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Alethia-Wood im Interview

© Alethia Wood

Redaktion


Alethia-Wood: Innovative Glasbeschichtung statt giftiger und erdölbasierter Holzschutzmittel

 

Wie kam Ihnen die Idee zu Ihrem Projekt?

Ich hatte neben meinem Physikstudium ein Interesse für Sol-Gel-Chemie. Ich fand die superleichten Strukturen (Aerogele), die damit herstellbar sind, einfach spannend. Dann habe ich meine Erkenntnisse der Physik mit denen der Chemie verbunden; ein wenig experimentiert; das Potenzial für einen nachhaltigen Umgang mit dem Naturstoff Holz erkannt und damit die Grundlage für einen neuen Beschichtungsprozess gelegt. Mit diesem Prozess und einem weiterführenden Schritt können nun Glasschichten vorrangig auf porösen Natursubstraten, wie Holz, Stroh und Stein, erzeugt werden.

 

Wer hat Sie dabei unterstützt?

Herr Prof. Dr. Rainer Hippler vom ehemaligen Lehrstuhl „Nano- und Grenzflächenphysik“ der Universität Greifswald ermöglichte die ersten notwendigen Experimente. Frau Prof. Dr. Christiane A. Helm vom Lehrstuhl „weiche Materie“ bot nach der Emeritierung von Prof. Hippler die Weiterführung der Experimente noch während meines Studiums an und betreute meine Masterarbeit in einem verwandten Thema.

Es wurde sehr schnell klar, dass ich ein Team für die Entwicklung und Verwertung der Idee brauche. Seit 2013 stehen mir der Umweltwissenschaftler (und angehender Materialwissenschaftler) Jan Schütter und der Diplom-Kaufmann Sebastian Riesebeck zur Seite. Außerdem werden wir vom INP Greifswald (Leib­niz-In­sti­tut für Plas­ma­for­schung und Tech­no­lo­gie) als Spezialist der verwendeten Plasmatechnologie unterstützt.

Auf den Weg in Richtung Unternehmen hat uns der Forschungsverbund Mecklenburg-Vorpommern (FMV) gebracht. Mittlerweile stehen uns zahlreiche Coaches, u.a. von Wettbewerben (Science4Life etc.) und ein Business Angel als Sparringspartner zur Verfügung.

 

Welche Geldquellen haben Sie gesucht? Wie konnten Sie Investoren überzeugen?

Mittlerweile trägt das Projekt den Namen „Alethia-Wood“ und wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen des Ideenwettbewerbs “Neue Produkte für die Bioökonomie“ gefördert. Aus dieser Förderung geht ein Konzept für eine industrielle Beschichtungsanlage hervor, um gemeinsam mit Investoren und bereits gefundene Partnern bzw. Pilotkunden erste praktische Versuche durchführen zu können.

 

Welche Herausforderungen sehen Sie an Ihrem Beispiel für grünes Gründen in Deutschland?

Einen grünen Gedanken mit einem echten Kundennutzen zu verbinden stellt eine Herausforderung dar. In der Öffentlichkeit findet angesichts der heutigen Umweltzerstörung eine klare Hinwendung zu „Clean Tech“-Lösungen statt. Diese Ideen müssen sich jedoch im Markt behaupten können. An dieser Stelle ist Kreativität und Einfallsreichtum ebenso gefragt, wie ein starkes Verantwortungsbewusstsein. Hier schließt sich der Kreis zu den Verbrauchern. Wenn eine echte Lösung für ein Problem gefunden wird, können diese an der grünen Verantwortung Teil haben und ihren Teil dafür tun, dass diese Lösungen am Markt Erfolg haben. Nur so, denke ich, werden grüne Konzepte marktfähig.

 

Was leistet Ihr Projekt für den Klimaschutz? Wie trägt es zum Wandel in der Gesellschaft bei?

Unsere Entwicklung verlängert die Produktlebenszyklen der Holz- und Naturprodukte: Die Produkte können also einfach viel länger genutzt werden. So tragen wir zu einem nachhaltigen Umgang mit dem Werkstoff Holz bei.

Dazu stellen wir der gesamten holzverarbeitenden Industrie unsere Technologie der Glasbeschichtung zur Verfügung. Dies entlastet die Wälder – unsere grünen Lungen – als natürliche CO2 -Speicher. Durch die stark erhöhte Resistenz von glasbeschichtetem, einheimischem Holz kann Tropenholz, welches derzeit bei starken Beanspruchungen aufgrund seiner hohen Resistenzklasse verwendet wird, ersetzt werden. Ein Beispiel wäre das Schiffsdeck vieler Segelboote. Diese Alternative werden wir bei unseren Kunden anregen.

Außerdem kann unser Projekt mithelfen, schädliche Chemikalien aus den Wohn- und Lebensräumen des Menschen zurückzudrängen. Unsere Technologie ersetzt die zum Teil umweltgefährdenden erdölbasierten Holzschutzlösungen durch einfache und unbedenkliche Glasschichten.

 

Welches Geschäftsmodell steckt hinter Ihrem Vorhaben?

Wir vermarkten eine neue patentierte Technologie, indem wir der Industrie Anlagen und Beschichtungsrezepturen zur Verfügung stellen/verkaufen werden. Somit können die Vorteile für Mensch und Natur möglichst breit genutzt werden. Vom glasbeschichteten Gartenzaun bis zum Holzboot: Wir können allen Anforderungen insbesondere der holzverarbeitenden Industrie gerecht werden und Lösungen entwickeln.

Außerdem werden wir die Technologie zusammen mit Partnern im Bautenschutz etablieren/auslizenzieren. Insbesondere haben wir die Sanierung der von Schwefelsäure belasteten Abwassersysteme im Blick (Betonkorrosion).

 

Was ist dabei Ihr Alleinstellungsmerkmal?

Der etablierte Holzschutz ist sehr vielfältig. Es gibt Lösungen, wie beispielsweise Öl oder Wachs, die genau wie eine Glasschicht, absolut verträglich für Mensch und Natur sind. Dann gibt es Lösungen speziell für den transparenten UV-Schutz (Nanodispersionen), wobei das Holz nicht mehr so schnell vergraut. Auch für den Flammschutz, für eine Schmutzabweisung oder für eine erhöhte Kratzfestigkeit existieren Lösungen. Die Gemeinsamkeit ist, dass alle Lösungen das Holz vor Feuchtigkeit schützen müssen damit es nicht quillt und schimmelt. Dazu muss der Schutz regelmäßig erneuert werden.

Doch wie sieht es aus, wenn ein unbedenklicher UV-Schutz, verbunden mit einem unbedenklichen Flammschutz und einer Schmutzabweisung benötigt wird? Funktionalisierte Glasschichten vereinen all diese Vorzüge der verschiedenen Holzschutzlösungen und überzeugen durch die Dauerhaftigkeit von Glas. Ein Holzfenster, das feuerfest ist, nach Holz aussieht, Schmutz abweist (am Rahmen), nicht schimmelt und nicht mehr gestrichen werden muss, wäre eine mögliche Anwendung.

 

Welchen Tipp haben Sie für Gründerinnen und Gründer in der Green Economy?

Der Verantwortung, die man mit seinem Konzept für die Natur, die Umwelt und die Menschen annimmt, auch in stürmischen Tagen treu und dennoch flexibel zu bleiben. Hier hilft es, das Problem aus der Sicht des Kunden, aber auch der Mitbewerber zu betrachten, um einen entsprechenden Weg zu finden.

 


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