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10 Erkenntnisse aus meinem ersten Startup

Danny Holtschke


 

Startups sind keine “kleinere Version” etablierter Unternehmen und setzen kein bestehendes Geschäftsmodell um, sondern sind auf der Suche nach einem eigenen Geschäftsmodell und versuchen so, eigene Innovationen erfolgreich an den Markt zu bringen.

9 von 10 Startups scheitern jedoch dabei!

Wenn Startups jedoch erfolgreich werden, wachsen sie unvorstellbar schnell (=exponentiell).

Für viele Gründer werden sie zur emotionalen Achtbahnfahrt - so auch bei mir!

Als ich in 2012 mein erstes Startup - Spotistic - startete, wusste ich nicht, worauf ich mich wirklich einlasse. Ich stellte fest, wie schwer es ist, unternehmerisch tätig zu sein.

Von 0 auf 100. Ohne Vorbereitung. Das Studium gab mir weder Sicherheit noch Wissen. Die Inhalte meiner Arbeit waren so neu, dass ich bei Null anfing.

Aus meinem ersten Startup-Versuch lernte ich, dass ich nur des Gründen wegen gestartet bin, mir aber keine Gedanken über meinen Antrieb und meine wirkliche Motivation gemacht habe.

 

80/20 Fazit


 

Meine 10 Erkenntnisse im Überblick

  1. Tue etwas, was du liebst. Verstehe, was dir im Leben wichtig ist und gestalte es dementsprechend.

  2. Finanzielle Unabhängigkeit und emotionale Stabilität sind die Basis unternehmerischen Erfolgs (Hinweis: Erfolg hat viele Facetten, nicht nur finanziell).

  3. Als erstmaliger Startup-Gründer sind Accelerator-Programme super, um dein Netzwerk aufzubauen und erste Erfahrungen zu sammeln.

  4. Verstehe deine Stärken und baue diese aus. Finde und baue dein Team so auf, dass deine Schwächen ausgeglichen werden.

  5. Baue dein Unternehmen dort auf, wo einige deiner idealtypischen Kunden sind, um diese bestmöglich zu verstehen.

  6. Es gibt interne und externe Komponenten, die dein Startup erfolgreich machen. Die meisten Startups scheitern aufgrund interner Faktoren (fehlende Vision, Gründerkonflikte, Teamkonflikte, Investorkonflikte, fehlende Produktivität, fehlende Organisation).

  7. Die Zusammenstellung des Gründerteams ist die wichtigste Komponente eines Startups, weil die Idee sich meistens ändert, aber nicht die Werte und Motivation der Gründer. Wähle umso vorsichtiger deine Mitstreiter aus.

  8. SaaS (Software as a Service) als Geschäftsmodell für Geschäftskunden ist die Zukunft.

  9. Mache niemals einen Fehler zweimal. Lerne. Akzeptiere Fehler. Kämpfe weiter.

  10. Ich bevorzuge den Bootstrapping-Ansatz (keine Investoren), um Ideen zu starten. Als erstmaliger Gründer mit einer unreifen Idee ist das Überzeugen von Investoren krasse Zeitverschwendung. Lerne stattdessen deine Zielkunden besser kennen.

 


Kontext zu meinen Einsichten und Erkenntnissen

Erfahre mehr über den Kontext meiner ersten unternehmerischen Erfahrungen in Berlin als einer von drei Gründern des Startups Spotistic.com.

Mir sind zwei Punkte vorab besonders wichtig.

Erstens, bitte betrachte alles mit Skepsis und hinterfrage für dich mögliche Handlungsempfehlungen. Die Startup-Welt ist so schnelllebig, dass meine Ratschläge in ein paar Jahren lächerlich klingen. Ich werde auf jeden Fall zu einem späteren Zeitpunkt meine Erkenntnisse und somit Ratschläge überarbeiten, wenn ich das Gefühl habe, dass sie sich geändert haben.

Zweitens, bitte sieh meine Erfahrungen als ein Fallbeispiel und persönlichen Erfahrungsbericht an. Sie sind weder richtig noch falsch. Es sind lediglich persönliche Erfahrungen, die ich in einer 20-monatigen Zeitspanne von Oktober 2012 bis Juli 2014 in Berlin gesammelt habe.

 

Team & Büro

  • 3 Gründer (2 Ingenieure, 1 BWLer (ich))

  • 3 Mentoren: Jochen Hummel, Thomas Arend und Holger Weiss, und 1-jährige Unterstützung durch das Gründungszentrum der HWR Berlin: Christian Gurol & Prof. Dr. Sven Ripsas

  • Teamgröße: zwischen 3 und 8 Personen (meistens Praktikanten)

  • Büro: mehrere in Berlin (erst Startupbootcamp, Agora, Gründungszentrum HWR, jetzt: Neukölln)

 

Finanzierung

  • Accelerator: Startupbootcamp Berlin

  • 2 Investoren (+100,000€)

  • 1-Jahr EXIST gefördert am Gründungszentrum der HWR Berlin (~100,000€)

 

Geschäftsmodell

  • Zielgruppe: Geschäftskunden (B2B - business to business)

  • Software as a Service (SaaS) mit einem 14-Tage ‘Free Trial’-Ansatz

  • Vertriebsprozess: Kundengewinnung durch wöchentliche E-Mail-Kampagnen

  • Marketing: Blog und Social Media

 

Produkt

  • Aggregation und Auswertung von standortbezogenen Daten aus sozialen Netzen für Geschäftskunden, die schnell mit ihren Kunden  kommunizieren wollen

 

Lass uns gemeinsam die einzelnen Erfahrungen durchgehen, sodass du ein besseres Bild davon bekommst, wie ich letztlich zu den Einsichten und Erkenntnissen gelang. Ich hoffe, dass du so deinen Weg etwas abkürzt und meine Fehler vermeiden kannst, sodass du schneller vorankommst.

Ich wünsche dir nichts weniger als Erfolg.


 

[Accelerator] Startupbootcamp

Im Herbst 2012 lernte ich Victor und Maxence, 2 französische Software-Ingenieure, in Berlin kennen. Sie kamen nach Berlin, um ihre Idee - Fourscan - mit Hilfe von Startupbootcamp Berlin weiterzuentwickeln.

Startupbootcamp ist mittlerweile ein globaler Accelerator in 12 Ländern, der von Alex Farcet in Kopenhagen in 2010 gegründet wurde.

Ich verstehe unter einem Accelerator die Beschleunigung einer Geschäftsidee durch einen intensiven Austausch mit lokalen Experten, Mentoren und Investoren. Der erfolgreichste und erste Accelerator ist Y Combinator aus Kalifornien, welcher 2006 startete und in dem Startups wie AirBnB oder Dropbox gefördert wurden.

Im Gegensatz zum Accelerator steht das Konzept Inkubator, auch wenn beide Begriffe oft synonym verwendet werden. Ich verstehe unter einem Inkubator ein nicht zeitlich begrenztes Programm, wo Startups Büro und andere Dienstleistungen 'umsonst' (ohne Gegenleistung) beziehen. Sie werden aber nicht wie bei Acceleratoren proaktiv beschleunigt.

Wie funktionieren Accelerator? Sie wählen in einem intensiven Sichtungs- und Auswahlprozess die besten Ideen aus. Startupbootcamp beteiligt sich pro Programm an 10 Startups mit einem Betrag von 15,000€, um 8% der Firmenanteile zu erhalten. Oftmals sind Accelerators die ersten Investoren in eine Idee (manchmal nach der Familie oder Freunden). Die meisten Accelerator-Programme dauern 3 Monate. Am Ende der 3 Monate stellen Startups an einem ‘Demo Day’ ihre Idee vor Investoren vor.

Victor, mein Mitgründer und Ideengeber, präsentierte Spotistic 2012 vor 600 Investoren, Mentoren und Experten in Berlin. Der Demo Day war extrem aufregend. So viele Gespräche über unsere Geschäftsidee mit unterschiedlichsten Investoren. Jedes Gesicht wird aufgesaugt. Mit jeder Business Card wuchs mein Selbstvertrauen, dass die Investoren wirklich an unserer Idee und dem Team dahinter interessiert sind.

Einen Tag nach dem Demo Day versandten wir voller Vorfreude unsere Firmenpräsentation und gingen fest davon aus, dass wir bald Investoren gewinnen.

Die Ernüchterung sollte aber in den Wochen darauf folgen.

Wir wurden hart von unserer Euphorie (man könnte auch “Naivität” schreiben) auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Aussagen wie “das Produkt muss erst fertiggestellt werden”, “wir wollen zahlende Kunden sehen”, “euer Vertriebsprozess ist nicht skalierbar”, “wer investiert noch” hörten wir von den Investoren am Fließband.

Alles Gründe (a.k.a. Ausreden), um nicht in uns zu investieren...

Das sagen Investoren nur leider nicht, da sie sich die Tür für ein späteres Investment aufhalten wollen. So halten die meisten Investoren Startup-Gründer hin. Für unerfahrene Gründer wirkt das oft scheinheilig, ist aber leider Teil des Spiels. Akzeptiere es und sei dir dessen bewusst.

Im Team entschlossen wir uns, uns auf die Entwicklung unseres Produktes zu konzentrieren, weil wir wenig Erfolg mit Investoren hatten. Wir rückten so als Team noch enger zusammen und zahlten uns so wenig Gehalt wie möglich aus, um das Überleben von Spotistic zu verlängern. Das Gehalt war zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel. Es war in etwa 1.000 €.

—Gewonnene Erkenntnisse Accelerator: Für erstmalige Startup-Gründer sind Accelerator-Programme sehr gut, weil du dir ein Netzwerk an Mentoren, Experten und Investoren aufbauen kannst und so Zugang zur lokalen Startup-Szene erhältst. Das Team kann sich finden und zeigen, wie es unter enormen Stress funktioniert. In der Regel dauert der Startup-Finanzierungs-Prozess vom ersten Kontakt bis zum Geldeingang auf dem Firmenkonto 6 Monate, wenn man davor keinen Bezug und Kontakt zu den Investoren hatte.

—Botschaft an dich: Konzentriere dich auf deine möglichen Kunden. Verstehe ihre Probleme und finde eine tragfähige Lösung. Falls du ihnen hilfst, werden sie dankend dein Produkt nutzen und dafür zahlen. Wenn du mehr als 10 frühe Überzeuger (Engl. 'early adopters') hast, werden Investoren von allein auf dich aufmerksam. 

Paul Graham sagt: “Make something people want”.


 

[Finanzierung] 2 Runden mit einem Business Angel & VC

Im Frühjahr 2013 sollten wir 2 Investoren finden, die eine Summe von mehr als 50.000€ investierten und sie später nochmals verdoppelten.

 

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Der Beitrag auf Englisch: 10 Startup Lessons Learned

 

Dieser Artikel stammt aus dem Blog von Danny Holtschke, aus dem wir alle zwei Wochen einen Eintrag auf StartGreen vorstellen.

 


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Über Danny Holtschke

Ich schreibe auf StartGreen die Kolumne StartUpGeist. Zudem arbeite ich als Coach für Startups und spreche gelegentlich auf Konferenzen oder bei Firmen über Startups, Innovation und Produktivität. Mit StartupGeist.com versuche ich Studenten zu inspirieren, ihre unternehmerischen Träume zu entdecken und diese fokussiert, produktiv und achtsam umzusetzen. Meine deutschsprachigen Beiträge findest du auf DannyHoltschke.com/Blog.

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