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Ackerdermia: Der Schulgarten des 21. Jahrhunderts

© Ackerdemia

Redaktion

In aller Kürze: Was ist eure Unternehmensidee?

Ackerdemia ist ein gemeinnütziges Sozialunternehmen mit dem Ziel, das Bewusstsein in der Gesellschaft bezüglich Landwirtschaft, Nachhaltigkeit und gesunder Ernährung zu stärken. Damit wächst auch die Wertschätzung für Natur und Lebensmittel. Hierfür werden Bildungsprogramme entwickelt und umgesetzt.

Das Hauptprogramm ist die GemüseAckerdemie, bei dem Schulen und Kitas unterstützt werden, einen eigenen Gemüseacker anzulegen und nachhaltig als naturnahen Lernort zu nutzen. Dabei bewegen sie sich an der frischen Luft und kommen mit Pflanzen und Bodenlebewesen in Kontakt, entwickeln Sozialkompetenzen, ein gesundes Ernährungsverhalten sowie neue Interessen und Fertigkeiten. Begleitet wird dies durch BNE-Bildungsmaterialien, die auch weiterführende Themen wie die globalen Auswirkungen des eigenen Konsums behandeln. Neben den teilnehmenden Kindern werden ebenso die Lehrkräfte, Erzieherinnen und Erzieher, ehrenamtlichen Förderpersonen und Familien erreicht.

Welche Mission verfolgt ihr? Auf welche Weise leistet ihr einen positiven Beitrag für die Umwelt oder Gesellschaft?

“Für eine Generation, die weiß, was sie is(s)t” – so lautet unsere Vision, für die wir 2019 mehr als 450 Kitas und Schulen auf den Acker schicken. Mit unserem langjährigen Wissen entwickeln wir darüber hinaus weitere Produkte, Programme und Dienstleistungen, um auch private Haushalte und Unternehmen für einen verantwortungsvollen Umgang mit Natur und Lebensmitteln zu motivieren.

Mit Bewusstseinsbildung werden Wissen und Werte vermittelt sowie Kompetenzen gefördert, die für die Gestaltung einer nachhaltig verträglichen Zukunft erforderlich sind. Mit unserer Bildungsarbeit leisten wir einen Beitrag zur Agenda 2030 und zur Erreichung ihrer 17 Entwicklungsziele: den Sustainable Development Goals.

Wie kam euch die Idee zur Gründung?

Wie so vieles bei uns stammt auch die Idee zur Gründung direkt vom Acker. Der Ausflug einer Schulklasse zum Kartoffelhof der Eltern des Ackerdemia-Gründers Dr. Christoph Schmitz brachte den Stein ins Rollen. Er hat sich die Frage gestellt: Wie sollen Kinder an nur einem Tag nachhaltig lernen, wie Landwirtschaft funktioniert? Geprägt durch dieses Erlebnis und seine wissenschaftliche Arbeit am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung entwickelte er im Jahr 2012 die erste Idee des Bildungsprogramms GemüseAckerdemie. Die Grundidee dabei war, nicht die Kinder zum Acker, sondern den Acker zu den Kindern zu bringen. Nach fast einem Jahr Konzeptarbeit und einer Forschungsarbeit zum Thema "Entfremdung der Gesellschaft von der Nahrungsmittelproduktion" kam im Sommer 2013 der erste Praxistest: Die Begeisterung der Kinder auf dem Acker, der sichtbare Lernerfolg und das frisch geerntete Gemüse überzeugten alle Beteiligten. Mittlerweile setzen wir die GemüseAckerdemie an fast 500 Standorten in allen 16 Bundesländern, Österreich und der Schweiz um und erreichen in diesem Jahr über 18.000 Kinder und Jugendliche.

Wie sieht euer Geschäftsmodell aus?

Ackerdemia hat mit der GemüseAckerdemie ein einzigartiges und ganzheitliches Bildungsprogramm entwickelt. Der innovative Theorie-Praxis-Ansatz, die nachhaltige Finanzierungsstruktur und das skalierbare Wirkungsmodell machen die GemüseAckerdemie zu einem nachhaltigen Bildungsmodell für das 21. Jahrhundert. Hinter Ackerdemia steht ein interdisziplinäres Team aus Haupt- und Ehrenamtlichen, das mit Leidenschaft an der Verwirklichung unserer Vision arbeitet.

Um die Finanzierung des Bildungsprogramms dauerhaft zu sichern, hat Ackerdemia ein innovatives Matchfunding-Modell entwickelt. Es basiert auf einem solidarischen Eigenanteil der Bildungseinrichtungen und einem Matchfunding von Dritten (z.B. Kommunen, Stiftungen, Unternehmen). Durch die Wissens- und Kompetenzvermittlung an die Lernorte sinken die Kosten kontinuierlich mit jedem Teilnahmejahr, bis kein Matchfunding mehr erforderlich ist und die GemüseAckerdemie selbsttragend und unabhängig durchgeführt werden kann.

Zudem werden weitere Finanzierungskanäle erschlossen. In unserem Onlineshop – dem AckerLaden – werden eigene Produkte wie z.B. unser Kochbuch AckerKüche verkauft. Daneben wurde dieses Jahr die AckerCompany ausgegründet, die mit ihrem Office-Gardening-Konzept AckerPause Gemüsebeete in Büros von Unternehmen bringt und Workshops rund um Ernährung, Bewegung und Gemüseanbau anbietet.

Was macht die GemüseAckerdemie so besonders?

Wir bringen das bewährte Konzept des Schulgartens ins 21. Jahrhundert und passen es an die heutigen Gegebenheiten und Ansprüche von Schulen, Kitas, Lehrkräften, Erzieherinnen und Erzieher, Kindern und Jugendlichen an. Ziel ist es, dass sich die Kinder mit Freude und Begeisterung dem Themengebiet Lebensmittel nähern und so ganz von alleine eine höhere Wertschätzung entwickeln.

Der Bildungsmarkt mit Fokus auf naturnahe Wissensvermittlung ist dominiert von unterfinanzierten Projekten und einzelnen Insellösungen. In der Regel werden diese von den Schulen selbst oder von staatlichen Organisationen durchgeführt. Ackerdemia grenzt sich mit der GemüseAckerdemie deutlich ab, da die Angebote auf Langfristigkeit, strukturelle Einbindung und Skalierung ausgelegt sind. Durch das Vermarktungs- und Matchfunding-Modell sowie die Nutzung von Kostendegressionseffekten (z.B. durch den Einsatz von eLearning beim Train-the-trainer-Ansatz) und Dichtevorteilen (economies of density) arbeitet Ackerdemia wirtschaftlich. Unsere Programme ermöglichen den Lernorten viel Gestaltungsspielraum. Die Bildungseinrichtungen können die Umsetzung an ihre individuellen Bedürfnisse anpassen. Hierdurch maximieren wir die Wirkung unserer Programme, denn die steht bei all unseren Programmen im Mittelpunkt.

Wie sieht die Zukunft von Ackerdemia aus?

Mit der GemüseAckerdemie bilden wir eine Generation junger Konsument*innen aus, die sich durch ein grundlegendes Verständnis der Lebensmittelproduktion und ein reflektiertes und nachhaltiges Konsumverhalten auszeichnet. In der Zukunft möchten wir jeder interessierten Bildungseinrichtung im deutschsprachigen Raum die Teilnahme an unserem Bildungsprogramm ermöglichen, damit so möglichst viele Kinder und Jugendliche erreicht werden können. Außerdem werden wir weitere Zielgruppen für Lebensmittel, Gemüseanbau und Nachhaltigkeit begeistern. Dafür entwickeln wir aktuell entsprechende Programmalternativen.

Und zu guter Letzt: Warum wollt ihr den StartGreen Award 2019 gewinnen?

Wir feiern in diesem Jahr unser 5-jähriges Jubiläum und freuen uns sehr, dass aus der Gründungsidee in nur wenigen Jahren ein bundesweit nachgefragtes Bildungsprogramm gewachsen ist. Das ist einfach ACKERtastisch und zeigt, dass es einen großen Bedarf gibt. Der StartGreen Award bedeutet für uns verstärkte Sichtbarkeit und Vernetzung. Diese wollen wir nutzen, um flächendeckend unsere Bildungsprogramme anzubieten und Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen einen Zugang zu nachhaltiger und erfahrungsbasierter Umweltbildung zu ermöglichen. Denn wir sind überzeugt: Ackern schafft Wissen! Und dieses Wissen hilft, verantwortungsvoll zu handeln und sich für eine enkeltaugliche Zukunft einzusetzen.

 

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