsstücks getroffen werden - von der Auswahl der richtigen Materialien, über Design und Konstruktion, Einzelhandel und Verwendung bis hin zur Wiederverwendung und zum Recycling. Wir bei circular.fashion setzen uns mit unserem System zum Ziel, die textilen Wertstoffkreisläufe zu schließen. Dabei verfolgen wir die Mission das Wegwerfsystem der Modeindustrie zu revolutionieren, indem wir die Textilprodukte von heute zu den Ressourcen von morgen werden lassen.

Wie kam euch die Idee zur Gründung?

Ina Budde und Mario Malzbacher gründeten das Unternehmen vor zwei Jahren mit dem Ziel, die Kreislaufwirtschaft für Textilien zu beschleunigen. Ina studierte zuvor Modedesign in Hamburg und schloss ein weiteres Studium zu „Nachhaltigkeit in Fashion“ in Berlin an. In ihrer Masterarbeit beschäftigte sie sich bereits mit dem Thema einer kreislauffähigen Modeindustrie und entwickelte ein erstes Konzept eines solchen Kreislaufsystems. Den Geschäftsentwickler Mario, der bereits ein Start-Up in derselben Branche aufgebaut hatte, traf sie schließlich auf einer Textilmesse. Ein gemeinsames Ziel vor Augen – die Modeindustrie nachhaltiger zu machen – gründeten sie nach kurzer Zeit das Unternehmen circular.fashion.

Wie sieht euer Geschäftsmodell aus?

Derzeit werden Erlöse vor allem durch Workshops und Beratungsdienstleistungen für Designer und Modemarken (z.B. Hugo Boss oder Zalando) generiert. Sobald die Pilotphase für die Circular Design Plattform abgeschlossen ist, wird die Nutzung für die Modefirmen kostenpflichtig. Zusätzlich werden Modefirmen das Angebot der circularity.ID nutzen können und diese in ihre Kollektionen integrieren. In diesem Fall zahlen sie für das Datenmanagement und die Erstellung einer Produktseite, die dann für Konsumentinnen und Konsumenten zugänglich ist. Durch die zukünftigen Erlöse aus der Reverse-Lieferkette (der Sortiersoftware) wird das Geschäftsmodell abgerundet. Die Position einer Closed Loop Supply Chain Management Lösung ist bisher nicht besetzt. Mit der frühzeitigen Bereitstellung eilt circular.fashion der gegenwärtigen Entwicklung hin zu einer Industrie 4.0 voraus, um eine starke Position am Markt der digitalen Lösungen für eine ressourceneffiziente Kreislaufwirtschaft einzunehmen.

 

Was ist euer Alleinstellungsmerkmal?

Das circular.fashion System bietet die erste digitale Lösung für eine ressourceneffiziente Kreislaufwirtschaft in der Mode- und Textilbranche. Modemarken können erstmals in einem effizienten Designprozess kreislauffähige Produkte gestalten. Dank der Trackingfähigkeit anhand der circularity.ID können sie deren Materialien nach dem Recyclingprozess sogar selbst wieder für neue Kollektionen verwenden. Der effiziente, kreislauffähige Gestaltungsprozess wird beschleunigt durch die erste Materialdatenbank mit vorgeprüfter Recyclingfähigkeit. Zusätzlich bietet die circularity.ID erstmals einen neuen Kanal für die direkte Kundenkommunikation nach dem Verkauf. Auch die Sortierbetriebe profitieren von einer signifikanten Wertsteigerung der Altkleider und einer intelligenten, akkuraten Sortierung.

Gibt es bestimmte Herausforderungen speziell in eurer Branche?

Die weltweite Kleiderproduktion verdoppelte sich zwischen dem Jahr 2000 und 2016 auf über 100 Mio. Tonnen Textilfasern (McKinsey 2016). Dafür werden jährlich 98 Mio. Tonnen fossile Rohstoffe und 93 Mrd. m3 Wasser verwendet, sowie 21 Mrd. Tonnen CO2 emittiert. Diese Ressourcenverschwendung werden sich die Marktteilnehmerinnen und Marktteilnehmer künftig nicht mehr leisten können. Denn mit dem Anwachsen der Erdbevölkerung, der Verkürzung der Modezyklen und der dadurch steigenden Nachfrage nach Textilien werden Rohstoffe wie Baumwolle und synthetische Fasern aus Rohöl zunehmend knapper, teurer und geraten in Konflikt zum Lebensmittelanbau. Vielen Stakeholdern ist dies überaus bewusst. Ein Einsatz der Rohstoffe zu gleichem oder sogar höherem Wert wäre daher aus ökologischer sowie aus ökonomischer Perspektive optimal.

Dennoch stehen dem Wandel der Industrie hin zu einer Kreislaufwirtschaft drei strukturelle Herausforderungen entgegen. (1) Produkte müssen von Anfang an recyclingfähig designt werden, (2) Konsumenten müssen die Produkte in die richtigen Kanäle zurückführen und (3) die Reverse Lieferkette benötigt sehr detaillierte Informationen über das Produkt, um es hochwertig recyceln zu können. Diesen Herausforderungen widmet sich circular.fashion.

Wie sieht eure langfristige Vision aus?

Der Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft ist keine Option, sondern eine Notwendigkeit. Sowohl für das wirtschaftliche Überleben von Unternehmen als auch in Hinblick auf derzeitige Umwelt-, Ökologie- und Nachhaltigkeitsherausforderungen. Die Nachhaltigkeitsherausforderungen für die Textilindustrie hinsichtlich Ressourceneinsatz, Müll und CO2 Ausstoß sind unumstritten. Unsere Vision ist diesen Systemwandel zu vollziehen und die Produkte von heute in die Ressourcen von morgen zu verwandeln.

Und zu guter Letzt: Warum wollt ihr den StartGreen Award 2019 gewinnen?

Unser Geschäftsmodell ist B2B basiert. Der StartGreen Award 2019 bietet uns die einmalige Möglichkeit, die Lösung von circular.fashion einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen und zugleich das Problem der Modeindustrie in den Fokus zu rücken. Zusätzlich ist es eine hervorragende Chance, über das Netzwerk Zugang zu neuen Partnerinnen und Partnern und Plattformen zu bekommen. Und natürlich wäre der Gewinn ein weiterer Motivationsschub, unsere Ambitionen weiterhin mit Enthusiasmus und Leidenschaft zu verfolgen und würde unsere Bedeutsamkeit für einen nachhaltigen Wandel bestätigen.

 

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