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Bike-Sharing in Berlin - Die Zukunft von Mobike

© Alina Haenler - Borderstep

Redaktion

Berlin Gleisdreieckpark - dort im Dickicht, von  Efeuranken umgeben, leuchtet etwas Orangenes hervor . Erst beim näheren Betrachten wird deutlich, was es ist: ein Mobike. Anblicke wie diese sind in Berlin längst keine Seltenheit mehr. Besonders die Billigfahrräder vom chinesischen Bike-Sharing-Anbieter Mobike sind häufig vom Vandalismus betroffen. Sie liegen übereinandergestapelt an Straßenrändern, stehen nutzlos an Gehwegen herum oder blockieren ausgerechnet Fahrradwege. So haben sich die Bike-Sharing-Anbieter das sicher nicht vorgestellt. Doch wie kommt es zu dieser Verwahrlosung und Misshandlung der Leihfahrräder?

 

Bei Mobike hat dies mehrere Gründe. Der chinesische Anbieter bietet einen schlechten Kundenservice und wartet ihre Fahrräder nicht. Einmal in Berlin abgestellt werden sie einfach genutzt, bis sie nicht mehr funktionieren und anschließend werden sie entsorgt. Dieser Einweggebrauch der Räder missfällt vielen Stadtbewohnern, da es nicht die Richtlinien der Nachhaltigkeit erfüllt und für Ressourcenverschwendung steht. Auf gerade einmal ein Jahr wird die Lebensdauer, des orangenen Leihfahrrads mit dem ausgefüllten Gummireifen, geschätzt. Ja, es befindet sich tatsächlich keine Luft in den Reifen, sondern sie sind komplett mit Gummi ausgefüllt, damit die Reifen nicht regelmäßig aufgepumpt werden müssen, denn das würde wieder eine Wartung der Räder und somit erhöhte Kosten für den Anbieter erfordern. Die Qualität der Räder ist folglich nicht sehr gut. Diese ist den Deutschen aber in der Regel besonders wichtig, da gute Qualität Zuverlässigkeit, Sicherheit und Komfort beim Fahren verspricht. Hinzu kommt, das stationslose System der Mobikes, welches oft überfordernd und unstrukturiert auf potenzielle Nutzer wirkt. Aufgrund mangelnder Stationen und wenig Kundenservice, stehen die Räder oft wahllos innerhalb des Stadtringes in der Gegend rum. Hinzu kommen noch die aktuellen Gerüchte über Datenmissbrauch und voila, schon haben haben ist das Negativimage des Anbieters Mobike kreirt.

 

Kein seltener Anblick: Übereinandergestapelte Mobikes am Straßenrand in Kreuzberg | Foto: Alina Haenler

 

Dabei liegt dem Konzept von Bike-Sharing eigentlich etwas Positives zugrunde. 'Teilen statt Besitzen' ist der Slogan der Sharing Economy, zu der auch Bike-Sharing gehört. Das gemeinsame Leihen der Räder soll Ressourcen schonen und die Mobilität der Stadt erhöhen. Verkehrslücken sollen geschlossen und die Gesundheit der Bevölkerung durch die sportliche Aktivität erhöht werden. In Städten wie Paris, Lyon und Barcelona funktionieren die Bike-Sharing-Systeme sehr gut und werden von einem Großteil der Stadtbewohner genutzt.Was muss in Berlin passieren, damit Bike-Sharing ein positiveres Image erfährt?

Es  würde bereits helfen, wenn sich die mehr als sieben Anbieter in Berlin zusammentun würden, um weniger, aber dafür ein größeres Bike-Sharing-System auf den Markt zu bringen. Die Anzahl der Fahrradstationen und der jeweiligen Leihräder müsste erhöht werden, damit die Berliner dem System vertrauen schenken und sich darauf verlassen können, dass sich immer ein Fahrrad in ihrer Nähe befindet. Außerdem muss die Qualität der Leihräder einen Mindeststandard erfüllen, damit das Fahren Freude bereitet und Sicherheit gewährleistet werden kann. Feste Stationen mit einem einheitlichen Registrierungssystem erleichtern ebenfalls die Nutzung der Fahrradverleihsysteme. Einige Anbieter wie Nextbike sind bereits auf dem richtigen Weg und erfüllen diese Kriterien bereits, doch ihre Reichweite ist für eine Großstadt wie Berlin noch zu gering. Mobike jedenfalls muss dringend etwas an ihrem Konzept verändern, wenn sie diesen Sommer durch die Benutzung der Räder und nicht etwa durch verwahrloste Fahrräder am Straßenrand auf sich aufmerksam machen wollen!

 

 

 

 

 

 


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